Equal Pay Day 2020

Keiner schiebt uns weg: Der Kampf um gerechten Lohn

Köln, 16.3.2020 – „Keiner schiebt uns weg“ – unter diesem Motto hat in diesem Jahr das katholische Aktionsbündnis Equal Pay Day an die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern erinnert. Beim Filmabend am 12. März mit der gleichnamigen Sozialkomödie wurden die Ursachen der Lohnlücke (Gender Pay Gap) diskutiert, die Frauen hinnehmen müssen nur weil sie Frauen sind. So müssen Frauen in diesem Jahr 77 Tage umsonst arbeiten, erst ab dem 17. März schließt sich diese Lücke.


 

2020 beträgt der Lohnunterschied unter´m Strich 20 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Danach verdienen Frauen durchschnittlich 17,72 brutto die Stunde, Männer hingegen 22,16 Euro. Das ist ein Unterschied von 4,44 Euro. Die ungleiche Bezahlung von gleichwertiger Arbeit hat viele Ursachen, darunter die mit traditionellen Rollenzuschreibungen verknüpfte geringere Wertschätzung von Berufen, in denen Frauen häufiger arbeiten als Männer: Dazu zählen Pflege- und Erziehungsberufe, aber auch Handwerksberufe wie die der Friseurin oder Schneiderin. Auch die unterbrochenen Erwerbsbiografien von Frauen, die bis heute die Hauptsorge für Kinder und alte Menschen übernehmen, und deshalb nicht in höhere Gehaltsstufen und die Karriereleiter hinauf gelangen, tragen dazu bei.

Drei Instanzen bis zur Gerechtigkeit

Der ARD-Film „Keiner schiebt uns weg“ von 2018 schildert die Geschichte der bahnbrechenden Lohnverhandlungen von Mitarbeiterinnen des Fotolaborbetriebes Heinze in Gelsenkirchen. Sie mussten durch drei Instanzen gehen, bevor sie 1981 vor dem Bundesarbeitsgericht in Kassel die gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen erstritten hatten. Bis heute gilt dieser Prozess und die damit verbundene breite Solidarisierung weit über Gelsenkirchen hinaus als wegweisend für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Beruf.

Marianne Kaiser unterstützte als Gewerkschafterin

Eingeladen war auch Marianne Kaiser, die als politische Weiterbildnerin und Gewerkschafterin diesen Kampf um gleichen Lohn unterstützte. Bis heute erhält sie Anfragen zum Kampf der Heinze-Frauen. Sie musste ihre Teilnahmen allerdings wegen des Corona-Virus absagen. Im Vorgespräch zur Veranstaltung hatte sie gesagt, sie sei immer noch „informiert und engagiert, was die Entwicklung der Rechte der Frauen angeht, auch deshalb, weil der Kampf noch lange nicht gewonnen ist.“
Sabine Schleiden-Hecking

Hintergrund
Seit Jahren schließen sich mehrere katholische Verbände im Erzbistum Köln zu einem Aktionsbündnis zum Equal Pay Day zusammen. Dazu gehören die Diözesanverbände der kfd, des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ), der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), des Katholische Deutschen Frauenbund (KDFB) und des ZKD, des Zentralverbandes der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen der katholischen Kirche Deutschlands.

Interview mit kfd-Referentin Astrid Mönnikes im Domradio

Allgemeine Informationen zum Equal Pay Day/Gender Pay Gap

Der Equal Pay Day im kfd-Diözesanverband in den vergangenen Jahren

In den vergangenen Jahren hat es zahlreiche Aktionen und Initiativen dieser Verbände zum Equal Pay Day gegeben, so zum Beispiel 2019 die große Foto-Online-Aktion,
eine Podiumsdiskussion 2018
oder die große Fotoausstellung "Was ist meine Arbeit w€rt?"

Fotos: Jörg Brocks