Aus dem Glauben heraus für die kfd

Lydia Wallraf-Klünter erzählt im Interview von zehn Jahren Vorstandsarbeit

Köln. 9.4.2019  „Wir wünschen einen schönen kfd-Ruhestand“, schon in diesem Abschiedsgruß an Lydia Wallraf-Klünter auf Facebook wird deutlich: Sie hat das Amt der Diözesanvorsitzenden nicht mal eben so gemacht, sondern war mit soviel Einsatz dabei, dass es einer Erwerbsarbeit gleichkam. Lydia Wallraf-Klünter hat dieses Amt viereinhalb Jahre innegehabt. Nach insgesamt zehn Jahren Vorstandsarbeit hat sie sich am Wochenende daraus verabschiedet.
Im Interview mit kfd-koeln.de spricht sie über ihre Arbeit, die sie zeitweise 60 Stunden in der Woche beansprucht hat.


Frau Wallraf-Klünter, auf was schauen Sie gerne zurück, worauf sind Sie stolz?

Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass die Frauen spirituell und in ihrem Glauben gestärkt werden und dass sie mehr Aufgaben in der Liturgie übernehmen. Dass die kfd, wie wir es nennen, noch mehr ein „Ort für Frauen in der Kirche“ wird. Deshalb bin ich stolz auf die Kurse für die Leitung von WortGottesFeiern – wir haben mit Unterstützung des Erzbistums 60 Frauen dafür ausbilden können.
Ich freue mich auch, dass neue Veranstaltungsformate für spirituelle Angebote wie die FrauenFrühstückszeit oder die Filmexerzitien so gut angenommen wurden. Und natürlich muss man das FrauenWort im Kölner Dom, das 2018 auf 20 Jahre zurückblicken konnte, erwähnen. Auf all das bin ich nicht nur stolz, ich bin auch fest davon überzeugt, dass sich hierin Glaubensweitergabe zeigt und bewährt. Ich habe mich ja auch immer darum bemüht, Frauen als Messdienerinnen einzusetzen, bis hin zu unseren Gottesdiensten im Dom – und Letzteres ist ja keine Selbstverständlichkeit.

Ich bin ein sehr gläubiger Mensch, mein großes Vorbild im Glauben ist meine Namenspatronin Lydia, die Purpurhändlerin. Daraus habe ich geschöpft und ich denke, ich habe etwas bewegen können. Gerade dieser Teil meiner Arbeit hat mir einen reichen Schatz an Erfahrungen und Begegnungen geschenkt – ich bin daran auch persönlich gewachsen und gereift. Und ich bin dankbar für all die Frauen, die mir auch jetzt beim Abschied gesagt haben „Ich bete für dich.“

Die so genannte Ämterfrage ist eine Frage, die viele Frauen auch in der kfd bewegt, Stichwort „Diakonat der Frau“ …

Der Umgang mit diesem Thema ist nicht einfach: Es gibt die kirchenamtliche Meinung dazu, und es gibt in unserer kfd viele Mitglieder, die sich dieser anschließen. Andererseits wurde und wird der Wunsch gerade auch von vielen kfd-Frauen nach gleicher Teilhabe an der Verkündigung immer lauter. Sie wollen ihrer Berufung entsprechend den Glauben verkünden wie Männer. Das war und ist für mich immer ein Spagat gewesen. Mit den Jahren und gerade in der jetzigen Situation, in der sich unsere Kirche befindet, wird immer deutlicher, dass ein großer Schritt für die Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche getan werden muss. Die Ämterfrage ist ja für viele Frauen offen, und so war dann auch die Frage, wie wir im Diözesanvorstand damit umgehen, nicht immer leicht zu beantworten. Ich wünsche mir persönlich sehr, dass in den nächsten Jahren das Diakonat der Frau möglich wird.

Die Ämterfrage war nicht die einzige Frage, die die Arbeit bisweilen nicht einfach gemacht hat, oder?

Ja, kompliziert für uns waren auch die Umbrüche, die sich durch die Umstrukturierungen der Gemeindearbeit und das Schaffen der Seelsorgebereiche/Sendungsräume und das Abschaffen der Dekanate ergeben haben – das hatte auch unmittelbare Auswirkungen auf unsere Arbeit in der kfd, weil sich unsere Organisationsstruktur auch anpassen musste. Für unseren Verband ist es sehr wichtig, dass wir die Ebene des Dekanatsbereiches für uns weiterführen können.

Die kfd-Gruppen mussten ja dadurch auch einige Verschlechterungen hinnehmen, oder?

Es ist nicht überall so, aber es gibt tatsächlich Gemeinden, da haben die Frauen keinen Ort mehr, wo sie sich versammeln können, oder sie sollen Miete für entsprechende Räumlichkeiten bezahlen. Das ist ein Unding! Aber manche Pfarrer lassen da nicht mit sich reden, obwohl es ja eindeutige Anweisungen schon von Kardinal Meißner gegeben hat, dass dies zu unterlassen ist. Was auch von Kardinal Woelki mehrfach bestätigt wurde. Die Frauen verlieren aber auch die Geduld, die machen das nicht mehr mit und dann kehren sie auch der kfd den Rücken.

2017 ist die Geschäftsstelle aus dem Generalvikariat in der Marzellenstraße nach Groß St. Martin am Rheinufer gezogen – das war mehr als ein Umzug, oder?

Ja, denn das war eng verbunden mit Verhandlungen, die den Status der kfd innerhalb des Erzbistums betrafen. Wir waren ja sieben Jahrzehnte lang organisatorisch eng eingebunden in die Hauptabteilung Seelsorge und es ging nun darum, uns zu „entflechten“ wie wir das genannt haben. Da waren dann die Verhandlungen mit dem Erzbistum, das – das muss man ja wirklich betonen! – die kfd-Arbeit bis heute sehr großzügig finanziell unterstützt, auch nicht immer einfach.

Empfanden Sie die Verantwortung manchmal als Last?

Sie war oft schwer zu tragen, aber sie hat auch Freude gemacht. Die Gemeinschaft mit den Frauen hat mich gestärkt, sie hat mir Rückenwind gegeben. Ich habe viel Herzlichkeit und Freundschaft erlebt. Es haben mir einige gesagt, das Wichtigste, was ihnen von meiner Amtsführung in Erinnerung bliebe, sei mein Glaubenszeugnis. Und dass ich authentisch bin.

Worin kann die kfd besser werden?

Mich beunruhigen schon die geringer werdenden Mitgliederzahlen, obwohl wir ja andererseits sehr viele neue Mitglieder über die Mitgliederwerbekampagne bekommen haben. Darauf können wir wirklich stolz sein. Aber hier müssen wir noch mehr tun, auch um die neuen Frauen im Verband zu halten.
Und wir müssen mutig bleiben in unseren Forderungen – wie schon gesagt, die Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche ist wichtig und da muss sich auch der kfd-Diözesanverband entsprechend positionieren.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie aus dem Amt?

Es war ein Loslassen und viel Abschiednehmen – ich lasse viele Frauen, Präsides und Ordensleute zurück, die mir am Herzen liegen. Ich habe meine Arbeit mit sehr viel Herzblut gemacht, da ist es wohl auch kein Wunder, wenn da auch ein Schmerz ist. Andererseits fühle ich auch die Entpflichtung. Es wird leichter für mich ohne die große Verantwortung, die ich getragen habe.

Werden Sie weiter für die kfd aktiv sein?

Natürlich, ich will mich wie auch jetzt schon in der kfd St. Lambertus, Bliesheim, engagieren und weiterhin wie schon seit Jahrzehnten WortGottesFeiern leiten und als Lektorin und Kommunionhelferin tätig sein. Dann bin ich ja noch Geistliche Begleiterin des Dekanatsbereiches Erftstadt und im Kreisdekanat Erftstadt-Süd bin ich ja auch noch aktiv.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Sabine Schleiden-Hecking

Foto: Jörg Brocks