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    Bei der Frauenfrühstückszeit im Januar 2019: Ursula Sänger-Strüder lagen die spirituellen Angebote des Verbandes immer am Herzen.
    Bei der Frauenfrühstückszeit im Januar 2019: Ursula Sänger-Strüder lagen die spirituellen Angebote des Verbandes immer am Herzen.
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    Ursula Sänger-Strüder legt der Delegiertenversaden am 26. Oktober ihren letzten Finanzbericht vor, bevor sie sich in den Ruhestand verabschiedet.
    Ursula Sänger-Strüder legt der Delegiertenversaden am 26. Oktober ihren letzten Finanzbericht vor, bevor sie sich in den Ruhestand verabschiedet.
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    Ursula Sänger-Strüder (re) ging am Equal Pay Day für gleiche Löhne auf die Straße. Hier 2012 mit ihrer langjährigen Assistentin Anne Merkenich.
    Ursula Sänger-Strüder (re) ging am Equal Pay Day für gleiche Löhne auf die Straße. Hier 2012 mit ihrer langjährigen Assistentin Anne Merkenich.
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    Einsatz für die Mitgliederwerbekampagne Frauen.Macht.Zukunft - hier 2015 mit dem damaligen Vorstand.
    Einsatz für die Mitgliederwerbekampagne Frauen.Macht.Zukunft - hier 2015 mit dem damaligen Vorstand.
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    "Tage der Lebenskünstlerinnen" - für dieses Projekt der kfd-Stiftung war Ursula Sänger-Strüder maßgeblich als Geschäftsführerin verantwortlich. Hier 2016 in der Kulturkirche Hennef.
    "Tage der Lebenskünstlerinnen" - für dieses Projekt der kfd-Stiftung war Ursula Sänger-Strüder maßgeblich als Geschäftsführerin verantwortlich. Hier 2016 in der Kulturkirche Hennef.
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    Ursula Sänger-Strüder liebte ihre Arbeit: hier mit ihrem Team auf dem Balkon der Geschäftsstelle.
    Ursula Sänger-Strüder liebte ihre Arbeit: hier mit ihrem Team auf dem Balkon der Geschäftsstelle.

kfd - ein Freundschaftsort

30 Jahre für die kfd - was die Arbeit ausmachte und wie sie Spuren hinterlässt. Ein Gespräch

Köln, 31.10.2019 – Nun geht sie in den Ruhestand: Ursula Sänger-Strüder hat fast 30 Jahre lang, seit 1991, die Arbeit des kfd-Diözesanverbandes als geschäftsführende Referentin mit ihrem Team begleitet.  Im Gespräch mit www.kfd-koeln.de blickt sie zurück auf eine Zeit, die sie mit den Worten beschreibt: „kfd ist eine Lebenshaltung“.


 

Auf der Delegiertenversammlung Ende Oktober war auf dem Podium ein Transparent mit dem Spruch „Mehr Stolz, ihr Frauen“ zu sehen. Müssen Frauen tatsächlich noch Stolz entwickeln?

Das ist ein Satz von Hedwig Dohm, der berühmten Frauenrechtlerin, die sich ja auch für das Frauenwahlrecht eingesetzt, die Einführung aber leider nicht mehr miterlebt hat. Ich finde es auch heute noch wichtig, diesen Satz zu sagen, der uns auch während des Jubiläumsjahres 2018 begleitet hat. Man darf nicht nachlassen in der Haltung, die man zeigt. Für die kfd heißt das, wir setzen uns für gleiche und gerechte Lebensbedingungen von Frauen, egal in welchem Kontext, ein. Natürlich hat sich in den letzten 30 Jahren viel verändert. Aber es ist ja zu beobachten, dass junge Frauen zunehmend wieder gerne das traditionelle Familienmodell leben, in der es einen männlichen Versorger gibt. Das stimmt mich schon sehr nachdenklich.  Auch weil nicht die Notwendigkeit einer eigenen Alterssicherung gesehen wird. Wir haben hier im Diözesanverband den Marie-Theres von Schorlemer-Fonds – der greift den Frauen unter die Arme, die von Altersarmut betroffen sind. Das ist also ein Thema, das uns immer wieder beschäftigt hat.

Wie bringt man solch ein komplexes Thema wie Gleichbehandlung oder Gleichberechtigung gut in die Frauenbildungsarbeit ein – die ja ein wichtiges Standbein der kfd immer war und ist?

Hier sieht man, wie wertvoll die Arbeit auch auf Bundesebene ist. Ich erinnere mich gut an die vielen Diskussionen auf den Bundesversammlungen – ich war ja bei 29 dabei. Zuletzt noch im Juni, als wir das Positionspapier „gleich und berechtigt“ verabschiedet haben. Es gab viele Jahre die so genannten Schwerpunktthemen, die über drei Jahre lang dann in den Diözesanverbänden bearbeitet wurden. Dafür wurden Arbeitshilfen entwickelt, die wir für die Arbeit vor Ort angepasst und verwendet haben. Ich erinnere mich noch gut zum Beispiel an das Thema „Bevollmächtigt, Zukunft zu gestalten“. Da ging es auch um mehr Rechte für Frauen in unserer Kirche, aber auch in der Gesellschaft. Und dass wir den Auftrag von Gott haben, nicht tatenlos rum zu stehen, sondern aufgerufen sind, uns aufzumachen und uns einzumischen.

Ein weiteres schönes Thema war „Der Hoffnung Namen geben, das Leben weiten“ – auch hierbei ging es um die christliche Botschaft: Wir müssen dem Leben immer eine Chance geben. Bei all dem Zynismus, den wir zum Beispiel in der Politik erleben, ist das für mich eine wichtige Aussage. Ich erinnere mich an leidenschaftliche Diskussionen und wie wir – manchmal verbissen – um Formulierungen gerungen haben.

Sie haben ja auch schon mit einem Megaphon vor dem Dom gestanden …

Ja, das war auf der Bahnhofsvorplatte 2012 am Equal Pay Day. Wir haben eine Art Demo organisiert und sind in einer langen Schlange mit Sprechchören vom Maternushaus zum Bahnhofsvorplatz vor dem Dom gezogen. Und haben gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit gefordert. Angefangen haben wir 2010 mit einem kleinen Foto auf unserer Homepage – das Team von der Geschäftsstelle ist da zu sehen, jede mit einer roten Tasche bis heute das Symbol des Equal Pay Days (Gleichbezahltag – Anm. der Red.).

Das Domradio hat mal eine Veranstaltung des Diözesanverbandes als „rote Regenschirmparty“ bezeichnet. Sind kfd-Frauen besonders wetterfest?

Auf jeden Fall nehmen sie einiges auf sich. Die Regenschirmparty war unser großer Frauenzukunftstag "Wir wollen keine Schokolade", den wir 2016 auf der Bahnhofsvorplatte veranstaltet haben mit großer Bühne, Leinwänden, damit alle gut sehen konnten. Und einem Programm, moderiert von Simone Standl vom WDR. Das war die zentrale Veranstaltung unseres Diözesanverbandes für die Mitgliederkampagne Frauen.Macht.Zukunft. Leider war es sehr regnerisch und zum Schluss hat es wie aus Eimern gegossen. Das waren wir natürlich enttäuscht, aber an den Tag erinnern sich trotzdem noch viele sehr gerne.

Überhaupt feiern wir ja gerne mit vielen Mitgliedern, ich denke an das "Fest der Generationen" 2014 auf der Landesgartenschau in Zülpich mit 800 Teilnehmerinnen – da war es sehr heiß, so viel zum Thema "wetterfest". Oder  an unsere Rheinschiff-Fahrt „Rheintöchter unterwegs“ zum Jubliäum – da hatte der Rhein wegen der Hitze schon Niedrigwasser und wir konnten nicht die gesamte Strecke befahren, das hat aber der Stimmung keinen Abbruch getan. Unsere beiden Feste im Spätsommer vor Groß St. Martin 2017 und 2018 waren auch tolle Erfolge. Ich glaube, diese Feste, die wir immer mit viel Herzblut organisiert haben, tragen viel dazu bei, dass die Frauen sich gut fühlen in der kfd. Uns sagen viele: „Ich komme wegen der Gemeinschaft.“

Zurzeit gibt es heiße Diskussionen um die Ämterfrage für Frauen in der Kirche. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Dieses Thema begleitet die kfd ja schon viele Jahre. Es ist ja nicht so, als wäre das so neu, wie manche offenbar glauben. Nun fordern wir mit dem Positionspapier „gleich und berechtigt“ noch einmal ganz ausdrücklich, dass Frauen alles werden können in der katholischen Kirche: Auch Priesterin. Wir sind mutiger geworden, das finde ich gut so. Es stehen jetzt auch viel mehr Frauen hinter dieser Forderung als noch vor Jahren. Es gibt viele positive Rückmeldungen. Natürlich gibt es auch immer Mitglieder, die in dieser Frage nicht mit uns gehen können. Wir versuchen, im Gespräch zu bleiben. Es gibt ja auch viele andere Themen, mit denen wir uns beschäftigen.

Dem gingen ja auch mehrere so genannte verbandliche Prozesse voraus, wie kann denn ein Diözesanverband mit seinen vielen Mitgliedern davon profitieren?

Da denke ich sofort an den „Charismenprozess“, der nun auch mehr als zehn Jahre zurückliegt. Der war für unseren Diözesanverband wirklich auch sehr heilsam, weil wir den Frauen vermitteln konnten, dass sie eine eigene Berufung haben und dass es richtig ist, wenn sie ihre Spiritualität leben wollen. Und sie dazu befähigen, das haben wir als unsere Aufgabe angesehen. Also haben wir viele Schulungen angeboten, zum Beispiel für geistliche Begleitung auf Orts- und Dekanatsebene. Inzwischen gibt es sicherlich 150 geistliche Begleiterinnen für unsere Gruppen: Sie sind Ansprechpartnerinnen für das spirituelle Leben der Gruppen und gestalten Angebote. In der Rahmenordnung für die Gruppen ist auch gar nicht mehr vorgesehen, dass der leitende Pfarrer automatisch auch der Präses der Gruppe ist. In den vergangenen Jahren haben wir außerdem rund 50 Frauen zu Leiterinnen von Wortgottesfeiern ausgebildet, denn es fehlt ja überall an Priestern.

Fühlen sich die Frauen da nicht manchmal als Lückenbüßerinnen?

Nein, die Frauen haben gemerkt, wie berufen sie sind. Sie sehen sich nicht als Lückenbüßerinnen. Sie verkündigen den Glauben. Diese Frauen bewirken ganz viel, nicht nur in ihren Gruppen. Es hängt ja auch immer von der eigenen Persönlichkeit ab, wie ich mit dem umgehe, was ich mir angeeignet habe. Und sicher: manchmal läuft man gegen eine Wand. Manche Pfarrer wollen den Frauen enge Grenzen setzen. Wir sagen dann immer: Sucht innerhalb der kfd Möglichkeiten. Ich möchte ergänzen: Und macht, einfach machen!

Was bietet die kfd einer Frau?

Mir fällt als erstes das Wort Heimat ein, kfd ist ein Ort wo ich mich als Frau in der Kirche und Gesellschaft wohlfühle, wo ich mit Gleichgesinnten zusammen sein und mich austauschen kann. Die kfd ist ein Frauenort in der Kirche, hier kann ich meine Spiritualität anders leben - spezieller als in der Pfarrgemeinde.
kfd ist auch ein Ort von Freundschaft. Ich habe das wirklich in all den Jahren erlebt, welche Freundschaften sich entwickeln können. Das sind dann ganz oft sehr enge Verbindungen – sicherlich auch wegen des gemeinsamen Wertegerüstes. Ich schätze das sehr und erfahre oft, auch wenn man sich lange nicht sieht, die Freundschaft bleibt.
In der kfd kann man auch gut kritische Fragen diskutieren – sie ist wie ein geschützter Raum, in dem man sich ausprobieren kann. Also auch ein Lernort: Viele Frauen sagen mir, wenn ich die kfd nicht gehabt hätte, wäre ich jetzt nicht die, die ich jetzt bin. Das kann ich von mir selbst auch sagen!
Ich habe mich immer herausgefordert gesehen, ich bin zu ganz vielen Themen gekommen, weil sie in der kfd Thema sind. Und ich konnte auch Dinge ausprobieren, weil ich den Freiraum dazu hatte, zum Beispiel habe ich das Frauenfilmfestival und die Schwerpunkttage eingeführt oder die Inseltage, die uns auf die nordfriesischen Inseln und sogar nach Mallorca geführt haben. Es hat mir immer Freude gemacht, Andersorte zu finden.

Nur ein kfd-Diözesanverband hat eine Stiftung. Das ist die Kölner kfd-Stiftung St. Hedwig. Welche Rolle spielte sie für deine Arbeit?

In all den Jahren war mir die kfd-Stiftung St. Hedwig ein besonderes Herzensanliegen. Ich konnte helfen und begleiten. Das hat mir schon so sehr bei Familien- und Siedlungshilfe gefallen, aus der die Stiftung hervorgegangen ist. Hedwig ist mein zweiter Vorname, der mir früher nie so gefiel, aber den ich meiner Patentante zu verdanken habe. Seit Gründung der Stiftung habe ich ihn gerne und mit Würde getragen. Die heilige Hedwig ist mir mit ihren unterschiedlichen Lebensfacetten nahegekommen und wurde zur Schwester im Glauben. Oft habe ich die Not mit ihren Augen gesehen. Besonders die Lettland-Hilfe und die lettischen Schwestern vom Katholischen Lettischen Frauenbund sind mir dabei wichtig. Ich hoffe, dass „meine“ Lettlandhilfe, ich weiß, das klingt vermessen, gut weitergehen kann.

Wenn du drei Wünsche für die kfd frei hättest, welche wären das?

Ich wünsche mir für die kfd, dass sie weiterhin viele neue Frauen findet. Wir leiden ja unter dem demografischen Wandel, aber die Mitgliederwerbekampagne hat  gezeigt, wir können Frauen für uns begeistern. Die Entwicklung bei den Einzelmitgliedern finde ich auch positiv – hier sollte es mehr Möglichkeiten geben, sie einzubinden.
Ich wünsche unseren Frauen und insbesondere dem Diözesanvorstand, dass sie die schwierigen Themen gut meistern können und vor allem am Ball bleiben. Ich merke, wie tief verbunden ich mit den Menschen hier im Verband bin – wie wichtig mir die 30 Jahre  sind. Ich wünsche einfach, dass es gut weitergeht.

Die Fragen stellte Sabine Schleiden-Hecking

Fotos: Jörg Brocks/Kathrin Becker