Bibliolog: Tritt ein!

Zwischen den Zeilen lesen oder vom schwarzen und weißen Feuer

Köln, 14.4.2019 – „Ich bin ganz berührt von diesem Tag ", „Bibliolog ist immer klasse“: Das sind nur zwei Stimmen von Teilnehmerinnen zum ersten Schnuppertag „Bibliolog“, zu dem der Diözesanverband eingeladen hatte.  Angeleitet und begleitet wurde der Tag „Weil jede etwas zu sagen hat – eintreten in biblische Räum“ im Kölner Maternushaus von Dorothee Kleele-Hartl aus Kaufbeuren. Die Gemeindereferentin und Religionslehrerin hat sich auf den Bibliolog spezialisiert.


Mit einem Bibliolog wird die Bibel lebendig – wer sich darauf einlässt, kann in die Welt des Alten und Neuen Testaments eintauchen und die eigene Lebensgeschichte mit der Vielfalt der biblischen Geschichten verweben.

Das schwarze und weiße Feuer lesen lernen

Diese Methode geht auf den jüdischen Nordamerikaner Peter Pitzele zurück, der sie gemeinsam mit seiner christlichen Frau Susan entwickelt hat. Sie ist angelehnt an den Midrasch (das ist die Auslegung religiöser Texte im rabbinischen Judentum), die bis in die heutige Zeit Bedeutung hat. Hier werden die Texte der Tora, die zur hebräischen Bibel gehört, interpretiert, in dem ihre Lücken kreativ ausgefüllt werden. Hierzu wird auch das Bild vom „schwarzen und weißen Feuer“ genutzt: „Schwarzes“ und „weißes“ Feuer wird in der rabbinischen Hermeneutik (Textauslegung) so definiert, dass das schwarze Feuer den Buchstabengehalt der biblischen Texte betrachtet und das weiße Feuer den Raum zwischen den einzelnen Worten.

Natürlich hat jede etwas zu sagen!

Drei Bibliologe wurden durchgespielt: die Erzählung von der Berufung der Jünger (Mk 1,16-20), das Gleichnis vom Sämann (Mt 13,1-9) und die Begegnung von Jesus mit Menschen an einem einsamen Ort (Mk 6,30-34). Bedenken wie „Ich bin zu wenig wortgewandt" oder „Ich weiß zu wenig über die Bibel" lösten sich auch durch den Zuspruch der anderen Teilnehmerinnen schnell auf und das „schwarze“ wie das „weiße“ Feuer brannten.

Die biblischen Figuren waren mit dabei

Dazu begrüßten im Tagungsraum gleich zu Beginn biblische Figuren die Teilnehmerinnen. Sie alle waren im Koffer der Referentin aus dem Allgäu angereist. Am Ende des Schnupperkurses bildeten sie den Abschluss, als sie mit Jesus an einen einsamen Ort des Sees Genezareth reisten. Anhand der verschiedenen Bibliologe zeigte Kleele-Hartle auch exemplarisch, wie man den Bibliolog bei den verschiedenen Textarten der Bibel wie zum Beispiel ein Gleichnis oder einen Evangeliumstext anwenden kann.

Bibliolog mit Objekten

Darunter auch am Beispiel der Begegnung Jesus mit den ersten Jüngern Andreas, Simon und den Söhnen des Zebedäus wie ein Bibliolog mit Objekten gestaltet werden kann.
Die Frauen konnten fünf Stühle zu immer neuen Formen stellen, wie einen Kreis, eine Linie oder ineinander gestellt und so ihre Berufung zur Jüngerin ausdrücken. Nach jedem Bibliolog schlossen sich ausführliche Reflexionseinheiten an. Sehr gut wurde dabei die Fülle der Möglichkeiten,  in dieser Art und Weise mit der Bibel zu sprechen, deutlich.

Schade, dass der Tag zu Ende ist

Die Referentin zog die Frauen mit ihrer sympathischen Art und wie sie die Gruppe leitete in den Bann. Und so ging der Studientag viel zu schnell zu Ende. „Ich könnte jetzt weitermachen“, hieß es deshalb auch bei der abschließenden Bilanz.
Ursula Sänger-Strüder

Fotos: Ursula Sänger-Strüder

Dorothee Kleele-Hartl gehört dem Bibliolog-Netzwerk an, das mit dem "Studienzentrum Josefstal", einer evangelischen Einrichtung in Schliersee, zusammenarbeitet.