Heilige Woche 2020

Gedanken zu den Tagen zwischen Palmsonntag und Ostersonntag

Köln, 7.4.2020 – Mit dem Palmsonntag sind wir in die „Heilige Woche“ eingetreten. Sie ist mit Blick auf das Osterfest die dichteste und wichtigste Zeit im Kirchenjahr. In diesem Jahr wird es so ganz anders, als wir alle das je in unserem Leben erfahren haben. Was uns vertraut ist, was Riten und liebgewonnene Traditionen in Kirche und in der Familie ausmachen, darauf müssen wir in diesem Jahr zu einem großen Teil verzichten. Das Verzichten geht vielleicht ja noch in der Fastenzeit, aber auf Ostern hin ist das ganz schwer vorstellbar.


Wer sind die Heiligen dieser Zeit?

Vielleicht hilft es uns, einmal anders auf die heilige Woche zu schauen und wahrzunehmen, was diese Woche in diesem Jahr ausmacht, was „heilig“ genannt werden kann, wer die „Heiligen der Zeit“ sind:

  • Frauen und Männer, die in unterschiedlicher Weise im Gesundheitsbereich arbeiten, um dort den kranken und zu versorgenden Menschen beizustehen
  • Forscher*innen, die mit Hochdruck daran arbeiten, ein wirksames Medikament oder einen Impfstoff zu finden
  • Verkäuferinnen und Kassierer im Supermarkt und anderen lebensnotwendigen Geschäften
  • Busfahrer*innen, Polizist*innen, Seelsorger*innen
  • Viele ehrenamtlich Tätige, die anderen helfen
  • ...

Was trägt über die Zeit der Corona-Krise hinaus?

„Ich aber bin unter euch wie einer, der bedient.“ (Lk 22,27) Findet nicht gerade dieses Wort des Evangeliums ganz konkret unter uns statt, auch außerhalb von Gottesdienst und liturgischer Feier? Wird so diese Woche zu einer besonderen „Heiligen Woche“? Trägt die Erfahrung der Nachfolge Jesu über diese Zeit hinaus, in die österliche Zeit hinein?

Die Tage der heiligen Woche

Die Tage von Montag bis Mittwoch in der Karwoche sind durch die täglichen Lesungen über den leidenden „Gottesknecht“ beim Propheten Jesaja geprägt (Jesaja 42, 5a1-7/Jes 49, 1-6/Jes 50,4-9a), die als alttestamentliches Bild auf Christus hingedeutet werden.

Gründonnerstag: Die liturgische Bezeichnung für den Donnerstag der Karwoche lautet „Feria quinta in Coena Domini“ („Fünfter Tag beim Abendmahl des Herrn“). Die Herkunft des deutschen Namens „Gründonnerstag“ ist nicht restlos geklärt. Möglicherweise leitet sich das „Grün“ vom mittelhochdeutschen Wort „greinen“ ab, was sich mit „weinen“ übersetzen lässt. Am Abend des Gründonnerstags beginnt das sogenannte „Triduum Sacrum“ („die heiligen drei Tage“) mit der Messe vom letzten Abendmahl.

Karfreitag: Der Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung Jesu. Im Gedenken an den Leidensweg Jesu wird am Vormittag von vielen Gläubigen der Kreuzweg gebetet. Dieser führt traditionell in 14 Stationen von der Verurteilung Jesu bis zur Kreuzigungsstätte Golgota und der Grablegung Christi. In Anlehnung an die Via Dolorosa (Weg des Schmerzes) in Jerusalem wurden seit dem Mittelalter an vielen Wegen sowie um und in Kirchen Kreuzwege errichtet. Die Gläubigen schreiten die einzelnen Stationen – die sich erzählerisch nicht alle auf die Heilige Schrift stützen können – in meditativem Gebet ab. Am Nachmittag folgt die Karfreitagsliturgie als Feier vom Leiden und Sterben Jesu. Neben Lesen und Hören der Passionsgeschichte, der Kreuzverehrung sind ein weiteres Element die sogenannten „Zehn Großen Fürbitten“, die in diesem Jahr um eine Bitte in der Corona-Krise erweitert wurden

Karsamstag: Der Karsamstag ist der letzte Tag der Karwoche. Es ist der Tag der Grabesruhe Jesu, es finden keine größeren liturgischen Feiern statt. In Klöstern und einigen Kirchen gib es die Tradition der Kar- oder Trauermetten. Es ist der Tag des Dazwischen, des Aushaltes, der hoffenden Erwartung. 
Hildegard Müller-Brünker

Besondere Fürbitte am Karfreitag 2020

"Lasst uns auch beten für alle Menschen, die in diesen Wochen schwer erkrankt sind; für alle, die in Angst leben und füreinander Sorge tragen; für alle, die sich in Medizin und in Pflege um kranke Menschen kümmern; für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmitteln suchen, und für alle, die Entscheidungen treffen müssen und im Einsatz sind für die Gesellschaft, aber auch für die vielen, die der Tod aus dem Leben gerissen hat.

(Beuget die Knie. – Stille – Erhebet euch.)

Allmächtiger, ewiger Gott, du bist uns Zuflucht und Stärke; viele Generationen haben dich als mächtig erfahren, als Helfer in allen Nöten. Steh allen bei, die von dieser Krise betroffen sind, und stärke in uns den Glauben, dass du alle Menschen in deinen guten Händen hältst. Die Verstorbenen aber nimm auf in dein Reich, wo sie bei dir geborgen sind. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn."

Foto: Kruzifx in St. Ursula/Bedburg von Gerald Mayer
https://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/de/
Quelle: https://bilder.erzbistum-koeln.de/

Hinweis: Im Downloadbereich finden Sie diesen Text und weitere Impulse zur Fastenzeit als pdf-Dokument. Vielleicht möchten Sie ihn ja an jemanden schicken oder ausdrucken und bei einem Spaziergang in den Briefkasten einer lieben Freundin werfen?