Frauen, macht Politik!

Fragen an die ehemalige Landtagsabgeordnete Marie-Theres Ley

Köln.6.9.2018 Das Politische Frühstück am 13. Oktober steht unter dem Thema "100 Jahre Frauenwahlrecht". Grund genug, einmal eine, die es wissen muss,  zu fragen, wie es ihr eigentlich in der Poltik erging. Im Interview für die Septemberausgabe von nah dran, der Beilage des kfd-Diözesanverbandes Köln zur Mitgliederzeitschrift Frau und Mutter, legt die 1940 geborene Lehrerin und 5-fache Mutter allen Frauen ans Herz: „Macht Politik!“ Hier dokumentieren wir eine ausführliche Fassung des Interviews.


Marie-Theres Ley ging Mitte der 70-er Jahre in die Politik: zunächst in den Stadtrat von Köln, später vertrat sie bis 2009 ihren Kölner Wahlkreis für die CDU im Landtag in Düsseldorf. Sie war auch Vorsitzende des damaligen kfd-Dekanates Köln-Bayenthal.

Frau Ley, wie sind Sie in die Politik gekommen?
Ich bin nicht früh in die Junge Union gegangen, wie man vielleicht denken könnte. Aber ich habe mich immer engagiert, ich war Klassensprecherin, Schülersprecherin, dann als junge Frau Vorsitzende des Kindergartenrates und der Schulpflegschaft und in der Kirche aktiv. Jedenfalls bin ich da wohl positiv aufgefallen, denn eines Tages haben sie mich von dem CDU-Ortsverband angesprochen: ´Frau Ley, könnten Sie nicht in die CDU kommen? Sie wären doch was für die Politik.`
Das waren damals übrigens Männer, die gefragt haben. Denen war wohl auch aufgefallen, dass zu wenig Frauen politisch aktiv waren und ich war durch mein gesellschaftspolitisches Engagement ziemlich bekannt. Die Erfahrungen daraus waren übrigens sehr nützlich. Das hilft tatsächlich, wenn man dann man in der realen Politik angekommen ist.
Und im Ortsverband habe ich dann natürlich auch meinen Mund aufgemacht. Da wollte ich was bewegen, besonders in der Frauenpolitik. Aus dem Stand heraus habe ich dann auch gewonnen, als ich für den Vorsitz der Frauen-Union Köln kandidiert habe.

Was waren in den 70er- und 80er-Jahren die Frauenthemen in der Politik?
Es war ja wirklich eine andere Zeit. Damals ging es noch mehr als heute um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Mutterschutz dauerte ja nur sechs Wochen, wer dann weiter erwerbstätig sein wollte, musste in der Regel Vollzeit arbeiten. Damals habe ich oft mit Arbeitgebern gesprochen und gesagt: `Versuchen Sie es doch mal mit Teilzeit`. Für viele Firmen war es nämlich unvorstellbar, jemanden in Teilzeit einzustellen, entweder ganz oder gar nicht.
Das war dann auch das Hauptthema in meiner Frauenpolitik: Wiedereinstieg nach der Familienzeit. Wir haben durch die Einführung der Erziehungszeit und das Recht auf Teilzeit damals erst die Wahlmöglichkeit für Frauen geschaffen, sowohl Familie zu haben als auch erwerbstätig zu sein.
Die Rente war damals noch kein Thema. Vielmehr ging es damals auch darum, Frauen überhaupt erstmals in Leitungspositionen zu bekommen. Als Stadträtin zum Beispiel habe ich mich Anfang der 90-er-Jahre sehr dafür eingesetzt, dass erstmals eine Frau das Berufskolleg leitete. Es gab zwar die ein oder andere Schulleiterin an Gymnasien, aber selbstverständlich war das lange nicht. Wir mussten richtig dafür kämpfen.

Sie waren Vorsitzende der Frauenunion in Köln, aber viele Frauen mit Mandaten gab es damals noch nicht …
Ich war lange, lange Zeit immer die einzige Frau, in den Gremiensitzungen ging die Begrüßung so: ´Frau Ley, meine Herren.` Da bin ich allerdings beileibe nicht die einzige, die das so erlebt hat. Es hieß ja oft, Frauen interessierten sich nicht für Politik oder es gäbe keine, die man für eine Kandidatur oder ein Amt in der Partei ansprechen kann.
Das waren Ausreden und wenn es darum geht, Frauen in ein Mandat zu bekommen, dann ist das auch heute noch oft so. Als in der CDU eine Frauenquote eingeführt werden sollte, war ich zuerst dagegen. Aber ich habe schnell gemerkt, mit Freiwilligkeit kommen wir nicht weiter und habe mich für die innerparteiliche Quote stark gemacht.

Ich habe auch selbst erlebt, wie schwierig das sein kann. Ich war die erste Aufsichtsratsvorsitzende der GAG, einer Kölner Wohnungsbaugesellschaft. Die gibt es auch heute noch. Das war erstmal nicht so vorgesehen, in den 80er-Jahren war das tatsächlich eine kleine Sensation, eigentlich sollte das ja ein Kollege werden und ich wurde es nur, weil der unerwartet nicht zur Verfügung stand.
Das Thema war natürlich neu für mich, aber ich habe mich in die Bilanzen gekniet und in meiner Amtszeit ein umfassendes Sanierungsprogramm begleitet. Wir hatten damals noch mehrere tausend Wohnungen ohne Bad und Heizung. Ich habe darauf gedrängt, dass die Wohnungen familiengerecht umgebaut wurden.

Später im Landtag habe ich mich im Ausschuss „Wissenschaft und Forschung“ auch für die Förderung von Wissenschaftlerinnen eingesetzt. Es gab um die Jahrtausendwende gerade mal zwei C-4-Professorinnen an nordrhein-westfälischen Universitäten. Und da wir damals mit der CDU in der Opposition waren, kam es natürlich darauf an, die SPD mit auf unsere Seite zu ziehen.
Das ist mir auch gelungen, aber mit dem Lorbeer bekränzt haben sich dann die anderen. Ich hatte die ganze Arbeit gemacht, aber nach außen hieß es dann: ´Wir haben das gemacht.`
Es ist ja bis heute so: Die Mädchen machen das bessere Abitur, sind die besseren Studentinnen, aber die Männer sind viel öfter promoviert oder habilitiert. Das hat ja sicher nichts mit mangelnder Befähigung von Frauen zu tun.

Welche Gründe nennen den Frauen selbst, warum sie nicht so gerne in die Politik gehen?
Sie meinen auch heute oft noch, sie könnten ein Amt nicht mit Kindern vereinbaren. Männer kämen niemals auf diese Idee. Als ich anfing, hieß es ja auch noch oft: ´Was sollen die Frauen hier, die sollen mal schön zuhause bleiben.` Das würde natürlich heute keiner mehr laut sagen. Außerdem haben Frauen es bis heute immer noch schwer, für sichere Wahlkreise aufgestellt zu werden. Der Streit in der Politik wie wir ihn gerade erst mit Seehofer erlebt haben, schreckt Frauen ab.

Warum sollten Frauen sich parteipolitisch engagieren?
Weil über die Parteien die Politik maßgeblich gestaltet wird und sich sofort die Atmosphäre ändert, sobald Frauen sich einbringen. Das ist für unsere Demokratie sehr wichtig. kfd-Frauen können so auch ihre gesellschaftspolitischen Themen besser vertreten und zwar generationenübergreifend. Sie haben wichtige Kontakte in die Gemeinde hinein und wissen, was die Frauen brauchen und wollen.
Es ist gar nicht so wichtig, in welcher Partei sie das tun – extreme und populistische Parteien wie die AfD (Alternative für Deutschland) einmal ausgenommen!
Ich wünsche mir manchmal schon, dass mehr Frauen politischer denken. Natürlich, wenn Sie in die Politik gehen, müssen Sie Nerven wie Drahtseile haben, die Arbeit kann nervenaufreibend sein. Das muss man auch können. Ich sage aber trotzdem: Nicht meckern, sondern sich informieren und möglichst machen! Die Politik braucht Frauen!

Das Gespräch führte Sabine Schleiden-Hecking

Foto: privat

Hier Bericht über das Politische Frühstück am 13. Oktober 2018