Glauben heißt auch Mut beweisen

Die Wallfahrerinnen nach Altenberg haben in Hildegard ein gutes Vorbild

17.9.2016 „Wir brauchen Glauben, Mut und Liebe“, unter diesem Leitwort stand die Diözesanwallfahrt zum Altenberger Dom. Diözesanvorsitzende Lydia Wallraf-Klünter griff dieses Zitat aus dem apostolischen Sendschreiben von Papst Franziskus in ihren Begrüßungsworten an die mehr als 200 kfd-Pilgerinnen und Pilger auf. Glauben könne der Mensch nur mit anderen. „Die kfd ist eine solche glaubende kraftvolle Gemeinschaft, die trägt und Räume schafft für Suchende und Fragende“, sagte sie. Und „gerade heute in Zeiten von politisch rechten Tendenzen, Fundamentalismus und Fremdenhass brauchen wir Mut. Ja, wir sind als Christinnen geradezu aufgefordert, Zivilcourage zu zeigen.“


Hildegard von Bingen – glaubensstarke und gerechte Magistra

Diözesanpräses Robert Kleine griff diese Überlegungen in seiner Predigt auf.  Er bezeichnete Hildegard von Bingen, deren Namenstag am 17. September gefeiert wird, und die als Patronin der Diözesanwallfahrt gewählt worden war, als glaubensstarke Frau ihrer Zeit, die offensiv und furchtlos gegenüber den Mächtigen und dem Klerus aufgetreten ist. Weder vor Papst Eugen noch Kaiser Barbarossa habe sie Angst gezeigt. Die Kirchenlehrerin, Magistra Hildegard, habe klare Vorstellungen von einem guten Leben in Gerechtigkeit, Gottesfurcht und Nächstenliebe gehabt.

Die Liebe ist das höchste Gut

Die Universalgelehrte konnte aber all dies nur aus der Liebe heraus leben, die sie in sich trug und die ihr ihre geistliche Mentorin Jutta von Sponheim mitgegeben hatte. Sie erzog Hildegard seit ihrem zehnten Lebensjahr im Kloster Disibodenberg an der Nahe.
„Liebe ist das höchste Gut im menschlichen Miteinander,“ sagte auch Kleine in seiner Predigt: „Wo es keine Liebe gibt, gibt es keine Bereitschaft zum Teilen; wo keine Liebe waltet, herrschen Intoleranz, Unfreiheit und Fundamentalismus.“

Statio auf der Wiese vor dem Dom

Dem feierlichen Gottesdienst war eine Statio auf der Wiese im Schatten des Altenberger Doms vorangegangen. Dabei wurde bereits ein erstes Lebensbild der Heiligen Hildegard gezeichnet. Singend und betend zogen die Pilgerinnen und Pilger in einer Prozession zum Dom, um Eucharistie zu feiern.

Altenberger Dom: ein bedeutendes Bauwerk der Zisterzienser

Dr. Gisela Bruchhäuser vom Aktionskreis Altenberg e.V. führte nach dem Gottesdienst in die Geschichte des Altenberger Doms im Tal der Dhünn ein. So steht dieses bedeutende gotische Bauwerk in der Tradition der Zisterzienser, die von Frankreich kommend, sich im 12. Jahrhundert im Tal ansiedelten, die Abtei und den Dom bauten.
Nach der Säkularisierung dient der Dom nach preußischem Edikt seit 1857 beiden Konfessionen, nämlich katholischen und evangelischen Gläubigen als Gotteshaus. Heute ist der Dom im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen, das ihn vor einigen Jahren umfassend sanierte.

Nun wir sind alle frohgemut

Wie alle Kirchen der Zisterzienser ist auch der Altenberger Dom der Gottesmuter geweiht. Die prächtige Strahlenmadonna aus dem 16. Jahrhundert regte einst Georg Thurmair und Adolf Lohmann zu Text und Melodie des bekannten Altenberger Wallfahrtsliedes  „Nun sind wir alle frohgemut ...“ an. Auch wies Dr. Gisela Bruchhäuser besonders auf das im Westwerk des Doms großartig gestaltete Glasfenster hin, welches das himmlische Jerusalem zeigt.

Pilgermahl und Führungen

Nach einem Pilgermahl im Altenberger Hof konnten die Frauen an vier interessanten Führungen rund um den Altenberger Dom und seine lange Geschichte teilnehmen: die Domfassade und ihre Spiritualität, Ausgrabungen der jüngeren Zeit, die Markuskapelle und der Küchenhof sowie der Kräutergarten. Auch der Altenberger Domladen wurde gut besucht.

kfd-Mobil und Aktion des Christinnenrates zur Reformation

Auf der Wiese im Schatten des Doms konnten sich die kfd-Mitglieder über die Mitgliederwerbekampagne Frauen.Macht. Zukunft. und einer aktuellen Aktion des Christinnenrats  „Reformation ist überall – FrauenPerspektiven“ informieren. Das Projekt lädt Frauen ein, auf einem Plakat den Halbsatz "Eine frauengerechte Kirche ist für uns / für mich, wenn …" zu vervollständigen.

Wann und wo sehen wir uns wieder und sind froh?

Die Diözesanwallfahrt endete mit einer letzten Statio, in deren Mittelpunkt eine Bildbetrachtung zu einer Hildegard-Skulptur aus Eibingen stand. Msgr. Robert Kleine spendete den Wallfahrtssegen und dankte zusammen mit Lydia Wallraf-Klünter allen WallfahrerInnen für ihr Kommen. Beide luden schon zur nächsten Diözesanwallfahrt 2017 – im Jubiläumsjahr der Reformation – nach Kloster Helfta ein. Lydia Wallraf-Klünter beendete den Wallfahrstag mit der Zeile aus dem alten Volkslied: „Wann und wo sehen wir uns wieder und sind froh ...?“
Ursula Sänger-Strüder

Fotos: Kathrin Becker