Weißt du, wo der Himmel ist?

Beim Tag der Lebenskünstlerinnen gab es Antworten auf diese wichtige Frage

5.9.2016 Die Frage: „Weißt du, wo der Himmel ist?“ war das Motto für den „4. Tag der Lebenskünstlerinnen“ am 3. September. Den passenden Rahmen für die Beantwortung bot die ehemalige Klosterkirche der Redemptoristen in Hennef. Sie atmet immer noch etwas von ihrer ursprünglichen Aufgabe, Menschen Gott und dem Himmel näher zu bringen. Darin erlebten 80 Frauen Stunden, die wohl noch lange nachklingen werden, wie viele sagten. Und die in Erinnerung bleiben als eine Zeit, in der sie sich so fröhlich und ausgelassen fühlten wie nicht oft im Leben.


Bei den Lebenskünstlerinnen-Tagen, die seit 2013 an wechselnden, aber immer ungewöhnlichen Orten angeboten werden, geht es darum Leichtigkeit und Schönheit des Lebens zu vermitteln und den Teilnehmerinnen die Möglichkeit zu geben, sich fallen zu lassen in den Tag, Neues zu entdecken, auch in sich und so auch die Lebenskunst . So gab es solche Tage schon in „Maria in der Aue“ bei Wermelskirchen, auf der Burg Heimerzheim bei Swisttal und auf Schloss Dyck bei Jüchen.

Kraftquellen entdecken, um den Alltag zu entschleunigen

Bewusst haben sich die Verantwortlichen der kfd-Stiftung bei diesem Projekt dafür entschieden, diese kaum zu fassenden und erst recht schwer auf Erfolg hin zu überprüfenden Ziele zu verfolgen. Dahinter steht, Frauen zu stärken und ihnen zu zeigen, wie sie Kraftquellen für sich entdecken können in einem Alltag, der von ihnen ewige Perfektion und Allgegenwärtigkeit verlangt.

Tätig müßig mit himmlischen Aufgaben

Workshops zu Tönen und Singen, kunsthandwerklicher Blumenkunst, Patisserie mit Pralinen und Kreativem Schreiben bildeten den ganz konkreten inhaltlichen Rahmen für den „4. Tag der Lebenskünstlerinnen“, der ein Tag des tätigen Müßiggangs sein sollte. Auch eine Verschönerungsstation mit den beiden Maskenbildnerinnen Irina Halemeier und Maja Zimbus-Kaus, die den Frauen einfach gut tat, gehörte mit dazu.

Wolkenbilder und Paradiesgarten als künstlerische Aktion

Dazu kam am Mittag eine Baummeditation im nahe gelegenen Kurpark und eine von den Teilnehmerinnen im Laufe des Tages gestaltete Himmelsinstallation aus Wolkenbildern und ein kleiner Paradiesgarten in der Apsis der Kirche. Und nicht zu vergessen eine Wunschkartenaktion, auf der Teilnehmerinnen kleine Wünsche aufschrieben, die dann im Laufe der kommenden Monate von einer anderen Teilnehmerin erfüllt werden. Auch beim Fotoshooting vor einer Wolkentapete wurde besonders spürbar, wie gut es den Teilnehmerinnen tat, neue Frauen kennenzulernen, die „so offen und freundlich sind“, wie es oft hieß.

Außen oder innen – du bist mitten drinnen

Über allem lag die Frage, was und wo der Himmel für die Einzelne ist und wie sie ihn erreichen kann. Oder wie es in dem Lied von Ludger Edelkötter und Wilhelm Willms heißt, das die Gruppen beim Tönen und Singen mit dem Kirchenmusiker Donatus Haus musizierten: „Weißt du, wo der Himmel ist, außen oder innen, eine Handbreit rechts und links, du bist mitten drinnen.“

Sich selbst überraschen mit dem, was man kann

Zum Himmelfinden gehörte auch, dass man sich selbst überraschen kann. So wie es Doris Menden aus Köln-Rondorf beim kreativen Schreiben mit Ursula Sänger-Strüder erlebte. „Ich wusste gar nicht, dass so etwas in mir drin ist,“ sagte sie über ihre spontan entstandenen Texte, immer noch selbst ein wenig über sich selbst erstaunt.

Sich häufiger an den täglichen Himmel erinnern

Marga Dengs aus Bonn wurde bewusst, dass sie den Himmel auch häufiger mal ignoriert und übersieht: „Ich denke der Himmel ist im Hier und Jetzt und ich vergesse das so oft, dass der Himmel eigentlich in mir ist. Heute kam die Erinnerung daran ... Eine Erfahrung, mit der sie nicht alleine war.

Es braucht ein Herz so groß und weit wie der Himmel

Zu Beginn des Tages hatten die Teilnehmerinnen ihre himmlischen Wünsche auf Wolkenbildern formuliert, die Teil der von der Künstlerin Monika Bergrath erdachten Himmelsinstallation wurden und an langen Schnüren in den Kirchenraum fielen. Viele Frauen wünschten sich den Himmel auf Erden für ihre Familien und alle, die sie lieben. Dafür braucht es aber wohl „ein Herz so groß und weit wie der Himmel über mir“, wie es eine Teilnehmerin ihren Wunsch formulierte.

Die Plastikwüste in einen Paradiesgarten verwandeln

Mit Monika Bergrath, die in ihre Kunst häufig Alltagsmaterialien und Müll integriert, machten die kunsthandwerklich interessierten Frauen aus einem Wust an Plastikmüll Blumen für den kleinen Paradiesgarten, der später in der Apsis der Kirche zu bewundern war. Eine Arbeit, die Nicola Rosen „unheimlich viel Spaß gemacht hat. Alleine würde ich nie auf die Idee kommen aus Müll so etwas zu basteln“ sagte sie.

Glücklichmacherin Schokolade: ein irdisch-himmlischer Genuss

Dass Schokolade glücklich macht, war auch bei der Pralinenkunst mit Hermann Donnik kaum zu übersehen. Auf der ehemaligen Orgelempore der Kirche stellten die Teilnehmerinnen vier verschiedene Pralinensorten her – Gelegenheit bei aller wuseligen Geschäftigkeit, die sich schließlich beim Füllen der Pralines in konzentrierte, meditative Ruhe wandelte, sich auch daran zu erinnern, welche Schätze die Erde birgt. Das ging Mechthild Grewelding, der geistlichen Begleiterin des Stadtdekanates Köln, zwischen Sahne, Schokolade, Rührschüsseln und Spritztüllen durch den Kopf: „Es sind ja alles Materialien von unserer Erde, man lernt das noch mal zu schätzen, welche Genussgüter wir auch haben und das ist auch in diesem Sinne himmlisch.“

Himmel verlangen, nicht weniger

Für Ursula Sänger-Strüder war der „4. Tag der Lebenskünstlerinnen“ innerhalb der Veranstaltungsreihe besonders beeindruckend und erfolgreich. Sie erlebte, wie sich in den Frauen viel bewegte. „Ich denke, das lag auch am Thema. Menschen haben eine Sehnsucht nach dem Himmel und hier haben die Frauen eine Ahnung davon bekommen, dass er in ihnen ist, wenn sie es nur zulassen und sich nicht mit weniger zufrieden geben in ihrem Leben.“

kfd-Stiftung fördert selbstbestimmtes Leben von Frauen

Dazu gehörten Gemeinschaft und die Bereitschaft, sich auf andere Menschen einzulassen, wie die Geschäftsführerin betonte. Aber wesentlich sei die eigene Einstellung – das mit dem Projekt Lebenskünstlerinnen zu fördern und so Frauen dazu zu verhelfen, ein eigenes und selbstbestimmtes Leben zu führen, das sich nicht an irgendeinem schönen Schein orientiert, sei das Anliegen der Stiftung.

Die Antwort auf die Frage „Weißt du, wo der Himmel ist?“

„Der Himmel ist überall da wo wir uns wohlfühlen, hier bei der Veranstaltung ist also ein Stückchen Himmel“ – hieß es beim Abschied. Ein Resümee, das viel Applaus erhielt.
Sabine Schleiden-Hecking

Fotos: Kathrin Becker