Filmexerzitien in Maria Laach

Die Suffragetten oder von Stärken und Schwächen

Köln, 13.6.2019 – Filmexerzitien in Maria Laach gehören zum festen Programm des Diözesanverbandes Köln. Die altehrwürdige Abtei mit ihrem Gästehaus am Laacher See ist ein geeignetes Refugium, um ein paar Tage den Alltag hinter sich zu lassen, für das Gebet und den Austausch mit anderen Frauen.


Grundüberlegung für das diesjährige Thema der 5-tägigen Filmexerzitien „Stärken und Schwächen“  war die Beobachtung, dass viele Frauen sich in mannigfaltiger Weise mit ihren Schwächen beschäftigen und sich andererseits oft schwer damit tun, ihre Stärken anzunehmen und selbstbewusst zu benennen. Das griffen die Filme auf - mit „Mona Lisas Lächeln“, „Billy Elliot“ und „Die Suffragetten“ und verschiedenen Kurzfilmen  wurde dieses Thema facettenreich beleuchtet. Und die Teilnehmerinnen gingen dabei gleich auch auf eine Zeitreise in die Jahre 1912, 1953/1954 und 1984.

Ein Leben lang war ich brav, das kann ich jetzt nicht mehr

Menschen, die Stärke zeigen, haben auch Schwächen. Keine/r ist vollkommen - aus Schwäche kann Stärke erwachsen: So wie bei der jungen Wäscherin Maud, die von einer zufällig vorbeikommenden Passantin zu einer kämpferischen Suffragette im London des Jahres 1912 wird. „Ein Leben lang war ich brav, das kann ich jetzt nicht mehr“, sagt sie in dem Film „Die Suffragetten“. Sie erkennt die Ungerechtigkeiten gegen Frauen und geht in den Widerstand. Frauen wie ihr verdanken die heutigen Frauen ihre Rechte und Selbstständigkeit.

Eine Frau braucht mehr als eine Hochzeit

Ein anderes Filmbeispiel zeigt die junge Kunstprofessorin Katherine Watson im Film „Mona Lisas Lächeln“. Sie geht ihren Weg 1953 an einem renommierten Frauen-College in Neu-Ein England. Es kann doch nicht sein, dass eine Hochzeit wichtiger ist als eine gute Ausbildung, wie es selbst dort ganz selbstverständlich zu sein scheint. Durch ihre Professorin finden viele Studentinnen die Sicherheit, ihren eigenen Weg zu gehen.
Auch der Film „Billy Elliot“ aus dem Jahre 2006, der die Geschichte eines 11-Jährigen im englischen Kohlerevier erzählt, macht deutlich, dass man seiner Berufung über alle Widerstände hinweg folgen muss.

Vorbilder: Hildegard Burjahn und Mary Ward

Prinzip der Filmexerzitien ist es, in Gebeten, Meditationen und Andachten die grundlegenden Erkenntnisse aus den Gesprächen über die Filme eingebettet und vertieft. Dabei lernten die Teilnehmerinnen neben die katholische österreichische Sozialpolitikerin Hildegard Burjan, die 2012 selig gesprochen wurde, auch Mary Ward kennen. Sie gründete im 16. Jahrhundert den Orden der „Englischen Fräuleins“ (weiblicher Zweig des Jesuiten-Ordens) setzte sich bereits damals schon für die gerechte Stellung der Frauen in der Kirche ein.

Sprechmotette am Laacher See

Die Frage nach der „gerechten Teilhabe der Frauen in der Kirche“  kam aus aktuellem Anlass immer wieder in den Gesprächen auf und war auch Thema der Betrachtungen. So begangen die Frauen ihren Weg zur Meditation am Laacher See mit einer Sprechmotette, in der es unter anderem heißt:

„ ... Freiheit zulassen, Bewegung spüren, der Sehnsucht nachgehen …“ .

Der stille Prinz mit Märchenerzählerin Maria Zeyen

Ein Höhepunkt war auch die Begegnung mit der Hennefer Märchenerzählerin Maria Zeyen, die mit dem kanadischen Märchen „Der stille Prinz“ die Frauen nicht nur in spannende Welten führte, sondern die Teilnehmerinnen auch zu einem anderen Blick auf das Thema „Stärken und Schwächen“ einlud.

Zuversichtlich bleiben und sich nicht aus den Augen verlieren

18 kfd-Frauen waren in diesem Jahr der Einladung zu den Filmexerzitien gefolgt, die von von Lydia Wallraf-Klünter und Ursula Sänger-Strüder geleitet wurden. Sie hatten auch die Konzeption der Filmexerzitien mit Texten und Gebeten mit Unterstützung von kfd-Referentin Elisabeth Glotzbach entwickelt.

Die Teilnehmerinnen gingen gestärkt in ihren Alltag zurück, was auch in der Reflexion deutlich wurde. So heißt es in einer Rückmeldung zum Beispiel: „Zuversichtlich bleiben und sich die eigenen Ziele bewusst machen, um sich nicht aus den Augen zu verlieren“ oder eine andere Teilnehmerin schreibt: „Solche Auszeiten tun gut; sie wären vielen Frauen zu gönnen“.
Ursula Sänger-Strüder

Fotos: Ursula Sänger-Strüder/Lydia Wallraf-Klünter (Foto Laacher See)/Franziska Osten (Foto Filmhüllen)/Pixabay

Hinweis: Im Download-Bereich finden sich Besprechungen von den gezeigten Filmen.