Das ist auch meine Kirche

Frauen gehen den Synodalen Weg mit: für die Gleichberechtigung von Frauen

Köln, 11.2.2020 – Am 8. März wird ein Sternmarsch zum Kölner Dom klar zeigen: Die Bewegung der Frauen für eine Öffnung aller Ämter der Kirche für Frauen ist international und die Frauen solidarisieren sich über Ländergrenzen. Und auch der kfd-Diözesanverband Köln lädt dazu ein. Zur gleichen Zeit werden Frauen auch in Sydney oder Zürich und in anderen Ländern auf die Straße gehen. In Deutschland wird es Sternmärsche in Limburg, Münster und München geben.


Diese Entwicklung hat in Deutschland die kfd nachhaltig mitbefördert. Sie hat bundesweit seit Herbst 2019 mehr als 100.000 Unterschriften für die Öffnung aller Weiheämter für Frauen gesammelt. Sie sollen am 2. März zu Beginn der Frühjahrskonferenz der Deutschen Bischofskonferenz übergeben werden. Auch am Synodalen Weg, bei dem erstmals in so umfassender Weise die Stellung der Frauen in der Kirche diskutiert wird, ist die kfd mit vier Vertreterinnen beteiligt.

Viele Unterschriften kamen aus dem Diözesanverband Köln

Beträchtlichen Anteil am Erfolg der Unterschriftenaktion haben auch die kfd-Mitglieder aus dem Diözesanverband Köln. Viele Gruppen organisierten eigene Veranstaltungen, um möglichst viele Unterschriften zu sammeln. Einen großen Aufschwung erhielt die Aktion letztes Jahr mit der kfd-Aktionswoche, die immer Ende September stattfindet und dieses Mal unter dem Motto "Macht Euch stark für eine geschlechtergerechte Kirche“ stand.

Beten und protestieren

Der Diözesanverband Köln hatte sich am 23. September mit einer zentralen Aktion vor dem Kölner Dom beteiligt und dort das „besondere Montagsgebet“ abgehalten. Vorausgegangen war ein Protest-Pilgerzug durch die Kölner Altstadt. Anfang Dezember schließlich versammelten sich mehrere hundert Frauen zu einer Lichterprozession zum Maternushaus nach der traditionellen Jahresabschlussmesse in St. Mariä Himmelfahrt.

Wir sind stolz auf das Erreichte

In den Nachrichten an die Geschäftsstelle, in vielen Telefonaten und Gesprächen wurde zweierlei deutlich: Die Frauen sind stolz darauf, dass sie so viele Menschen mit ihren Aktionen überzeugen konnten. Und: Sie hoffen darauf, dass die Verantwortlichen in der Kirche ihr Zeichen verstanden: Frauen wollen und sollen gleich und berechtigt in der katholischen Kirche sein.

Kirchentüre blieb verschlossen

So hat die kfd St. Joseph aus Morsbach-Lichtenberg ganz klar Stellung bezogen. Elf Frauen dieser kfd pilgerten am 23. September mit zum Kölner Dom. Sie schlossen sich aber auch der Bewegung Maria 2.0 an. Denn aus ihrer Sicht passen Maria 2.0 und die kfd „sehr gut zusammen“, findet Teamsprecherin Christine Zimmermann. Protestieren und beten in Köln mit der kfd einerseits, die Kirchentüre der Pfarrkirche von dienstags bis freitags für vier Tage verschließen als Zeichen der Solidarität mit Maria 2.0 andererseits.

Das ist unser Weg

Frauen aus dieser kfd beteiligen sich seit Jahren ehrenamtlich an einem Schließdienst für St. Joseph. Die Kirchentüre blieb vier Tage lang geschlossen als Zeichen dafür, dass Frauen in den Ämtern und bei wichtigen Entscheidungen „außen vor“ sind. „Wir werden uns auch in Zukunft für eine Erneuerung unserer Kirche stark machen, es ist unser Weg, wir gehen ihn, wenn er auch noch so steinig ist. Und wir kommen voran“, da ist Christine Zimmermann zuversichtlich.

Aufbauen, nicht spalten

Hier steht sie nicht alleine – denn bei der Rückschau auf die vergangenen Monate wird sehr deutlich: Die Frauen wollen aufbauend, nicht spaltend, wirken. Sie glauben an die Veränderung wie auch Gertrud Geraedts von der kfd Herz Jesu Schildgen, Bergisch Gladbach, „… an die Kraft des Gebetes.“ Das schrieb sie nach einer WortgottesFeier zum Thema „Jesus und die Frauen“ an den Diözesanvorstand. Als Messdienerinnen tragen Frauen dieser kfd das Purpurkreuz an den Gewändern als Zeichen für eine geschlechtergerechte Kirche.

Purpurkreuz solidarisiert

Das Purpurkreuz. Wie oft hat Diözesanvorsitzenden Elisabeth Bungartz diese Frage in den vergangenen Monaten gehört: „Hast du noch ein Kreuzchen für mich?“. Sie hatte und hat, natürlich. „Die kfd setzt sich schon seit langem dafür ein, dass Frauen auch zu Weiheämtern zugelassen werden, aber im letzten Jahr war deutlich zu spüren, dass die Frauen sich mehr und mehr solidarisieren und auch die alten Argumente gegen eine gleichberechtigte Beteiligung nicht mehr hören wollen“, blickt Bungartz auf die letzten Monate zurück.

Viele bauen auf die kfd

Sie leistete wie ihre Vorstandskolleginnen aber auch viel Überzeugungsarbeit – so wie viele einzelne kfd-Frauen in den Gruppen. Sie alle wollen sich nicht von der Kirche abwenden und sie sorgen sich, denn der Auszug der Frauen aus der Kirche hat längst begonnen. Inzwischen aber ist sie sich sicher: „Die Mehrheit unserer Mitglieder steht hinter uns und viele bauen auch auf uns als kfd“.

Schwerpunkt in der Arbeit

Das monatliche Montagsgebet, die Jahresabschlussmesse mit der Lichterprozession haben in der Arbeit des Diözesanverbandes einen deutlichen Schwerpunkt gesetzt. Mehr und mehr waren auch die kfd-Gruppen vor Ort bereit, deutlich Position zu beziehen. Mit viel Phantasie setzen sie die Forderung nach einer geschlechtergerechten Kirche in Aktionen um. Und erhalten dabei auch von anderer Seite Hilfe.

Grün für „Ja“

Unterstützt von einer Ehrenamtskoordinatorin haben die kfd St. Johannes der Täufer, Erkrath und die kfd St. Mariä Himmelfahrt in Düsseldorf-Unterbach/Unterfeldhaus mehrere Aktionen durchgeführt. Zum Bespiel nach den Sonntagsgottesdiensten die Gläubigen nach ihrer Meinung zu einer geschlechtergerechten Kirche befragt. Das Ergebnis war eindeutig. Die Mehrheit stimmte mit „grün“ für „Ja“. Ja für eine geschlechtergerechte Kirche.

Unterschriften und Purpurkreuze vor dem Supermarkt

Die Unterschriften selbst wurden an ganz unterschiedlichen Orten gesammelt. Das konnte ein Supermarkt in Leverkusen-Hitdorf sein, wo die Frauen der örtlichen kfd auf viel Interesse stießen und die wie ihre Teamsprecherin Birgit Sürth schreibt „auch viel Spaß hatten.“ Auch die kfd Niederkassel-Mondorf sammelte mit viel Erfolg Unterschriften vor dem Supermarkt. Teamsprecherin Regine Alder hatte am Werkstatt-Tag zur Aktionswoche in Köln teilgenommen und Ideen zur Umsetzung mitgenommen. Sie versicherte sich der Unterstützung der Geschäftsführung des Supermarktes, wie sie Diözesanvorsitzende Elisabeth Bungartz berichtete und die Frauen warben an einem Samstagmorgen mit den Materialien aus dem Aktionspaket, besonders mit den Purpurkreuzen. Sie erhielten viel Zustimmung und kaum jemand äußerte sich negativ.

Installation „Ohne Titel“ mit vielen Schuhen

Die Installation „Ohne Titel“ der kfd St. Josef, Langenfeld, gab tatsächlich nicht allzu viele Rätsel auf, war aber Anlass für viele Gespräche. Hier führten Tücher, auf denen viele Schuhe standen, aus der Kirche hinaus. Zusätzlich gab es beim Markttag einen langen weißgedeckten Abendmahlstisch, an dem sich 20 Gäste niederließen, um zu diskutieren. Die stolze Bilanz bereits Anfang Oktober: Man hatte 570 Unterschriften gesammelt, 330 auf der Straße, andere bei anderen Veranstaltungen der Gemeinde. Ein kfd-Mitglied allein konnte 90 Unterschriften vorweisen.

Viele WortgottesFeiern

Auch versammelten sich viele Frauen bei öffentlichen, besonders gestalteten WortgottesFeiern, so wie in Köln-Widdersdorf , St. Peter und Paul in Ratingen, der kfd St. Joseph, Ronsdorf oder der kfd St. Sebastian in Solingen, die eine Wanderung zum Walder Stadtpark machte, die mit einer Andacht endete. Und bei der Adventsandacht der kfd St. Marien und St. Servatius in Bonn-Bad Godesberg wurden die Purpurkreuze  als Zeichen der Solidarität und Unterstützung an die Gläubigen verteilt, wie ihre Teamsprecherin Gabriele Hannes berichtete.

Warum ich mich in der Kirche engagiere

Bei der kfd und Pfarrgemeinde St. Sebastian in Solingen gab es unter dem Motto „Frauen, worauf wartet ihr“ auch ein Podiumsgespräch , bei dem Frauen erzählen, warum sie sich in der Kirche engagieren. Eingeladen wurde mit den folgenden Worten: „Vielleicht geht es Ihnen auch so, dass Sie sich immer mal wieder fragen: Passt die katholische Kirche eigentlich (noch) zu mir? Sie besticht ja nicht gerade durch Aufgeschlossenheit oder die Umsetzung der Gleichberechtigung von Mann und Frau … Und dennoch gibt es gute Gründe, um genau hier eine Heimat zu finden und sich zu engagieren.“

Gestalten in Gottes Geistkraft

Und das ist eine Haltung, die allen Aktiven gemeinsam ist: Es geht um gemeinsame Veränderung und aufbauende Kritik. Wie heißt es im Montagsgebet? „Gott, Du schenkst uns Vollmacht, Zukunft zu gestalten in deiner Geistkraft.“
Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken haben nun mit dem sogenannten Synodalen Weg begonnen, auf dem viele Hoffnungen ruhen. Die Lichterandacht der kfd vor dem Kaiserdom in Frankfurt am 30. Januar war der sichtbare Ausdruck dafür, was die kfd erwartet. Vier Vertreterinnen des Verbandes nehmen an den Beratungen teil, die in ihren Augen hoffnungsvoll begonnen haben. Auch deshalb, weil sich offenbar viele fortschrittlich gestimmte Frauen auch die Gelegenheit wahrgenommen hat in der vorherigen Online-Befragung ein Gegengewicht zu den sehr gut organisierten fundamentalistisch orientierten Stimmen zu setzen und so zeigten, was ihnen wichtig ist am Synodalen Weg.

International sind sich die Frauen einig

Nur kurz danach gingen katholische deutschsprachige Frauenverbände wie die kfd oder der KDFB aus Deutschland, der Schweiz und Südtirol mit einem gemeinsamen Positionspapier „bleiben und erneuern!“ an die Öffentlichkeit. Und im Erzbistum Köln verbinden sich ebenfalls die verschiedenen Bewegungen für eine Erneuerung der Kirche und beteiligen sich an internationalen Aktionstagen.

Sternmarsch am Weltfrauentag

So wie am 8. März: „Wir sind die Veränderung“ – das ist das Motto des Sternmarsches am Weltfrauentag. Veranstalterinnen in Köln sind Maria 2.0 St. Agnes und der Katholischen Deutsche Frauenbund im Erzbistum Köln. Der kfd-Diözesanverband Köln unterstützt sie und lädt alle Mitglieder ein, sich bis 11:45 Uhr vor Groß St. Martin zu versammeln und betend und singend zum Kölner Dom zu ziehen.
Sabine Schleiden-Hecking

Fotos: Hubert Baum, Jörg Brocks, Ursula Guss, Monika Kleinefenn, Renate Krings, Franziska Osten, Barbara Rottenberger, Angelika Stehle, privat