Impuls zur Passionszeit

Ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir

31.3.2020 – Wir gehen mit großen Schritten auf Ostern zu, das Fest der Auferstehung. Es ist das Fest des aufbrechenden und neuen Lebens schlechthin. Und das in Corona-Zeiten, wo das Leben in seiner Fülle, wie wir es lieben, sehr eingegrenzt ist. Ziemlich paradox, oder?


Der bekannte Benediktinerpater Anselm Grün hat vor mehr als 20 Jahren ein kleines Büchlein geschrieben mit dem Titel: „Heilendes Kirchenjahr“. „Heilendes Kirchenjahr“? Wie kann das Kirchenjahr „heilend“ sein?
Anselm Grün beschreibt darin auch die Passionszeit, also die beiden letzten Wochen vor Ostern, in denen wir uns gerade befinden. Er weist uns darauf hin, dass wir in dieser Zeit eingeladen sind – vor dem Tag des Lebens, also bevor wir die Auferstehung feiern – Jesu Leiden im Zugehen auf Karfreitag näher zu betrachten.

Leiden ist Teil unseres Lebens

Das Stichwort im Kontext des Kirchenjahres heißt in diesen Tagen also „Leiden“. Wir Menschen wollen aber nicht leiden, kein Leid erleben, ertragen, aushalten müssen. Und dennoch ist es ein Teil unseres Lebens, vor dem zu fliehen absurd ist. Jedes Leugnen ist zwecklos. Es gibt viel Leid(en).

Jesus leidet mit uns

Das soll uns aber nicht erschrecken oder gar in die Resignation treiben. Die Passionszeit – so Anselm Grün – macht uns deutlich, dass das Leiden zum menschlichen Leben dazu gehört, aber – und das ist wichtig – dass wir damit nicht allein sind. Denn in Jesus geht Gott jeden unserer Leidenswege mit. Jesus geht – jedes Jahr neu – (s)einen Leidensweg, um uns jedes Jahr neu deutlich zu machen, dass er all unser menschliches Leiden kennt und mit uns leidet. Wir dürfen somit all unser Leiden in Jesus aufgehoben wissen.  Vielleicht können wir uns so ein Stück mit unserem Leiden aussöhnen und es möglicherweise besser annehmen, ja dazu sagen. Leiden darf sein. Und wir müssen es auch nicht vor anderen verstecken.

Und das in Zeiten von Corona

Diese Gedanken von Anselm Grün begegnen uns in einer Zeit, in der das Corona-Virus alles beherrscht – und auch Leiden hervorbringt. Ob dies nun die krankheitsbedingten Symptome sind, die das Virus mit sich bringt oder die materiellen Sorgen durch Arbeitslosigkeit oder Gehaltsausfall oder das Alleinsein von Menschen, weil die persönlichen Kontakte so eingeschränkt sind.

Wir dürfen uns sehnen und uns in Gott festmachen

Die Betrachtung des Leidens Jesu soll jedoch kein „billiges Trostpflaster“ sein, so, als würde damit alles irgendwie abgedeckt. Nein – wir müssen alles Menschliche tun, um in diesen Zeiten Leiden zu verhindern oder zu verringern. Wir dürfen uns aber auch eingestehen, dass wir nicht alles hinkriegen, was wir gerne hinkriegenn würden. Und darüber dürfen wir auch traurig sein, weinen, uns nach Nähe sehnen und uns letztendlich immer wieder in Gott festmachen, der jeden unserer Wege mitgeht. Vielleicht kann das ein wenig „heilend“ sein ...

„Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht – ich fürchte kein Unheil
denn du bist bei mir – dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.“ (Ps 23,4)

Hedwig Lamberty

Foto: Pixabay

Hinweis: Im Downloadbereich finden Sie diesen Impuls als pdf-Dokument. Vielleicht möchten Sie ihn ja an jemanden schicken oder bei einem Spaziergang in den Briefkasten einer lieben Freundin werfen?