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Lesung mit Dr. Annette Jantzen:Die ignorierten Frauen der Bibel: Annette Jantzen zu Gast in der Kirche St. Theodor

Rund 140 Teilnehmende erlebten eine inspirierende Lesung mit Dr. Annette Jantzen in Köln-Vingst. Im Fokus stand ein kritischer Blick auf die kirchliche Leseordnung. Ein Abend voller spannender Impulse, Austausch und praktischer Anregungen.

Eine volle Kirche, aufmerksame Zuhörerinnen und viele neue Perspektiven: Rund 140 Frauen und Männer kamen zur Lesung mit Dr. Annette Jantzen in die Kirche St. Theodor in Köln-Vingst. Eingeladen hatten der kfd Diözesanverband Köln, der KDFB Diözesanverband Köln und Maria 2.0 Rheinland. Nach der Lesung aus ihrem neuen Buch, das im Februar erschienen ist, nahm sich Annette Jantzen viel Zeit für Fragen und Gespräche – und traf damit auf großes Interesse.

Die Leseordnung der katholischen Kirche kritisch hinterfragt

Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, welche Geschichten wir in katholischen Gottesdiensten eigentlich hören – und welche nicht. Annette Jantzen machte deutlich, dass die katholische Leseordnung, die sich über drei Lesejahre erstreckt, nicht die gesamte Vielfalt biblischer Texte abbildet. Viele Passagen werden gekürzt oder ausgelassen: etwa lange Ahnentafeln, gewaltvolle Erzählungen – aber eben auch zahlreiche wertvolle Geschichten von Frauen. Tatsächlich sind nur etwa ein Drittel der biblischen Texte in den Gottesdiensten zu hören.

Diese Auswahl hat Auswirkungen: Denn viele Gläubige orientieren sich auch in ihrer privaten Bibellektüre an der Leseordnung. Dadurch bleiben wichtige weibliche Perspektiven oft unsichtbar. Mit ihrem Buch rückt Annette Jantzen genau diese „ignorierten Frauen“ der Bibel in den Mittelpunkt und eröffnet neue Zugänge zu weiblichen Identifikationsfiguren im Glauben.

An dem Abend in St. Theodor hörten wir vor allem Geschichten aus dem Alten Testament von Sarah und Hagar, von Abigail, die erst mit Nabal, später mit David verheiratet ist. Abigail ist klug, höflich, prophetisch begabt und setzt sich für eine friedliche Lösung eines Konflikts ein. Durch prophetische Worte bewegt sie David, von Rachegedanken abzusehen. Durch ihre Auslassung fehlen auch Aspekte, die König David greifbar machen. Auch das Buch Judith wird der Gottesdienst-Gemeinde laut Jantzen beinahe vollständig vorenthalten.

Impulse für die Praxis als Lektorin und Lektor

Die anschließende Fragerunde zeigte, wie sehr das Thema die Teilnehmenden bewegt. Einige wollten wissen, wie sie konkret mit der Leseordnung umgehen können. Annette Jantzen gab dazu praktische Anregungen:

Sie ermutigte dazu, sich im Lektor*innen-Team gemeinsam mit den Lesungstexten auseinanderzusetzen, verschiedene Bibelübersetzungen zu vergleichen und auch die Kontexte vor und nach den vorgesehenen Abschnitten mitzulesen. So werde sichtbar, ob interessante Zusammenhänge – etwa die Erwähnung von Frauen – herausgekürzt wurden.

Wetvoller Austausch in St. Theodor

Durch den Abend führte Marianne Arndt, Gemeindereferentin in der Kirchengemeinde Höhenberg und Vingst sowie Geistliche Begleiterin des Diözesanausschusses des kfd-Diözesanverbands Köln. Begrüßt wurden die Gäste von der stellvertretenden kfd-Diözesanvorsitzenden Gudrun Jülich, die sich am Ende auch mit Dankesworten an alle Helfenden wandte und kleine Aufmerksamkeiten überreichte.

Annette Jantzen zeigte sich zudem erfreut darüber, dass Maria von Magdala, erste unter den Aposteln, in der Kirche St. Theodor mit einem eigenen Leuchter sichtbar gewürdigt wird. Pfarrer Meurer bedankte sich bei Annette Jantzen mit den Worten „Sie haben die Möglichkeit, uns in Bewegung zu setzen.“ Und auch Marianne Arndt findet: „Deshalb müssen wir uns zusammentun, Dinge einfordern und tun und ein bisschen penetrant sein. Vielen Dank für deine Arbeit.“

Beim anschließenden Ausklang mit Getränken und Knabbereien blieb viel Raum für persönlichen Austausch und vertiefende Gespräche. Ein herzlicher Dank gilt der Kirchengemeinde vor Ort für die gastfreundliche Atmosphäre.

Weiterführende Links:

Bildergalerie Dr. Annette Jantzen Lesung im April 2026

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