„Abgesagt“ - „Angesagt“

Überlegungen für die zweite Jahreshälfte

Köln, 26.6.2020 – Es ist Jahresmitte und so wage ich einen Blick zurück und nach vorne. Wenn ich auf das erste Halbjahr 2020 schaue, stelle ich fest, wie oft in meinem Kalender seit Mitte März steht „Abgesagt“! Vieles, was vor Wochen noch ungewöhnlich und neu war, ist schon Normalität. Lockdown, das hieß: Kontakte reduzieren und über soziale Kanäle kommunizieren, Videokonferenzen statt analoger Treffen, Austausch, Beratungen und Planungen digital, leere Städte, die sich nach und nach wieder füllen.

Neues wagen

In dieser Zeit ist aber auch viel passiert; was vorher unmöglich schien, wurde Realität: Menschen, die auf ihren Balkonen klatschten oder Musik machen, Nachbar*innen Hilfe per Mail oder WhatsApp zur gegenseitigen Unterstützung. Und auch gottesdienstlich gab es neue kreativen Formen, die zum Teil auch andere Menschen (neu) ansprachen.

Diese so unwirkliche Zeit bringt uns also auch dazu, manchmal über unsere Schatten zu springen und Dinge zu tun, die wir nicht erahnten; über Grenzen hinaus zu gehen. Diese Zeit eröffnet viel Kreativität, Inspiration und neue Wege, es ist also nicht alles „abgesagt“, sondern auch manches „angesagt!“

Zwischenbilanz

Kalendarisch sind wir in der Mitte des Jahres, quasi Bergfest. Ob das wohl auch für Corona gilt? – Wir wissen es nicht. Aber was wir wissen ist, dass Gott mit uns ist in dieser Zeit des Wandels, des Umbruchs. Mit Gott ist alles „angesagt“ – nämlich die Zusage: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28,20). 

Wo führt der Weg mich hin?

Angesagt sind nun Achtsamkeit, Offenheit, Mut, Kreativität. Vielleicht mögen die folgenden Fragen helfen, zu erkunden, was nun „angesagt“ ist:

Welche Vision/Hoffnung habe ich für die zweite Jahreshälfte?

Was kann ich an meinen Charismen/Talenten freisetzen?

Was möchte ich mit meinem Gott als Weggefährten in meiner Lebensgeschichte wagen?

Segen für heute und morgen

Gott, väterlich und mütterlich,
segne unser Innehalten
und unsere Schritte in die Zukunft.

Gott, du Gott des Zuspruchs,
segne unsere Wege,
die sicheren und die tastenden Schritte
die einsamen und die begleiteten
die großen und die kleinen.

Gottes Segen umhülle uns auf unseren Wegen
wenn wir unsere Charismen erkennen,
Gottes Segen sei bei uns
wenn wir unsere Talente entfalten,
Gottes Segen bleibe bei uns
heute, morgen und alle Tage unseres Lebens.

So gehen wir im Segen
und gesegnet werden wir segnen
werden ein Segen sein
wohin unser Weg uns auch führt.

Hildegard Müller-Brünker

Foto: Pixabay