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    Hanife Tosun vom Verein "Interkultureller Dialog" sprach eines von vier Friedensgebeten. Hinter ihr steht Malin Kundi von der liberalen jüdischen Gemeinde.
    Hanife Tosun vom Verein "Interkultureller Dialog" sprach eines von vier Friedensgebeten. Hinter ihr steht Malin Kundi von der liberalen jüdischen Gemeinde.
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    Autor Ulrich Harbecke gab Einblicke in seine Recherchen für das Buch "Das Kölner Buch der Religionen".
    Autor Ulrich Harbecke gab Einblicke in seine Recherchen für das Buch "Das Kölner Buch der Religionen".
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    Die Teilnehmerinnen stärkten sich mit einem leckeren Frühstück.
    Die Teilnehmerinnen stärkten sich mit einem leckeren Frühstück.
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    Die stellvertretende Diözesanvorsitzende Elisabeth Schmitz-Janßen (re) begrüßte die Gäste, ihre Vorstandskollegin Hildegard Leven lud zur Schweigeminute für die Opfer des Mordanschlags in Halle ein.
    Die stellvertretende Diözesanvorsitzende Elisabeth Schmitz-Janßen (re) begrüßte die Gäste, ihre Vorstandskollegin Hildegard Leven lud zur Schweigeminute für die Opfer des Mordanschlags in Halle ein.
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    Das Chorensemble V.I.P. sang unter der Leitung von Ekaterina Margolin jüdische Lieder aus aller Welt.
    Das Chorensemble V.I.P. sang unter der Leitung von Ekaterina Margolin jüdische Lieder aus aller Welt.
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    Rund 100 Gäste waren beim interreligiösen Frühstück dabei.
    Rund 100 Gäste waren beim interreligiösen Frühstück dabei.
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    Beim Podiumsgespräch gaben die Vertreterinnen der verschiedenen Religionen sehr persönliche Antworten auf die Antworten von Moderator Ulrich Harbecke.
    Beim Podiumsgespräch gaben die Vertreterinnen der verschiedenen Religionen sehr persönliche Antworten auf die Antworten von Moderator Ulrich Harbecke.
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    Es gab auch Fragen für das Gespräch am Frühstückstisch.
    Es gab auch Fragen für das Gespräch am Frühstückstisch.

Das Geheimnis Gottes wird größer

Religionen in Köln im Mittelpunkt des interreligiösen Frühstückes

Köln, 12.10./15.10.2019 – Mit einer Schweigeminute begann das interreligiöse Frühstück. Sie galt den Opfern des antisemitischen Mordanschlags in Halle am 9. Oktober und allen, die ihn miterleben mussten. So erhielt die Veranstaltung fast unvermittelt eine besondere Bedeutung und wurde auch zur Mahnung für mehr religiöse Toleranz. Unterstrichen wurde dies gleich zu Anfang auch durch vier verschiedene Friedensgebete, die von den Vertreterinnen verschiedener Religionen vorgetragen wurden. Denn das Thema dieses Mal war: „Religiöse Gemeinschaften in unserer Nachbarschaft“.


 

Mittel- und Ausgangspunkt war dabei der Bericht des Journalisten und Moderators Ulrich Harbecke über seine Recherche zu seinem „Das Kölner Buch der Religionen“. Darin präsentiert er den enormen Schatz der gelebten religiösen Vielfalt in einer Großstadt wie Köln.

Entdeckungsreise zu Religionen in Köln

Vor rund hundert Gästen berichtete er von Erlebnissen als „Kundschafter“ und teils kuriosen Entdeckungen auf seiner Reise durch Köln zu den vielen Religionen und Religionsgemeinschaften in der Stadt. So weiß er seither, dass im Rhein bei Rodenkirchen drei hinduistische Gottheiten liegen, die bei einem Einbruch im Kölner Tempel beschädigt wurden. Die Tradition hätte es verlangt, sie in den indischen Fluss Ganges zu überführen – in Köln wurde diese andere Lösung gefunden, auch ein Zeichen für die schöne Beheimatung des Kultes weit weg vom Ursprungsland.

Niemand hat die Wahrheit

Was er kaum fand, waren Konflikte zwischen den Religionen, wie er sagte – eher im Gegenteil. Ein hinduistischer Tempel in Köln-Rath ist Gebets- und Andachtsort für Hindus und Sikhs – zwei Religionsgemeinschaften, die im Ursprungsland Indien oft heftig und gewaltvoll aufeinandertreffen. Er antworte, so Harbecke, auf die Frage, die ihm häufig nach Vorträgen gestellt werde „Wer hat denn nun Recht?“ mit einem Zitat von Kurt Tucholsky: „Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat.“ Und was ist sein Resümee als Kundschafter zu den Religionen? „Das Geheimnis Gottes wird größer, wenn man sich ihm nähert.“

Vier Religionen vertreten

Zum interreligiösen Frühstück waren neben den kfd-Mitgliedern auch Vertreterinnen der liberalen jüdischen Gemeinde Kölns, der Bahá`i-Gemeinde Kölns und des muslimischen Vereins „Interkultureller Dialog“ gekommen. Und das Kölner Chorensemble „Voices in Peace“, das jüdische Musik aus aller Welt sang und mit seinem fröhlichen musikalischen Schwung die Teilnehmerinnen im großen Saal der Residenz am Dom sichtlich mitzog.

Was uns eint und stärkt

Bei einem Podiumsgespräch mit Ulrich Harbecke berichteten Malin Kundi, Sabine Kamp, Hanife Tosun, Ingeborg Behjat und Nawal Obst von ihren religiösen Überzeugungen. Und erzählten von Momenten, in denen sie Gott als Macht spüren, die eint und stärkt. So wie zum Beispiel die Muslima Hanife Tosun von einer Entdeckung berichtete, die sie als Studentin machte. Auch damals hielt sie sich schon an die fünf muslimischen Gebetszeiten.

Eine Nonne und eine Muslima

Zu dieser Zeit begegnete sie einer Nonne, die ihr von ihrem Ordensleben und den strengen Gebetszeiten erzählte, was sie tief beeindruckte. Und bis heute spürt sie beim Gebet die Verbindung zu der Nonne, die ihr damals davon erzählte. Oder Nawal Obst von der kfd: Sie berichtete von dem Jubel, dem Glück und der Freude, die sie am Weltgebetstag spürt. Denn sie weiß, „So viele machen mit.“

Gut die Kombination Gemeinschaft und Weiterbildung

Die Teilnehmerinnen am Frühstück waren aus ganz verschiedenen Gründen gekommen. Christine Aldick aus Honnef nimmt solche Angebote gerne wahr, weil sie die Kombination aus Gemeinschaft und Weiterbildung schätzt. Wiebke Groote de Fonque aus Köln meldete sich kurzfristig ganz spontan an, als sie davon auf Facebook las, denn sie interessiert sich einfach für den interreligiösen Dialog. Gertrud Plum von der kfd St. Bruno in Köln-Plettenberg genießt gerne immer wieder die „kfd-Atmosphäre.“ Bei einem Frühstück dieser Art,  war sie zum ersten Mal. Aber sie wusste ja aus Erfahrung mit kfd-Veranstaltungen, dass „man Frauen trifft, die ähnlich denken.“

Der interreligiöse Dialog ist für die kfd wichtig

Durch all diese Berichte und Rückmeldungen erfüllte sich wohl auch das Ziel der Einladung des Diözesanverbandes zum interreligiösen Frühstück. Die stellvertretende Diözesanvorsitzende Elisabeth Schmitz-Janßen beschrieb es zur Begrüßung so: „Der Austausch mit allen Religionen ist uns ein großes Anliegen. Wir wünschen uns, dass der interreligiöse Dialog unter uns Frauen der kfd einen weiteren Anstoß erhält – und alle noch einmal besonders motiviert, sich an diesem Dialog zu beteiligen.“

Nicht nachlassen beim Respekt

Und mit Hinweis auf den geplanten Massenmord in der jüdischen Synagoge in Halle sagte sie weiter: „Die Ereignisse in Halle machen uns sprachlos – fordern uns aber noch einmal mehr heraus, in unseren Bemühungen um ein respektvolles Miteinander in unserer Gesellschaft nicht nachzulassen.“

Wie geht das interreligiöse Gespräch weiter?

Und was sind Zukunftsvisionen, was kann das interreligiöse Gespräch befeuern?, fragte Ulrich Harbecke die Podiumsteilnehmerinnen: Ingeborg Behjat von den Bahái´i wünscht, dass gemäß der Überzeugung ihrer Religion die Geistkraft der Menschen gestärkt wird, die das Miteinander der Menschen über konfessionelle Grenzen hinaus möglich macht.

Mehr Zivilcourage bitte

Malin Kundi von der jüdischen Gemeinde träumt von mehr Toleranz. Mehr Menschen sollten zu der Erkenntnis gelangen, dass der Zugang zur Weisheit für jeden anders sein kann. Als jüdische Gemeinde wären sie immer offen für die Begegnung mit anderen Religionen. Architektin Hanife Tosun wünscht sich echte Begegnungsstätten, in denen sich die verschiedenen Religionen begegnen müssen und Nawal Obst möchte, dass nach den Gemeinsamkeiten gesucht wird, die verbinden können und mehr Zivilcourage gezeigt wird. Der Applaus für die Frauen auf dem Podium war groß.
Sabine Schleiden-Hecking

Fotos: Jörg Brocks