Die unbeirrte Heilige

Mutter Teresa diente den Armen, um Gott zu dienen

„Warte nicht auf Anführer. Mach es allein. Von Mensch zu Mensch.“ – So titelt ein großes Plakat in der Ankunftshalle des Flughafens von Kolkata (Kalkutta, Indien) in Anspielung auf Mutter Teresa. Am 4. September wurde sie heiliggesprochen. Mutter Teresa ist eine polarisierende Persönlichkeit, eine Frau, die für die Art und Weise ihres Handelns viel Kritik in Kauf nehmen musste und die zugleich höchste Anerkennung zum Beispiel in Form des Friedensnobelpreises 1979 erfuhr. Unbeirrt verfolgte sie ihr Ziel, den Armen zu helfen. Sie sah nicht weg: Sie bemerkte das Leid und versuchte, es mit bemerkenswerter Zielstrebigkeit zu lindern.


Ein reiches Kind will arm sein

Teresa wurde 1910 in Albanien geboren und wuchs in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie auf. Bereits mit 18 Jahren war sie Novizin der Loretoschwestern. Vom Mutterhaus in Irland wurde sie nach kurzer Zeit nach Bengalen, Indien gesandt. Hier lebte sie Tür an Tür mit Hungernden und Kranken und verspürte 1946 die Berufung, sich insbesondere für Arme einzusetzen. Von Loreto aus zog sie nach Kolkata (Kalkutta), lebte dort im Slum und gründete, um die Not der Ärmsten zu lindern, eine neue Ordensgemeinschaft, die noch immer existiert und sich heute in zahlreichen Ländern engagiert.

Keine Zweifel über den Weg

Trotz der Glaubenszweifel, die sie offenbar immer wieder erlebte, stand es für sie fest, dass es richtig sei, sich den Armen und Notleidenden dieser Welt zu widmen. Sie war keine Politikerin, die auf das System einwirkte, das für das Elend der Menschen vor Ort verantwortlich war, sondern arbeitete als „Macherin“, um unmittelbare Not zu lindern und auf diese Weise Gott zu dienen. Eine Haltung, die ihr viel Kritik einbrachte. Dennoch: Ursachenbekämpfung betrachtete sie nicht als ihre Aufgabe.

Stärke und Gewissheit vorbildhaft

Lassen wir uns von Mutter Teresas Heiligsprechung einladen, über unsere Nächsten nachzudenken: über Arme, Hungernde, Kranke, Sterbende. Was können wir für sie tun? Kann Mutter Teresa uns Vorbild sein? Lassen wir uns einladen, über unsere (Glaubens-) Überzeugungen nachzudenken: Haben wir Grundsätze, die so gefestigt sind, dass uns keine Kritik davon abbringt, sie zu vertreten und nach ihnen zu handeln? Welche Stärke und Gewissheit muss eine Frau verspüren, der es so geht?

Eva-Maria Langenfeld

Foto: Zvonimir Atletic / Shutterstock.com

Die Statue auf dem Foto zeigt Mutter Teresa in der ihr eigenen Gebetshaltung in der Kapelle des Mutterhauses in Kolkata, Indien.