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    Die Kabarettgruppe "Eissplittertorte" macht sich so ihre Gedanken zum Begriff Familie.
    Die Kabarettgruppe "Eissplittertorte" macht sich so ihre Gedanken zum Begriff Familie.
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    Hildegard Leven, stellvertretende Diözesanvorsitzende, im Gespräch mit Patrizia Lehmann, kfd-Stadtdekanat Köln.
    Hildegard Leven, stellvertretende Diözesanvorsitzende, im Gespräch mit Patrizia Lehmann, kfd-Stadtdekanat Köln.
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    In Kleingruppen wird eifrig und engagiert zum Thema Familie diskutiert.
    In Kleingruppen wird eifrig und engagiert zum Thema Familie diskutiert.
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    Kinderärztin Dr. Beate Schaaf, Bad Honnef, und Holger Dörnemann, Erzbischöfliches Generalvikariat Köln, stellen sich zum Abschluss des Politischen Frühstücks den Fragen des Publikums.
    Kinderärzt Beate Schaaf, Bad Honnef und Referent Dr. Holger Dörnemann, Erzbischöfliches Generalvikariat Köln, stellen sich zum Abschluss des Politischen Frühstücks den Fragen des Publikums.
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    Die Familie: statistisch betrachtet.
    Die Familie: statistisch betrachtet.

„Liebe braucht geschenkte Zeit“

Die Familie stand im Mittelpunkt beim Politischen Frühstück

30.11.2016 Darin waren sich die 40 Teilnehmerinnen des Politischen Frühstücks auf jeden Fall einig: Die Familie ist das höchste Gut, damit junge Menschen bestmöglich heranwachsen können. Daran konnte auch die Kabarettgruppe „Eissplittertorte“ nichts ändern, die das Wort „Familie“ von unterschiedlichen Seiten mal positiv, mal negativ durchleuchtete. Was bedeutet das Wort „Familie“ eigentlich? „Wir alle verbinden mit ihr ganz konkrete Bilder“, mit diesen Worten eröffnete die stellvertretende Diözesanvorsitzende Hildegard Leven die Veranstaltung „Familie – was ist das denn?“.


„In einer Familie gestalten unterschiedliche Generationen das Leben und tragen im Kleinen zum Gemeinwohl bei“, ergänzte sie. Um die Entwicklung der Familie heute und um deren Bedeutung für die kfd zu erörtern, begrüßte Hildegard Leven die zwei ReferentInnen des Politischen Frühstücks. 

79 Prozent sehen die Familie als das Wichtigste im Leben an

Die Kinder- und Jugendärztin Dr. Beate Schaaf, die die kfd-Stiftung 2015 mit dem Hedwig-Preis für ihr Engagement in der Flüchtlingsarbeit ausgezeichnet hatte, zog gleich zu Beginn die positiven Zahlen aus dem Zukunftsreport Familie heran: „79 Prozent der Menschen sehen die Familie als das Wichtigste in ihrem Leben an – gefolgt von Freunden (zehn Prozent), Beruf (sechs  Prozent) und  Hobbies mit vier Prozent“. Auf dieser Grundlage war auch für sie vollkommen klar, dass dieses Gemeinschaftsgefühlt unbedingt und mit voller Kraft gefördert werden muss. Die engagierte Kinderärztin ließ ebenfalls keinen Zweifel daran, dass das Kind ein wunderbares Geschenk für die Familie ist. „Mit manchen Eltern muss man jedoch das Elternsein einüben“ sagte sie und zielte dabei auch auf die Grundbedürfnisse während der Erziehung eines Kindes ab. „Junge Menschen benötigen eine stabile Beziehung, sie brauchen Schutz und Fürsorge, Anerkennung und die Möglichkeit, Selbsterfahrungen zu machen. Darüber hinaus sind eine geordnete Struktur und die Sicherheit ausschlaggebend für das Heranwachsen“, so Dr. Schaaf.

Wie geht es Eltern heute?

In ihrer Praxis erlebt die Kinder- und Jugendärztin vielfach eine große Verunsicherung junger Mütter. „Meist informieren sich Eltern in Foren oder Diskussionsgruppen im Internet und wundern sich, wenn ich als Fachfrau eine ganz andere Diagnose gebe“.  Auf die Frage, wo sich Eltern bestenfalls und verlässlich informieren sollten, gab die Fachärztin einen Ratschlag in Richtung katholischer Kirche. „Das wäre ein tolles, niederschwelliges Angebot, welches die Kirchen und die Wohlfahrtsverbände übernehmen könnten“.
Familien benötigten nach ihrer Ansicht die gesellschaftliche und kirchliche Anerkennung unterschiedlicher Lebensformen. Das würde ihnen und vor allem den Kindern viel Stress nehmen. Zudem seien in vielen Bereichen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht zufriedenstellend geregelt.

In der Überleitung zum zweiten Referenten des Vormittages, Dr. Holger Dörnemann vom Erzbischöflichen Generalvikariat, kritisierte die Ärztin die Konstellation der deutschen Teilnehmenden bei der letzten Familien-Synode. Schmunzelnd zeigte sie auf der Leinwand: drei Bischöfe, einen Abt und nur ein Ehepaar.

Familie hat sich gewandelt

Holger Dörnemann, der sich im Erzbistum Köln für die Familiensynode verantwortlich zeigte, stieg jedoch nicht auf das zuvor gezeigte Bild ein. Selbstbewusst zeigte er den kfd-Frauen auf, dass das Kölner Erzbistum das Erste war, welches die Ergebnisse der großen Umfrage veröffentlicht hat. „Klar, dass die Veröffentlichung auch an manchen Stellen für Aufsehen gesorgt hat“, führte der Referatsleiter für Ehe, Familie und Glaubensvermittlung aus. Der Begriff Familie habe sich in den letzten Jahrhunderten eben stark gewandelt. „Weltweit werden Familienformen verschieden aufgefasst. Andere Kulturen, andere Familienkonstellationen“, sagte Dörnemann und wies damit gleichzeitig auf den unterschiedlichen kulturellen Hintergrund der  TeilnehmerInnen an der Familiensynode in Rom hin.

Als Geschenk könne man das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ verstehen. „Hierin schreibt der Papst, dass es durchaus auch andere Schlussfolgerungen zur Familie geben kann“. Die gemeinsame Linie, die Papst Franziskus uns hier jedoch aufgibt, ist die Familie als die größtmögliche Freundschaft zu verstehen. „Die Ehe zwischen Mann und Frau wird in dem Schreiben zwar unterstrichen. Andere Lebensformen werden aber auch gesehen“, so Holger Dörnemann.

Dialog mit dem Ortspfarrer

Bei einer  Gesprächsrunde wie beim Politischen Frühstück der kfd, war auch die Zulassung zu den Sakramenten für für Geschiedene und Wiederverheiratete ein Thema. Auch hier verwies Dörnemann auf „Amoris laetitia“. „Nur der intensive Dialog mit dem Ortpfarrer kann letztlich Klarheit bringen. Hier entscheidet nicht der Bischof oder der Papst selber“. In Deutschland erwartet man in den ersten Monaten des neuen Jahres die konkreten Ausführungsbestimmungen zum nachkonziliaren Schreiben durch die Deutsche Bischofskonferenz, wie Dörnemann auf die Frage einer Teilnehmerin antwortete.
Papst Franziskus bitte zudem in seinem Schreiben, jedes Urteil über einen anderen zu vermeiden. Jedes Geschöpf sei ein Geschöpf des Vaters, das seinen Platz in der Schöpfung habe.

„Wir als Kirche müssen auch die erreichen, die nicht in ´unsere` Familien-Denkweise passen. Familie heute ist eine herausfordernde Collage aus vielen unterschiedlichen Wirklichkeiten voller Freuden, Dramen und Träume“, beendete Dr. Holger Dörnemann seinen Impuls.

Nach der kabarettistischen Zusammenfassung durch die Gruppe „Eissplittertorte“ dankte Hildegard Leven den beiden Referenten und allen anwesenden Frauen und Männern mit den Worten: „Ein gutes erste Advents-Wochenende in ihren Familien“.
Daniel Könen

Fotos: Kathrin Becker