Impuls zum Palmsonntag

Jubel und Abkehr – ausgelassene Freude und Kreuzestod

3.4.2020 – Mit Palmsonntag beginnt die Karwoche, die auf das wichtigste Fest der Christen zuführt, auf Ostern. An Palmsonntag gedenken wir des Einzugs Jesu in die Stadt Jerusalem und seiner Passion. Eine Palmprozession gab es in Jerusalem bereits um das Jahr 400, in Europa findet man sie ab dem 9. Jahrhundert. Wer heutzutage einmal in Jerusalem dabei gewesen ist, kennt den von lauter Musik und Gesang und palmwedelnden Menschen geprägten Umzug durch die Stadt.


Eine herrscht eine ausgelassene Stimmung – vorösterliche Freude ist spürbar und doch hat dieser Tag etwas Zwiespältiges.
So war es wohl auch zu Zeiten Jesu: Das Evangelium (Mt 21,1-11) berichtet von Frauen und Männern in Jerusalem, die ihre Kleider auf den Straßen auslegen, um Jesus – reitend auf einem Esel, dem Lasttier der armen Leute – einen prächtigen Empfang zu bereiten. Sie schneiden Zweige von den Bäumen und streuen sie vor ihn auf den Weg. Und sie rufen: „Hosianna“, übersetzt „Hilf doch“. Das ist ein gängiger Ausdruck im Altertum – gerichtet an Gott oder den König. Er beinhaltete Freude und Begeisterung, aber auch die Erwartung von Heilstaten. Denn von diesem Jesus hatten die Menschen gehört, dass er Kranke geheilt hat.

Die festliche Prozession ist nur die eine Seite

Im Kleinen vollziehen wir diese Prozession jedes Jahr nach. Mit Palmen und Gesang ziehen wir von draußen in unsere Kirchen ein. Und bei frühlingshafter Sonne hat es etwas sehr Festliches. In diesem Jahr 2020 müssen wir darauf verzichten.
Dieser festliche Zug ist aber nur die eine Seite von Palmsonntag. In der Liturgie hören wir auch die Passionsgeschichte: Jesu Zugehen auf seine Gefangennahme und den Kreuzestod (Mt 27,11-54) – der völlige Kontrast zur ausgelassenen Freude. Und so geschah es damals auch in Jerusalem: Aus dem Zujubeln wurde nur wenige Tage später die Verurteilung zum Tod – man ließ Jesus einfach fallen. Ob er das wohl bei seinem Einzug schon ahnte?

Erst dafür, dann dagegen

So können sie sein, die Menschen – erst sind sie für einen, dann sind sie gegen einen. Erst sind sie nah, dann wenden sie sich ab. Wahrscheinlich kennen wir das alle. Vielleicht handeln wir ja selbst manchmal so. In dem ein oder anderen Fall mag es gute Gründe für ein solches Verhalten geben.

War Jesus ein Aufrührer?

Auch im Fall Jesu gab es Gründe, sich von ihm abzuwenden. Unmittelbar nach seinem Einzug in Jerusalem erzählt uns die Bibel von der Vertreibung der Händler aus dem Tempel. Daher sahen besonders die führenden Gruppen (wie die Pharisäer und Schriftgelehrten) in ihm einen Aufrührer, der beseitigt werden musste. Alles, was Jesus im Sinn der Nächstenliebe für sie getan hatte, war plötzlich vergessen.
Und so kippte nach anfänglichen Hosianna-Rufen die öffentliche Stimmung, und die meisten hängten „ihr Fähnchen nach dem Wind“ und wandten sich ab.

Zu den eigenen Werten stehen

Hier liegt in meinen Augen ein wichtiger Aspekt dieses Sonntags – die Frage an uns: Wofür stehe („jubele“) ich in meinem Leben und in meinem Glauben – und bleibe ich meinen tiefen inneren Überzeugungen treu, auch wenn sich die „Großwetterlage“ ändert? Von wem lasse ich mich möglicherweise beeinflussen und verliere dadurch den Blick für das Wesentliche? Welche Anstöße geben mir diese Fragen?

Deshalb jubele ich!

Vielleicht finden Sie am Palmsonntag die Zeit, darüber ein wenig nachzusinnen und sich noch mal selbst neu darin zu bestärken, wofür es sich in Ihrem Leben lohnt zu „jubeln“ und dabei zu bleiben.
Hedwig Lamberty

Foto: Pixabay

Hinweis: Im Downloadbereich finden Sie diesen Impuls und auch den Impuls zur Passionszeit als pdf-Dokument. Vielleicht möchten Sie ihn ja an jemanden schicken, ausdrucken oder bei einem Spaziergang in den Briefkasten einer lieben Freundin werfen?