Gründonnerstag begehen

Anregungen für die Gestaltung eines Hausgottesdienstes

Köln, 7.4.2020 – Wie können wir den Gründonnerstag in diesen Coronazeiten würdig begehen? Hier lohnt ein Blick ins Judentum, wo das Pessach-Mahl, zu dem Jesus geladen hat, heute noch in der Familie sehr festlich begangen wird. Auch Christ*innen können am Gründonnerstag, der in diesem Jahr mit dem Pessah-Fest zusammenfällt, einen Hausgottesdienst feiern – Anregungen dazu sollen die Überlegungen zur Gestaltung einer eigenen Feier geben.


Gründonnerstag (auch Hoher Donnerstag), ist der letzte Tag der österlichen Bußzeit. Mit der Feier vom Letzten Abendmahl beginnt am Abend des Gründonnerstags das sogenannte Triduum Sacrum (oder Triduum Paschale), also die Feier der drei österlichen Tage (Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag). Als Gedächtnistag des letzten Abendmahls und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus selbst kommt dem Gründonnerstag ein hoher Rang in der Liturgie zu.


Im Jahr 2020 fällt unser Osterfest zeitlich zusammen mit Pessach (hebräisch) oder Pascha (aramäisch); es beginnt am Abend des 8. April. Die Festsetzung erfolgt ebenso wie beim Osterfest nach dem ersten Vollmond im Frühjahr und dauert acht Tage, endet am Abend des 16. April. Dass dieses wichtige jüdische Fest häufig um dieselbe Zeit wie das christliche Ostern stattfindet, ist kein Zufall.

Wir erwarten das Heil

Pessach bedeutet „vorüberschreiben, verschonen“ und erinnert an die dramatische Zuspitzung vor dem Auszug der Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten. Auch an den Bund mit Gott mit seinem auserwählten Volk Israel und eine entsprechende Heilserwartung wird erinnert. Das zeigt sich in der Lesung des Tages aus dem Buch Exodus (12, 1-14; 17) in der Liturgie des Gründonnerstages.

Pessach wird gebührend gefeiert

Im Judentum ist Pessach ein Fest, das gebührend gefeiert und von verschiedenen Bräuchen begleitet wird. Das Haus wird geputzt und verschiedene Vorbereitungen getroffen, so darf beispielsweise nichts Gesäuertes im Haus sein. Am Vorabend findet in den Synagogen ein Abendgottesdienst statt, auf den ein großes Festmahl in der Familie folgt. Dieses Mahl wird als „Seder“ bezeichnet, was so viel wie „Ordnung“ bedeutet. Dazu werden bestimmte Speisen mit symbolischer Bedeutung gereicht, z. B. Mazzot, „Erdfrüchten“ (Radieschen, Sellerie oder Petersilie), Bitterkraut (Meerrettich oder Kopfsalat), ein aus geriebenen Äpfeln oder Datteln, Mandeln, Zimt und Wein bereitetes Mus, ein gekochtes Ei und Wein. Dazu werden Bibelstellen aus der Pessach-Liturgie vorgelesen. Zu Pessach gedenken Jüd*innen der Leidensgeschichte ihres Volkes und feiern gleichzeitig die Verheißungen Gottes an das Volk Israel. Knapp 100.000 Menschen mit jüdischem Glauben leben heute in Deutschland.

In diesem Jahr auch Hausgottesdienst feiern

Natürlich können wir als Christinnen nicht Pessach feiern, das verbietet die gegenseitige Achtung vor der jeweils eigenen Religionsausübung.  Aber was wir lernen können in diesem Jahr, wo gemeinsame Gottesdienste in unseren Kirchen nicht möglich sind, ist, einen Aspekt auf das Feiern in der Haus-  oder Familiengemeinschaft zu legen. So möchte ich Anregungen für einen Hausgottesdienst geben, den Sie in Gemeinschaft oder auch allein feiern können.

Vorbereitungen

Das Esssen: Überlegen Sie, was Sie essen möchten und sorgen Sie dafür vor. Stellen Sie auch – so Sie mögen – eine Flasche Wein bereit. Wenn Sie es weniger aufwändig gestalten möchten, bietet sich ein Brot an, dazu vielleicht ein paar Weintrauben oder Oliven.

Die festliche Tafel: Decken Sie den Tisch schön ein, vielleicht mit einer weißen Tischdecke, vielleicht gibt es ein besonderes Erbstück aus der Familie. In manchen Haushalten gibt es auch Porzellan oder Besteck, das nicht alltäglich im Gebrauch ist. Heute ist die Gelegenheit, es aufzulegen. Eine Kerze, vielleicht ein Blumenstrauß, schöne Servietten machen eine Festtafel aus. Auch geistliche Musik oder Lieblingsstücke tragen zur festlichen Stimmung des Abends bei.

Geistliche Texte: Für die inhaltliche Gestaltung halten Sie eine Bibel und das Gotteslob zur Hand.
Vergegenwärtigen Sie sich, dass Jesus Christus uns einlädt zu einem Festmahl, er möchte mit uns feiern wie damals mit den Jünger*innen.

Ablauf des Abends:

Liedvorschlag:  GL 414 „Herr, unser Herr, wie bist du zugegen“
Beginn mit dem Kreuzzeichen
Einführung: Die Feier am Gründonnerstag ist eine Erinnerung an ein Fest, das Jesus mit seinen Jünger*innen feiert, kurz bevor er seinen Passionsweg angeht. In keinem der Evangelienberichte ist eine Frau am Abendmahlstisch erwähnt. Aus der Geschichte Jesu wissen wir aber, dass auch Frauen in seinem Gefolge waren, die ihn begleiteten und Jüngerinnen waren. Da sind geheilte Frauen, da sind Frauen, die mit Jesus diskutiert haben, die ihn bewirtet und ihm vertraut haben, die ihm begegnet sind. Diese Frauen können wir uns vergegenwärtigen.

Vielleicht war auch eine dieser Frauen beim Festmahl dabei. Die Bibel überliefert uns Texte, in denen Frauen die Nähe Jesu suchten, indem sie ihm die Füße bzw. das Haupt salbten während eines Mahls kurz von dem Paschafest. Davon berichten alle vier Evangelisten (Mt 26, 6-13; Mk 14, 3-9; Lk 7, 36-39; Joh 12, 1-11). Einen Menschen salben ist in der Bibel ein Zeichen für dessen königliche und prophetische Würde, und Christus heißt der „Gesalbte“. Vielleicht haben die Frauen intuitiv erkannt, wer dieser Jesus ist und dass er in den Tod hineingeht, um in der Auferstehung die Menschen zu erlösen. Und Jesus selbst spricht davon, dass diese Tat einer Frau im Gedächtnis bleibt, wo immer das Evangelium verkündet wird.

Auch wir sind durch die Taufe gesalbt zu königlichem, priesterlichem und prophetischem Tun. (vergl. Römer 6,3 und 4: „Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln“)

Bibeltext: Markus 14, 1-11

Anleitung zur Schriftbetrachtung

Den Schauplatz herrichten

- Ich lasse diese biblische Szene wie auf einer Bühne vor meinem inneren Auge lebendig werden. Ich stelle mir die Landschaft vor, sehe das Gebäude, das Haus, in dem die Szene sich abspielt. Wie sieht in meiner Phantasie die Umgebung aus?
- Mit meiner Vorstellungskraft sehe, höre, schmecke, ertaste, rieche ich, was sich in der Szene „tut“.
- Der Text enthält eine Abfolge von Szenen, es kommen verschiedene Personengruppen vor. Ich nehme die im Text erwähnten Personen in den Blick: Was tun sie, wie verhalten sie sich, wie sprechen sie miteinander oder übereinander …?

Sich identifizieren

- Ich identifiziere mich mit einer oder mehreren Personen in der Geschichte.
- Ich entdecke in ihnen Gefühle, Gedanken, Verhaltensweisen, vielleicht auch Fragen meines Lebens wieder. Welche ist mir nahe
- Kann ich in dieser Frau auch Anteile von mir finden?
- Ich versuche mich einzufinden in eine Begegnung mit Jesus, suche ich seine Nähe und wenn ja, wie?

Besinnung – Betrachtung

- Ich gehe den Schrifttext nochmals langsam, Wort für Wort und Satz für Satz, durch und erlebe mit, was geschieht.
- Ich lasse das Geschehen auf mich wirken: Ich verweile, wo ich angesprochen, berührt, betroffen, herausgefordert bin. Komme   ich selbst in der Szene vor? Wie ist meine Stimmung?
- Habe ich schon einmal so etwas „Verrücktes, Unvernünftiges, Verschwenderisches“ getan und warum?
- Ich bleibe bei dem, was mich innerlich angerührt, bewegt hat und bringe es ins Gespräch/Gebet mit Gott.

Wenn Sie alleine sind, gehen Sie diesen Impulsen in Gedanken nach, vielleicht mögen Sie etwas aufschreiben oder ein Elfchen verfassen. Wenn Sie zu mehreren sind, können Sie auch darüber sprechen und einander Ihre Gedanken und Empfindungen mitteilen. Das kann in Form des Bibelteilens geschehen, wo alle ihre Gedanken frei äußern können, ohne dass es bewertet wird. Lassen Sie ausreichend Zeit für die Schriftbetrachtung.

Teilen des Essens

Nach dem Teilen des Wortes findet nun das Teilen des Brotes oder der Mahlzeit statt. Vielleicht kennen Sie das von früher, dass die Mutter oder Großmutter den Brotlaib mit einem Kreuzzeichen segnete, bevor er angeschnitten wurde. Vor dem Essen zu beten ist schon im Psalm 104, 27-28 überliefert und heute noch in ganz vielen Familien üblich.

Segen über das Brot

Wir bitten dich, Gott, um deinen Segen für dieses Brot, das wir heute am Gründonnerstag miteinander teilen wollen.
Gott, du Brot unseres Lebens,
wir danken dir für das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit.
Dein Sohn hat Brot gesegnet und es Hungrigen zu essen gegeben.
Am Abend vor seinem Leiden gab er sich selbst im Zeichen des Brotes seinen Jüngerinnen und Jüngern zur Speise.
In seinem Namen bitten wir,
lege deinen Segen auf dieses Brot.
Richte uns auf und mache unsere Hoffnung stark.
Lass uns getröstet die Kar-und Ostertage begehen
und gib uns Kraft und Zuversicht in diesen schwierigen Zeiten.
Lass uns Freude und Leid teilen
und füreinander achtsam bleiben.
Festige den Zusammenhalt in unseren Familien und Gemeinschaften.
Darum bitten wir dich von Herzen.
Gott, segne dieses Brot.
Ulrike Göken-Huismann
(Brot-Segen für Gründonnerstag, den 9. April 2020, nachzulesen auch auf der Website des kfd-Bundesverbandes.)

Zum Abschluss: GL 286 „Bleibet hier und wachet mit mir“

Als Nachtwache bieten sich an: Litanei von der Gegenwart Gottes im GL 576 oder Abschiedsreden im Johannesevangelium (Kap 14-17)

Hildegard Müller-Brünker

Hinweis: Im Downloadbereich finden Sie diesen Text und Gedanken zur Heiligen Woche 2020  als pdf-Dokument. Vielleicht möchten Sie ihn ja an jemanden schicken oder ausdrucken und bei einem Spaziergang in den Briefkasten einer lieben Freundin werfen?