Katharina von Siena

Ein kurzer Blick in die Geschichte:"Katharina von Siena" Heilige - Kirchenlehrerin - Politikerin

Von:
Andrea Osten-Hoschek

Zum Tag der Diakonin: Lebensbild der Katharina von Siena

Am 29. April 2021 feiern wir kfd-Frauen nun schon zum 23. Mal den Tag der Diakonin. In Vorbereitung auf diesen Tag lohnt es sich, sich näher mit Katharina von Siena zu beschäftigen. Wer war diese Frau? Was kann sie uns heute mit auf den Weg geben und was können wir von ihrem kirchenpolitischen Engagement lernen? Katharina von Siena wurde im Jahr 1347 geboren. Ihr Wirken fiel in eine gesellschaftliche, politische und kirchlich sehr unruhige und ungewisse Zeit. Der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich nahm kein Ende, die Pest wütete in Europa, der Kirchenstaat war verwaist und die Päpste residierten seit 1309 in Avignon. 

Aus dem Leben der Heiligen

Katharina wurde als 24. Kind der Färberfamilie Benincasa in Siena geboren. Ihren Eltern und ihr selbst war schnell klar, dass sie ein anderes Leben führen würde, als das wofür ihre Eltern sie vorgesehen hatten. Schon in ihrer Jugend erlebte sie mystische Visionen. Darin begegnete ihr Christus und bereitete sie auf ihren Lebensweg vor. Mit 16 Jahren trat sie schließlich in den sogenannten dritten Orden der Dominikaner ein. Katharina wurde Terziarin. Darunter versteht man eine Laiengemeinschaft, die nach den Zielen und Idealen des Dominikanerordens lebte, ihre Spiritualität teilte und im Gebet mit den Brüdern und Schwestern des Ordens verbunden war. Katharina lebte auf ihre eigene Art ihre Berufung in der Welt: Sie engagierte sich stark diakonisch und war für die Armen und Hilfsbedürftigen in ihrer Heimatstadt da. Schon sehr bald versammelte sich eine große Zahl von Anhängerinnen und Anhänger um sie herum. Mit 23 Jahren erlebte sie den sogenannten „mystischen Tod“. In dieser Vision nahm Christus ihr Herz aus ihrer Brust und tauschte es gegen sein eigenes.

Der Ausspruch des Apostel Paulus „Nicht mehr ich leben, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20) war für Katharina wahr geworden. Diese Art der Frömmigkeit und Spiritualität können wir uns heute schwer vorstellen, aber im 14. Jahrhundert war die Mystik weit verbreitet. Diese Form der Spiritualität hatte natürlich Konsequenzen für das weitere Handeln Katharinas. Katharinas literarisches und politisches Wirken Katharina sah die Zeichen der Zeit, sah die Nöte der Menschen und die Reformbedürftigkeit der Kirche und wollte dem entgegenwirken. Dies tat sie auch auf ihre ganz eigene Weise: Katharina schrieb bzw. diktierte Briefe, da sie kaum lesen und schreiben konnte. Im Zeitraum zwischen 1370 und ihrem Tod 1380 entstanden 381 Briefe, 26 Gebete und ein Buch mit dem Titel „Der Dialog. Ein Gespräch mit Gott über seine Vorsehung“. Katharina schrieb an Gott und die Welt: An all jene Personen, die sie für ihre Ziele begeistern wollte oder die  sie auf den nach ihrer Meinung richtigen Weg leiten wollte. 

Ihre Ziele: Umdenken und aus dem Glauben heraus entscheiden

Katharina kämpfte für den Frieden in Italien, für die Rückkehr des Papsttums nach Rom und für die Reform der Kirche. Mit ihrer literarischen Tätigkeit wollte sie sowohl ihre Leser*innen zu einem Umdenken bewegen als auch bei ihnen ein tieferes religiöses Bewusstsein wecken. Die Menschen sollten befähigt werden, ihre Entscheidungen aus ihrem Glauben heraus zu reflektierten und daraus zu leben. Vor diesem Hintergrund kämpfte Katharina für das Seelenheil jedes einzelnen Menschen und für die Ganzheit der Kirche. Diese Haltung resultierte aus ihrer Spiritualität, die von einer tiefen Beziehung zwischen Gott und dem Menschen geprägt war. In diesem Beziehungsgeschehen war die Liebe zwischen Gott und dem Menschen für Katharina besonders wichtig. Denn aus dieser Haltung heraus lebte und handelte sie. Diese Leidenschaft für den Glauben spürt man auch heute noch beim Lesen ihrer Texte. 

Bedeutung für die kfd

In Katharina haben wir eine Frau des 14. Jahrhunderts, die ihren eigenen Lebensweg gegangen ist und sich für die Erneuerung der Kirche eingesetzt und für den Frieden gekämpft hat. Ihr Lebensweg hat uns gezeigt, dass sie eine mutige Frau war und Einfluss hatte. So wurde Katharina von Papst Gregor XI. als Beraterin angesehen. Ihre Haltung und ihre Sorge hatten immer geistliche  Gründe, sie lebte aus ihrer Christus-Beziehung und vor diesem Hintergrund ist ihr Handeln einzuordnen. Nicht ohne Grund begehen wir am Gedenktag dieser Heiligen den Tag der Diakonin. Die heilige Katharina von Siena kann ein Vorbild im Glauben, aber auch in ihrem kirchenpolitischen Tun für uns alle sein.

Für Sie zum Download

Literatur

Schmid, Werner, Sämtliche Briefe. Gesamtausgabe. Kleinhain 2005. 
Tommaso Caffarini. Das Supplementum. Biographische Ergänzungen zu Caterina von Siena. Vollständige Übersetzung der lateinischen Erstausgabe. Herausgegeben von Werner Schmid, Kleinhain 2005. 

Abbildung

Das Bild zeigt die heilige Katharina von Siena. Es handelt sich um die vermutlich älteste Darstellung. Gemalt hat das Fresko der italienischen Maler Andrea Vanni im 14. Jahrhundert. Sie können es heute in der Basilika San Domenico in Siena bewundern.