100 Jahre kfd

1918-2018: immer mittendrin - Glauben.Tatkraft.Positionen.

Offizielles Gründungsdatum des kfd-Diözesanverbandes Köln ist der 5. Februar 1918, angezeigt im kirchlichen Anzeiger. Die kfd, auch wenn sie damals noch nicht so hieß, gab es schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.
1860 entstehen in Deutschland die ersten "Bruderschaften christlicher Mütter". Ihre erste Vorsitzende wird Gräfin Ida Hahn-Hahn, ihr erster Präses Bischof Ketteler. Die späteren Jungfrauen - und Müttervereine breiteten sich rasch im damaligen Kaiserreich aus.

In Köln wird 1918 der bundesweit dritte Diözesanverband gegründet

Es wird bald notwendig, dass die Arbeit der einzelnen Jungfrauen- und Müttervereine verankert wird. Seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bahnt sich ein tief greifender Wandel im Rollenverständnis der Frauen an hin zu mehr Selbstständigkeit und Selbstverantwortung – natürlich noch in den Bereichen, die als die Einzigen für Frauen angemessenen betrachtet wurden: in der Erziehung als Mutter und im Haushalt als Hausfrau. Die Kirche setzt nun auf Frauenseelsorge und Frauenbildungsarbeit. Frauen helfen Frauen: Dieser Gedanke wird zunehmend populär. Mütter und Wöchnerinnen werden unterstützt, aber auch schlecht versorgte ältere Frauen. Ab 1915 entstehen die Diözesanverbände Paderborn, Münster und Köln.


Der Diözesanverband Köln wird 1918 gegründet. In einem Jahr, in dem sehr viel passierte, was für die Stellung der Frauen von hoher Bedeutung war. Endlich ist der Krieg vorbei, mit der Weimarer Verfassung endet das Deutsche Kaiserreich. Die erste demokratische Verfassung wurde verabschiedet und mit ihr erhalten die Frauen das aktive und passive Wahlrecht, ein wichtiger Schritt hin zur Gleichberechtigung von Frauen. Oberpfarrer Joseph Stoffels, später Weihbischof, gründet den Diözesanverband Köln. Das Vorsitzendenamt ist ihm vorbehalten. Er wird auch erster Diözesanpräses. Die beteiligten Frauen werden in den Chroniken nicht genannt.

Wilhelmine Schumacher-Köhl wird 1928 die erste Diözesanvorsitzende

Ab 1928 übernehmen Frauen Verantwortung als Diözesanvorsitzende: zunächst Wilhelmine Schumacher-Köhl und ab den 40er-Jahren Helene Pallmann. In den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts treten die Frauen als Verantwortliche der Arbeit mehr in den Vordergrund und werden in den Quellen auch genannt. Denn immer ist es noch keine Selbstverständlichkeit, den Anteil der Frauen an der Entwicklung der  Geschichte zu benennen. Zur Zeit ist Lydia Wallraf-Klünter die Diözesanvorsitzende, ihre Stellvertreterinnen sind Elisabeth Bungartz, Elisabeth Glauner und Hildegard Leven. Diözesanpräses ist Msgr. Robert Kleine. Geschäftsführerin ist Ursula Sänger-Strüder.

kfd gründet das erste Müttererholungsheim

Genauso wichtig und prägend für die Geschichte des Diözesanverbandes ist  das Haus St. Hedwig in Rhöndorf am Rhein als eines der ersten Häuser für Müttererholung. Lange vor Gründung des Müttergenesungswerkes können sich hier erschöpfte Frauen erholen. Das Haus wird unter dem Eindruck der großen wirtschaftlichen Not, der Rezession und Arbeitslosigkeit in den 20er-Jahren gekauft und als Haus für die Mütter eingerichtet. Später wurde es vom Erzbistum Köln als Frauenbildungs- und Begegnungszentrum geführt, blieb aber im Besitz des Diözesanverbandes. Als es 2004 aufgegeben und verkauft wird, dient der Verkaufserlös als Stiftungskapital für die neu gegründete kfd-Stiftung St. Hedwig.

kfd-Diözesanverband wird vor den Nazis gerettet

Die Frauen im Diözesanverband positionieren sich früh gegen Hitler - und zeigen dies 1934 durch eindrucksvolle Lichtergänge im Dom  mit 30.000 Frauen und mit einer großen Wallfahrt mit 25.000 Teilnehmerinnen nach Kevelaer am 8. Juli 1936. Als der in Düsseldorf beheimatete bundesweite  Zentralverband 1939 von den Nazis aufgelöst wird, kommt man dem in Köln durch einen klugen Schachzug zuvor.
kfd-Arbeit wie sie auf oberer Ebene im Zentralverband in Düsseldorf oder in den Diözesanverbänden geleistet wird, ist während der Nazi-Zeit kaum möglich. Zwar gibt es noch 1933 noch den ersten Diözesantag der kfd mit 18.000 Teilnehmerinnen. Auf örtlicher Ebene geht innerhalb der Pfarreien das Leben in den Gruppen zwar weiter, aber eine Vertretung als nach kfd ist nach außen nicht mehr möglich. So gründet Kardinal Frings die Frauenseelsorge und der Diözesanverband wird, um seiner Auflösung zuvorzukommen, in das neue Frauenseelsorgeamt integriert. Daher rührt die langjährige Verbindung auf administrativer Ebene des kfd-Diözesanverbandes mit dem Generalvikariat des Erzbistums Köln, die bis heute noch teilweise Bestand hat.

Im Krieg gehen nahezu alle Dokumente verloren, die die Geschichte des kfd-Diözesanverbandes dokumentieren und so ist nicht viel über diese Zeit bekannt. Es etablierte sich nach dem Krieg eine Frauenarbeit, die nach und nach sich auch politischen Themen wie der Gleichstellung von Frauen oder Rentengerechtigkeit widmete. Ganz im Einklang auch mit der Entwicklung der kfd auf Bundesebene, die sich in verschiedenen Programmen und Leitlinien gab, mit der sie  eine Vertretung von Frauen in Kirche und Gesellschaft aufbaute.

Sprachrohr von Frauen in der Kirche und politisch aktiv

Als bundesweit agierender Verband versteht sich die kfd  mehr und mehr als Sprachrohr von Frauen in die Gesellschaft, Kirche und Politik hinein. Sie entwickelt ein modernes Frauenbild in der Kirche mit ihren verschiedenen programmatischen Aussagen, die in den Papieren „Orientierungs- und Arbeitsprogramm“, „Impulse ´87“, „Akzente ´93“ und zuletzt in den „Leitlinien 99“ münden. Der Diözesanverband Köln etabliert vor diesem Hintergrund politische Begegnungs- und Studienprogramme, zum Beispiel 1994 den ersten „Politischen Nachmittag“ mit der damaligen Frauenministerin und späteren Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.

Erfolgsgeschichte Oktoberkollekte

Seit 1962 unterstützen kfd-Mitglieder mit der Oktoberkollekte jedes Jahr soziale Projekte in Deutschland und in aller Welt. Mehr als 500.000 Euro spendeten sie bis jetzt dafür. Die Liste der Projekte ist lang: Sie reicht von der Unterstützung der Missionsarbeit der Steyler Missionare in den Anfangsjahren, der Aktion Babykorb, Hilfen für Hochwasseropfer in Köln in den 90er-Jahren, und langjährigen Hilfen für Frauenprojekte in Kitale/Kenia bis hin zur Unterstützung der Müttergenesungsarbeit, der Kinderhospizhilfe in Köln, der Telefonseelsorge im Erzbistum Köln und des Katholischen Lettischen Frauenbundes, der Projekte für Mütter und Kinder in Not unterhält. In jüngster unterstützen die kfd-Mitglieder den "Marie-Theres von Schorlemer-Fonds", der zum Beispiel Ferienfahrten für alte kfd-Mitglieder mit sehr kleinen Renten bzw. Einkommen finanziert. Außerdem wurde der "Arche-Noah-Fonds" gegründet, aus dessen Mitteln in Zusammenarbeit mit MISEREOR zur Zeit die medizinische Versorgung im syrischen Aleppo unterstützt wird.

kfd fördert Spiritualität von Frauen und bildet aus

1998 lädt der kfd-Diözesanverband lädt zum ersten Mal zum FrauenWort im Kölner Dom ein. Die kfd-Frauen treten in Hildegards Fußstapfen. Die Heilige hat vor mehr als 800 Jahren in Köln gepredigt und den Mächtigen ihrer Zeit die Leviten gelesen. Aus diesem Anlass wird 1998 zum ersten Mal das FrauenWort im Dom gefeiert. Neben einer dreiteiligen Predigtreihe zu Hildegard von Bingen wird der Weltgebetstag im Dom gefeiert und zum ersten Mal predigt im Kölner Dom 1998 eine Frau von der Kanzel, und zwar eine evangelische Pfarrerin. Mehr als 4000 Frauen und Männer nehmen an diesem Ereignis teil. Am 20. März schließlich hält die Theologin Dr. Gabriele Lautenschläger eine Ansprache zu Hildegard von Bingen. Seitdem wird das FrauenWort alle zwei Jahre gefeiert und eine Frau legt die Bibel aus. In jüngster Zeit hat es zahlreiche Kurse zur Ausbildung von Wortgottesfeier-Leiterinnen gegeben, damit Frauen ihre spirituellen Begabungen und Berufungen leben können zum Wohle der Gemeinschaft. Mehr als 50 Frauen konnten ausgebildet werden. Außerdem hat sich das Amt der Geistlichen Begleiterin auf den verschiedenen Ebenen des Verbandes etabliert. Seit Ende 2016 gibt es diese auch auf Diözesanebene. Zur Zeit ist dies Dr. Elisabeth Glotzbach.

kfd-Stiftung St. Hedwig unterstützt den Verband und fördert Spiritualität und Kunst

Das Gründungsfest der kfd-Stiftung wird am 12. Mai 2005 gefeiert. Die Stiftung vergibt seit 2014 den Hedwig-Preis unter dem Motto "Wir setzen euch die Krone auf" und würdigt einem dreiteiligen Gruppenpreis das vielfältige Engagement  von kfd-Gruppen und ehrt mit einem Sonderpreis eine besonders verdiente kfd-Frau.

Ökumene und Equal Pay: Für eine gerechte und soziale Welt

Das 90-jährige Jubiläum 2008 und das 95-jährige Jubiläum 2013 zeigen, dass die kfd in der Kirche von Köln fest verankert ist und nicht wegzudenken ist aus der Arbeit in den Gemeinden, aber auch auf Diözesanebene. So engagiert sich der Verband intensiv in der Ökumene, insbesondere beim Weltgebetstag und gehört mit zu den ersten, die sich die Anliegen des Equal Pay Day, bei dem es um die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit für Frauen geht, zu eigen machen und mit eigenen Demonstrationen öffentlich dafür streitet.

Mitgliederwerbekampagne Frauen.Macht.Zukunft. erfolgreich

Zwar sinken die Mitgliederzahlen wegen der demografischen Entwicklung wie bei allen katholischen Verbänden empfindlich, mit rund 56.000 Mitgliedern ist die kfd jedoch nach wie vor der größte katholische Verband im Erzbistum Köln. Mit der Mitgliederwerbekampagne Frauen.Macht.Zukunft., die 2015 im Diözesanverband Köln beginnt, wird der Rückgang der Mitgliederzahlen fast gestoppt: 3611 neue Mitglieder konnten bis Ende 2017 gewonnen werden.

2018 steht im Zeichen des Jubiläums

Für 2018 ist ein umfangreiches Programm vorbereitet, das die Arbeit der kfd und ihr Angebot Frauen widerspiegelt. Einen breiten Raum nehmen die spirituellen Angebote ein wie der kommende Aschermittwoch der Frauen oder die FrauenFrühstückszeit Anfang März. Den gesellschaftspolitischen Schwerpunkt bilden der Equal Pay Day im März, die kfd-Klimakonferenz Anfang Mai zur Halbzeit der Weltklimakonferenz und ein Politisches Frühstück zu 100 Jahre Frauenwahlrecht Mitte Oktober. Die Veranstaltungen, auch das kfd-Sommerfest im Spätsommer, stehen allen Mitgliedern und Freund*innen der kfd offen.

Ursula Sänger-Strüder/Sabine Schleiden-Hecking

Fotos: Kathrin Becker/Grafik: dyadesign.de