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    Szene aus dem Märchen "Die wilden Schwäne" - gezeigt vom "Theater der Dämmerung".
    Szene aus dem Märchen "Die wilden Schwäne" - gezeigt vom "Theater der Dämmerung".
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    Hundert Frauen kamen zur FrauenFrühstücksZeit in die "Residenz am Dom".
    Hundert Frauen kamen zur FrauenFrühstücksZeit in die "Residenz am Dom".
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    Diskussion am "Frühstückstisch" - engagiert und freundlich.
    Diskussion am "Frühstückstisch" - engagiert und freundlich.
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    Zum Abschluss präsentierten die Frauen die Ergebnisse ihrer Überlegungen zum Thema.
    Zum Abschluss präsentierten die Frauen die Ergebnisse ihrer Überlegungen zum Thema.
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    Auf den Punkt gebracht: Die Kritik an den Strukturen der Kirche.
    Auf den Punkt gebracht: Die Kritik an den Strukturen der Kirche.

Es war einmal eine Bischöfin

Die FrauenFrühstücksZeit und die geschlechtergerechte Kirche der Zukunft

Köln, 25.1/27.1.2020 – Es war, als hielten alle den Atem an und es war vollkommen still im Saal, als Elisa wegen Hexerei zum Tode verurteilt wird. Hauptbelastungszeuge ist ein Bischof. Dabei will das arme Mädchen nur ihren Brüdern, die zu wilden Schwänen verzaubert wurden, Hemden aus Brennnesseln flechten, damit sie vom Zauber erlöst würden. Mit dem Märchen „Die wilden Schwäne“ von Hans Christian Andersen verzauberte das „Theater der Dämmerung“ das Publikum bei der FrauenFrühstücksZeit.


Märchen und Sagen gaben in diesem Jahr den Grundton für die beliebte Veranstaltungen an. Sie fand zum vierten Mal statt und erfreut sich immer mehr Zuspruch. Die Frauen sind fachlich interessiert und sie nutzen auch die Gelegenheit zum Austausch, wie Diözesanvorsitzende Elisabeth Bungartz sagt: „Wir haben hier die sehr gelungene Kombination von Frühstück und inhaltlicher Arbeit. Das kommt sehr gut an.“

Botschaften aus dem Unbewussten

So waren die Teilnehmerinnen vom atmosphärischen Spiel von Licht und Schatten des Figurentheaters völlig gebannt. Das Märchen geht natürlich – Gott sein Dank und wie es sich gehört – gut aus. Und es ist der inhaltliche Auftakt zu einer FrauenFrühstücksZeit, bei der es darum gehen soll, Wünsche und Forderungen für eine geschlechtergerechte Kirche einmal auf eine andere Art und Weise zu artikulieren und „Botschaften in dem Unbewussten auszuloten“, die man bisher nicht so wahrgenommen habe, wie  Elisabeth Bungartz bei der Begrüßung vor 100 Frauen sagte.

Wider Erwarten siegt das Richtige

Die  „Wilden Schwäne“ zeigte mit der Märchen eigenen Wucht Strukturen von Machtmissbrauch und menschliche Härte auf, dem das Gute begegnet und im letzten Moment wider alle Erwartungen sogar das Böse besiegt. Die Frauen konnten sich auf ungewohnte und deshalb wohl für sie auch sehr herausfordernde Art und Weise mit einem Thema beschäftigen, das schon in den letzten Jahren die kfd-Arbeit auf vielen Ebenen bestimmt hat.

Die Frauen wollen sich nicht mehr abspeisen lassen

Denn wenn auch die Forderung nach einer geschlechtergerechten Kirche in der kfd nicht neu ist, so zeigte sich an diesem Vormittag sehr deutlich, dass die Stimmung sich gedreht hat. Die Mehrheit der Teilnehmerinnen hat es satt, nicht als gleichberechtigt angesehen zu werden, sie will sich nicht mehr abspeisen lassen. Gleichzeitig ging es Frauen um konstruktive Kritik und ehrliche Auseinandersetzung. Das zeigte sich auch an den engagierten Gesprächen in den verschiedenen Arbeitsgruppen.

Bis heute und bis ans Lebensende

Die Frauen texteten in der Sprache der Märchen Ideen zum Thema „Von Bischöfinnen und Priesterinnen“. So heißt es etwa "Bisheute lebt diese Idee fort" oder "Die Bischöfin wird zum Vorbild für alle Machthabenden". Oder sie beschrieben in kurzen Gedichtchen, in Elfchen, ihre Gefühle angesichts einer Kirche, in der Frauen systematisch benachteiligt werden.

Da wurde den Frauen die Kirche gestohlen

Sie fanden bittere Worte wie in diesem Reim: „In einem Land voller Katholen, da wurden Frauen die Kirche gestohlen, wir dürfen nur niedere Dienste tun, unsere Charismen müssen ruhn …“ oder in dem Appell: „Weiblich zählt nicht für lange Zeit, das muss sich ändern, jetzt!

Bald sind alle Gläubigen weg

In den Arbeitsgruppen wurde aber auch deutlich wie versöhnlich und auch zukunftsorientiert viele Frauen denken. Ursula Schmitz aus Brühl meinte auch: „Lasst uns uns nicht in der Kritik an der Kirche verlieren, sondern lasst uns mit positiven Beispielen nach vorne schauen.“   Und Hannelore Michels aus Köln sieht es auch ganz pragmatisch: „Wir können nicht erst in 100 Jahren mit der Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche anfangen, sondern sofort, sonst sind die Kirchen irgendwann leer und die Gläubigen laufen uns davon.“ Und Petra Mauren-Wieser weist auf einen wunden Punkt hin: „Auch jüngere Frauen müssen für Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche kämpfen, es reicht nicht, wenn allein die älteren Frauen das tun.“

Der kfd-Diözesanverband unterstützt seine Mitglieder darin, dies zu tun. Die nächste ist das monatliche Montagsgebet vor Groß St. Martin am 3. Februar. (kfd-Diözesanverband Köln)

Fotos: Jörg Brocks