Beheimatet bei Gott selbst

Die heilige Hedwig war eine Anwältin der Armen

Die Namenspatronin der kfd-Stiftung St. Hedwig ist die heilige Hedwig von Schlesien. Sie setzte sich im 13. Jahrhundert mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für die Notleidenden und Kranken ein und ist in ihrem Glauben und Handeln ein Vorbild.
Die kfd-Stiftung ist 2004 vom Diözesanverband Köln und seinen damaligen Trägervereinen Familien- sowie Siedlungshilfe gegründet worden.


Wer war diese Heilige?

Auskünfte über Hedwigs Leben und ihr Wirken gibt die Vita „Das Leben der heiligen Hedwig“ die einige Jahre nach ihrem Tod vermutlich von einem Mönch verfasst wurde. Neben der Bulle zur Heiligsprechung und der von Papst Klemens’ IV. gehaltenen Predigt ist dies der einzige authentische Bericht, den es über die Heilige gibt. Weitere Lebenszeugnisse über sie konnten im Verlauf der Jahrhunderte nicht aufgefunden werden. Wir müssen davon ausgehen, dass es keine weiteren Überlieferungen vom Leben und Wirken der Hl. Hedwig gibt.

Schauen wir nun also hinein in Biografie dieser Frau, die nicht nur in Deutschland und Schlesien beheimatet war, sondern vor allem in Gott selbst.

Geburt und Herkunft

Wann genau im Jahre 1174 Hedwig auf der Burg Andechs zwischen dem Starnberger See und dem Ammersee in Bayern zur Welt kam, ist nicht bekannt.  Ihr Vater, Graf Berthold IV. und ihre Mutter Agnes, geb. Rochlitz, waren von adliger Herkunft, die Ahnentafel ihrer Mutter reichte bis zu Karl dem Großen.
Sowohl Hedwigs Großvater, Herzog Berthold III., als auch ihr Vater veranlassten, dass in der weiteren Umgebung des Schlosses zehn Klöster gegründet wurden. Die Taufe Hedwigs in der Burgkapelle übernahm ein Ordensgeistlicher. Ihr Namenstag wird am 16. Oktober gefeiert.

Sie lernte bei den Benediktinerinnen nicht nur lesen und schreiben

Schon im frühen Kindesalter wurde Hedwig zu den Benediktinerinnen in Kitzingen am Main bei Würzburg gegeben, wo sie ihre Bildung erhielt. Die damalige Äbtissin, Hedwigs Tante Bertha, sorgte für ein geordnetes und strenges Leben im Kloster. Die Ordensschwester Petrussa, eine begabte Pädagogin, unterrichtete das junge Mädchen. Hedwig lernte Lesen und Schreiben bei ihr und erhielt auch Kenntnisse in Latein. Nähen, Weben und Sticken und andere nützliche Fächer für die Hausarbeit standen gleichfalls auf ihrem Stundenplan. Besonders großen Wert wurde im Kloster auf die geistliche Erziehung gelegt, wie das Erlernen von Gebeten und der Gottesdienstordnung und dem Umgang mit der Heiligen Schrift.

Hedwig wurde zur standesgemäßen Braut erzogen

Es wurden die besten Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die junge Hedwig standesgemäß eine gute Ehe eingehen konnte. Gleichzeitig wurde ihr junges Leben von dem authentischen Glauben der Benediktinerinnen geprägt. Die Prägung sollte ihr ebenso wie die Schulbildung als solche in ihrem weiteren Lebensverlauf zu Gute kommen.
Folgen wir nun der jungen Hedwig in das ihr noch unbekannte Schlesien, das zu ihrer neuen Heimat werden sollte.

Heirat und junge Fürstin in Schlesien

Da die Kirche es in jenen Zeiten erlaubte, dass Mädchen schon mit 12 Jahren verlobt wurden, verließ Hedwig ihr Zuhause in Bayern, um die Ehe mit dem Herzog Heinrich von Schlesien einzugehen, der um ihre Hand bei den Eltern anhielt. Wir dürfen uns hier allerdings nichts vormachen, es waren zunächst einmal rein dynastische Machtinteressen, die hinter dieser Eheschließung standen, es war keine Liebesehe.

Als Erstes lernte sie Polnisch

Heinrich, der 18 Jahre alt war, soll das noch rechte junge Mädchen, wir würden heute von einem minderjährigen Mädchen sprechen, auf der Heimatburg abgeholt haben. Wo genau die beiden geheiratet haben, ist allerdings nicht bekannt. Als verheiratetes Paar lebten sie in der herzoglichen Burg auf der Dominsel in Breslau. Hedwig war es ein Bedürfnis, die polnische Sprache möglichst schnell zu erlernen. Sie fügte sich der Vita zufolge rasch in ihre Rolle als adlige Landesherrin ein. 

Eine junge Mutter muss ihre Kinder begraben

Schon ein Jahr nach der Hochzeit wird das erste Kind von insgesamt sieben Kindern, die Tochter Agnes, geboren, im Jahr darauf die zweite Tochter Sophie. Die beiden Kinder sterben schon sehr früh, ebenso wie der Sohn Boleslaus stirbt, der als letztes Kind 1209 zur Welt kommt. Gertrud, die dritte Tochter, die 1190 geboren wurde, sollte später in das von Hedwig und ihrem Mann gegründete Kloster Trebnitz eintreten und in späteren Jahren die Äbtissin dieses Klosters werden.

Die Söhne bekriegen sich

Der erste Sohn Heinrich wurde 1191 geboren und der Überlieferung nach soll Hedwig sehr an ihm gehangen haben. Im darauffolgenden Jahr wird Conrad als zweiter Sohn geboren. Diesen beiden Söhnen wurden später die Länder des Vaters übergeben. Da sich Conrad bei der Aufteilung benachteiligt fühlte, kam es zum Krieg zwischen den beiden. Conrad unterlag bei der Schlacht, flüchtete daraufhin zu seinem Vater und sollte bei einem späteren Jagdausritt vom Pferd stürzen und sich tödlich verletzen. Hedwig litt wie andere Mütter sehr unter den Schicksalen ihrer Kinder.

Geistliche und soziale Fürsorgerin des Landes

Die geistliche Erziehung Hedwigs bei den Benediktinerinnen sollte in vielerlei Hinsicht in ihrem späteren Leben Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass sie ihrem Ehemann in Glaubensfragen als Begleiterin zur Seite stand. Auch ihren Mägden, Angestellten und vor allem den Notleidenden begegnete sie als verantwortliche Christin. Sie sorgte für Kranke, Arme und auch Gefangene und sah in ihnen das Abbild Jesu Christi. Sie und ihr Mann kümmerten sich, so wie es im Mittelalter für Landesherren üblich war, mit großem Einsatz.

Die Erbauung von Klöstern, Kirchen und Hospitälern

In ihrem Auftrag wurden zahlreiche Klöster, Kirchen und Hospitäler gebaut, was auch insgesamt zum wirtschaftlichen Aufschwung des Landes beitrug. Die damalige Verantwortung der weltlichen und kirchlichen Machthaber für die Armen und Bedürftigen kann gleichsam als Vorläufer unseres heutigen Sozialsystems gesehen werden.

Ein Viertel für die Armen

Das Kirchenrecht jener Zeit sah es vor, dass ein Viertel der Einkünfte der Kirche den Armen zu Gute kommen sollte. Darüber hinaus waren auch die Stiftungen von Laien eine wichtige Quelle für die Versorgung von Notleidenden.  Die kfd-Stiftung St. Hedwig steht demnach in der langen Tradition eines Stiftungswesens in der Kirche.

Hedwig finanzierte mit ihrer Mitgift das erste Frauenkloster in Schlesien

Hedwig unterstützte die jungen Klöster, die es im Land gab auch deshalb, weil ihr die religiöse Betreuung und Bildung von jungen Menschen sehr am Herzen lag. Die Klöster waren zu jener Zeit der einzige Ort, an dem Kinder Unterricht erhalten konnten. Ein besonderes Ereignis war 1203 der Beginn des Baus und die spätere Gründung des Klosters Trebnitz. Es war das erste Frauenkloster in Schlesien, das von Hedwigs Mitgift finanziert wurde. Ihre einstige Lehrerin, die Schwester Petrussa aus dem Benediktinerinnenkloster in Kitzingen, wurde zur Äbtissin dieses Zisterzienserinnenklosters berufen. Später sollte Hedwigs Tochter Gertrud die Leitung des Klosters übernehmen.

Mit bloßen Füßen unterwegs 

Neben der Armenfürsorge und der Erziehung im christlichen Glauben zeigte sich das heroische christliche Leben Hedwigs vor allem aber in ihrer Askese. Den Überlieferungen zufolge trug sie ihre Schuhe in den Händen und nicht an den Füßen. Ganz im Sinne der Nachfolge Jesu Christi, der auch ohne Schuhe unterwegs war, bevorzugte sie es, barfuß zu gehen.
Davon berichtet auch ihre Vita: „Ihre Fußsohlen, mit denen sie unbekleidet den Erdboden betrat, waren rauh und hart, sie hatten viele und große Risse, in die man eine Spindl, ja, was noch mehr bedeuten will, einen Finger hineinlegen konnte.“ Auch im Winter schreckte sie nicht vor der eisigen Kälte des winterlichen Bodens zurück.

Ein Leben nach der Benediktsregel

Das vierte Kapitel der Benediktsregel hatte sie im Kloster Kitzingen kennen und besonders lieben gelernt. Ihre Lebensweise überprüfte sie seither an dieser Regel. Beten und Fasten gehörten für Hedwig unweigerlich zusammen, sie hielt eine strenge Nahrungsaskese ein und nächtliche Gebetswachen waren für sie eine Selbstverständlichkeit. Auch trug sie ein Büßergewand unter ihren Alltagskleidern.

Sie lebte vollkommen selbstbestimmt als Mystikerin

In ihrem Lebensstil lassen sich gleichsam Konturen einer Mystikerin erkennen, die sich von Gott in die Christusnachfolge berufen fühlte, ohne einem Orden anzugehören. Es ist bemerkenswert, wie Hedwig vollkommen selbstbestimmt im weltlichen herrschaftlichen Machtgefüge einen klösterlichen Lebenswandel für sich in Anspruch nahm. Das zeigt sich auch in ihrem Umgang mit ihrer Ehe.

Hedwig und ihr Mann legen das Gelübde der Keuschheit ab

Schon in den beiden ersten Jahrzehnten ihrer Ehe legte Hedwig Zeiten der sexuellen Enthaltsamkeit fest. So verwundert es im Grunde nicht, dass sie nach der Geburt des Sohnes Boleslaus gemeinsam mit ihrem Mann das Gelübde der Keuschheit unter dem Segen des Breslauer Bischofs Laurentius ablegte. Hedwig beabsichtigte damit ein Leben zur Ehre Gottes zu führen, wie es der damalige Papst Innocenz III. in einem Schreiben für die Priester angemahnt hatte. Von nun an sahen die beiden Eheleute sich nur noch in Gegenwart einer dritten Person. Man kann hier nur mutmaßen, ob es auch daran gelegen haben könnte, dass die Eheschließung aus dynastischen Gründen stattgefunden hatte, ohne dass die Gefühlswelt des jungen Mädchens berücksichtigt worden wäre.

Liebe für Gott, aus Demut in die Ehe

Möglicherweise waren ihre Liebe und Hingabe für Gott schon im Kloster Kitzingen entfacht worden und sie fügte sich nur aus Demut in die Ehe mit Heinrich von Schlesien ein. Damit ließe sich auch die Verwobenheit von weltlichem und geistlichem Adel in ihrer Person erklären. In ihrer Seele fand die mystische Vermählung mit Jesus Christus statt, so wie es von vielen Mystikerinnen bekannt ist.

Das bittere Ende von Hedwigs Mann

Die Trennung Heinrichs I. von seiner Frau führte dazu, dass er sich in ein Machtdenken verlor. Er geriet mit den Bischöfen in Konflikt, was dazu führte, dass Papst Gregor IV. den Bann über ihn aussprach. Nach drei Jahren der Abgeschiedenheit auf der Burg Krossen wurde er krank. Er starb einsam und verlassen, denn Hedwig befolgte das kirchliche Verbot, keinen Kontakt mit einem Gebannten aufzunehmen.

Eine Ehe mit tragischen Wendungen

Und so starb Heinrich am 19. März 1238 ohne Hedwigs Beistand. Eine scheinbare Lossprechung vom Kirchenbann ermöglichte es dann, dass Heinrich im Kloster Trebnitz ein fürstliches Begräbnis bekam. Der Nachwelt offenbart sich hier eine Ehegeschichte mit tragischen Wendungen, die aus dem unbedingten Wunsch Christus nachzufolgen entstanden.

Der Tod von Lieblingssohn Heinrich 

Im Jahre 1241 musste Hedwig eine weitere seelische Prüfung über sich ergehen lassen, als ihr Lieblingssohn Heinrich beim Einfall der Tataren auf brutale Weise getötet wurde. In einer Vision scheint sie diesen Tod vorausgesehen zu haben. Zu ihrer Schwiegertochter soll sie zum Trost gesagt haben: „Es ist der Wille Gottes, und es muss uns gefallen, was Gott will und was Gott unserem Herrn gefällt.“ Auch daran zeigt sich wieder die vollkommene Hingabe der Mystikerin in den Willen Gottes, die als ein Wesensmerkmal von christlichen Mystikerinnen gilt.

Die letzten Lebensjahre

Hedwig verbrachte ihre letzten Lebensjahre in einem kleinen Haus in der unmittelbaren Nähe des Klosters Trebnitz. In das Kloster selbst trat sie nie ein. Ihr einziger Gebieter scheint Gott selbst in allen Dingen gewesen zu sein, keinem Menschen gestand sie das Recht zu, über ihr Leben zu herrschen. Das zeigt sich auch daran, dass sie sich niemals, im Gegensatz zu vielen anderen Mystikerinnen, einem Beichtvater unterordnete. Am 15. Oktober 1243 starb sie und 1267 wurde sie von Papst Klemens IV. in das Verzeichnis der Heiligen eingetragen.

Vermittlerin zwischen Deutschland und Polen

Die heilige Hedwig gilt heute auch als Fürsprecherin der Verständigung und Versöhnung der deutschen und polnischen Nation. In diesem Sinne formulierten Bischöfe aus Deutschland und Polen bei einem gemeinsamen Besuch der Trebnitzer Klosterkirche im Jahre 1980 den an die heilige Hedwig gerichteten Satz: „Du hast dich im Geist Jesu Christ, unseres Herrn, um die Menschen deiner Zeit bemüht und gesorgt. Du hast durch dein lebendiges Vorbild der Aussöhnung und dem Frieden gedient.“

Die kfd-Stiftung beruft sich auf die Heilige Hedwig

Die Verantwortlichen übernahmen die heilige Hedwig als Namenspatronin ihrer Stiftung aus einem Traditionsgedanken heraus, aber auch weil sie zeitlos in ihrem Engagement für Arme, für die Kirche und kulturelle Entwicklung ist. Ihr Wirken sehen die Gründerinnen der Stiftung als so vorbildlich an, dass es bis in die heutige Zeit hineinträgt.

Die Stiftung wird vom Diözesanverband Köln getragen

Als Stiftung ist sie mit der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands im Erzbistum Köln fest verbunden und unterstützt die Arbeit dieses Frauenverbandes. Das Stiftungskapital besteht zu großen Teilen aus dem Verkauf-Erlös kfd-eigenen Hauses St. Hedwig in Rhöndorf.  Die Stiftung wird durch Spenden, vor allem aus dem Kreis der kfd-Mitglieder getragen, und unterstützt unter anderem soziale Projekte nach dem Vorbild der Heiligen Hedwig von Schlesien. Sie setzt die Arbeit der ehemaligen Trägervereine Familienhilfe und Siedlungshilfe und des damals aufgegebenen Bildungshauses St. Hedwig in Rhöndorf am Rhein fort.

Vielfältige Arbeit der Stiftung kommt Frauen und Mädchen zugute

Sie tritt als Förderin und Anwältin von Frauen auf und unterstützt aus ihren Mitteln Vorhaben, die diese Ziele nachhaltig befürworten. Dazu gehört die religiöse Glaubensvertiefung, kulturelle und gesellschaftspolitische Bildung und sie hilft bei besonderen sozialen Notlagen. Einen besonderen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die Lettland-Hilfe, mit der seit Jahren dank der großzügigen Spenden von kfd-Mitgliedern Frauen und Kinder in prekären Situationen Hilfe leistet sowie Frauen zu mehr Chancengerechtigkeit verhelfen möchte.

Elisabeth Glotzbach

Foto: Kloster Andechs
Holzskulptur der hl. Hedwig von Gomille de Reine aus dem Jahr 1955.