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    Schön ist es im Urlaub! Teilnehmerinnen der Ferienfreizeit in Bad Driburg.
    Schön ist es im Urlaub! Teilnehmerinnen der Ferienfreizeit in Bad Driburg.
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    Eine Gruppe, die sich gefunden hat.
    Eine Gruppe, die sich gefunden hat.
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    Wie klappt man noch mal die Rollatoren zusammen? Reiseleiterinnen Heidi Sommer (li) und Annegret Wetter müssen sich öfter mal in neue Themengebiete eindenken.
    Wie klappt man noch mal die Rollatoren zusammen? Reiseleiterinnen Heidi Sommer (li) und Annegret Wetter müssen sich öfter mal in neue Themengebiete eindenken.
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    Schöner Blütenregen im Gräflichen Park in Bad Driburg.
    Schöner Blütenregen im Gräflichen Park in Bad Driburg.
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    Kulturgenuss pur: Die herrliche Barockorgel in der Abteikirche Corvey.
    Kulturgenuss pur: Die herrliche Barockorgel in der Abteikirche Corvey.

Ein Zeichen gegen Altersarmut

Ferientage in Bad Driburg für kfd-Mitglieder

29.4.2015 Endlich einmal Urlaub machen: Das wollte der kfd-Diözesanverband älteren kfd-Mitgliedern ermöglichen, deren Rente so klein ist, dass sie sonst vom Verreisen nur träumen können. Diesen Traum kann nun der Diözesanverband einigen von ihnen erfüllen. Zwei Ferienfahrten werden in diesem Jahr aus Spenden für den Marie-Theres von Schorlemer-Fonds finanziert. Ende April fuhren die ersten 14 Frauen mit den beiden ehrenamtlichen Reiseleiterinnen Annegret Wetter und Heidi Sommer nach Bad Driburg im Teutoburger Wald. 


Es könnte nicht besser sein

Gerne erzählen die Teilnehmerinnen, wie es ihnen geht: „Wir werden hier sehr verwöhnt, von vorne bis hinten – in einem 5-Sterne-Haus könnte es nicht besser sein,“ schwärmt Hedwig Füchtener aus Kerpen von ihrer Unterkunft in Bad Driburg, einem kleinen freundlichen Familienhotel. „Da können wir der kfd nur dankbar sein!“


Beim Reisesegen war klar: Das wird schön

Helga Euskirchen aus Köln hat vor der Reise extra um gute Gemeinschaft gebetet: „Und von Anfang an, als wir den Reisesegen bekommen haben, wusste ich, dass das klappen würde.“ Diesen hatte ihnen die Diözesanvorsitzende Lydia Wallraf-Klünter, die auch Geistliche Begleiterin im Dekanat Erftstadt ist, vor der Abfahrt der Gruppe nach Bad Driburg gegeben.

Sie sind oder waren in der kfd aktiv

Hedwig Füchtener und Helga Euskirchen sind glücklich in Bad Driburg, sie genießen die 10-tägige Reise und mit ihnen auch die anderen Teilnehmerinnen, die meisten von ihnen einmal aktiv in ihrer Pfarrgruppe als Mitarbeiterin oder im Vorstand. Manche sind immer noch für die kfd unterwegs. Die älteste wird bald 88 Jahre sein, die jüngste ist Ende 60.

Projekt ist uneingeschränkt besonders

„Ja, es ist schon bald nicht mehr zum Aushalten, so schön ist es,“ lacht Annegret Wetter, als sie aus ihrer Perspektive von der Reise berichtet. Sie ist ebenfalls längst in Rente und seit einigen Jahren Geistliche Begleiterin der kfd im Dekanat Siegburg-Lohmar. Wetter ist davon überzeugt, dass der kfd-Diözesanverband mit diesem Angebot „etwas uneingeschränkt Besonderes“ bietet.

Altersarmut wird sonst gerne übersehen

Der Verband setze mit diesem Projekt ein Zeichen, denn das Thema sei ja im Grunde nicht „salonfähig“, wie sie meint. Altersarmut besonders von Frauen werde nur zu gerne übersehen. Die betroffenen kfd-Mitglieder erführen hier durch ihren Verband, der sich seit Jahrzehnten für eine eigenständige Alterssicherung von Frauen einsetze, ganz praktische Solidarität. Ein Thema, mit dem sie sich bereits seit Ende der 70-er-Jahre als hauptamtliche Referentin beim kfd-Bundesverband in Düsseldorf intensiv beschäftigt hatte.

Die Basis ist die gemeinsame Situation

Heidi Sommer, früher Pfarrvorsitzende von der kfd St. Kilian in Erftstadt-Lechenich und heute noch aktiv im Dekanatsvorstand, erlebt die Gemeinschaft der Frauen als Glücksfall. „Die Basis ist die gemeinsame Situation“, meint die zweite ehrenamtliche Reiseleiterin. „Uns standen ja die Haare zu Berge, als wir manche Geschichten hörten – wie die Frauen ihren letzten Pfennig hergeben müssen, um die Pflege eines Angehörigen bezahlen zu können und ihnen selbst kaum noch etwas bleibt,“ ergänzt Annegret Wetter.

Auszeichnung und Anerkennung

„Die Frauen empfinden es als Auszeichnung und Anerkennung, dass sie mitfahren können und fühlen sich wertgeschätzt,“ so sieht es auch Heidi Sommer.“ So freuten sie sich auch, als sie beim Sonntagsgottesdienst in Sankt Peter und Paul von Pfarrer Kaplan als extra „Projektgruppe Altersarmut vom kfd-Diözesanverband“ begrüßt wurden und so gleich ein wenig Werbung fürs Thema machten. Dafür ernteten sie anerkennendes und erfreutes Nicken von anderen Gottesdienstbesucherinnen, wie sie erzählen.

Gemeinsam, aber auch alleine

Morgens und abends kommen alle für einen kurzen spirituellen Impuls zusammen, auch gegessen wird gemeinsam. Ansonsten aber gilt: „Das Programm sind wir“, erklärt Wetter. Wichtig sei erst einmal gewesen, dass die Frauen zueinander finden konnten. Und jede Teilnehmerin ist frei, ihren Urlaub so zu gestalten, wie sie es möchte. Gerne aber nehmen alle auch Angebote an wie zum Beispiel zur Abtei Corvey zu fahren, eine Pralinenfabrik zu besichtigen, gemeinsam durch den Gräflichen Park von Bad Driburg zu spazieren oder ein Kurkonzert anzuhören.

Das Zuhause ist im Moment nicht so wichtig

Die Abwechslung ist so groß, dass eine Teilnehmerin meint: „Ich habe ehrlich gesagt, die ganze Woche noch nicht an zuhause gedacht. Das ist wirklich Erholung pur hier!“ Der rührende Grund dafür, warum sie nicht mit Namen im Bericht erscheinen will: Ihre Familie soll doch bitte nicht denken, sie habe sie vergessen.

Altersarmut ist leider sehr konkret

Dem kfd-Diözesanvorstand ist es ein besonderes Anliegen zu zeigen, dass „Altersarmut von Frauen“ sehr konkret ist oder nicht nur ein Thema ist, über das man hin und wieder missbilligend den Kopf schüttelt. Es soll vielmehr in bester kfd-Tradition dem Menschen direkt in seiner Situation geholfen werden: „Frauen für Frauen“.

Von 400 Euro Rente kann man sich nichts leisten

Er sieht sich durch die neuesten Statistiken zum Thema bestätigt. Nach der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ sind vor allem westdeutsche Frauen im Alter arm. Renten von knapp 400 Euro sind keine Seltenheit. Das belegen auch die Anmeldungen für die beiden Ferienfreizeiten. Davon einem Enkelkind ein Taschengeld zustecken oder sich einen Urlaub zu leisten ist unmöglich. Noch schlimmer: Besondere medizinische Leistungen oder besondere Medikamente können nicht bezahlt werden.

Schon Freizeiten für 2016 geplant

Eine zweite Freizeit für solche kfd-Mitglieder, die mit einer sehr geringen Rente über die Runden kommen müssen, ist schon fest im Herbst auf der Insel Norderney gebucht. Alle Plätze sind schon belegt. Die gute Nachricht ist außerdem: Auch 2016 soll es wieder Freizeiten geben, finanziert aus dem Marie-Theres von Schorlemer-Fonds. Dieser geht auf eine Initiative der kfd-Geschäftsführerin Ursula Sänger-Strüder zurück anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der kfd-Oktoberkollekte zurück.

Finanziert aus dem Marie-Theres von Schorlemer-Fonds

Seitdem sammeln kfd-Gruppen für diesen Zweck. 2014 sind allein 11.000 Euro zusammengekommen. Der Fonds ist übrigens nach einer ehemaligen, inzwischen verstorbenen Referentin benannt, die bis ins hohe Alter von 80 Jahren Bildungskurse geleitet hat, zum Beispiel die ersten Großmütter-Enkelkinder-Wochen. Marie-Theres von Schorlemer hat das gerne gemacht, aber sie hat es auch gemacht, weil ihre Rente nicht für den Lebensunterhalt ausgereicht hat. Sie wusste also stets klar, worüber sie sprach und hätte diese Initiative großartig gefunden", ist sich Sänger-Strüder sicher: „Sie begleitet uns jetzt vom Himmel aus.“

Sabine Schleiden-Hecking

Fotos: Kathrin Becker

Hinweis: Arm im Alter werden auch viele Millionen von den heute 50-60-Jährigen sein. Davon berichtet ein Film von Frau TV, in dem die ehemalige kfd-Mitarbeiterin Anne Merkenich von ihrer ganz persönlichen Situation berichtet. Die DVD kann in der Geschäftsstelle gegen eine kleine Gebühr erworben werden.