• alle.jpg

    Streifzug durch die Geschichte der Reformation mit der theologischen Referentin des kfd-Diözesanverbandes Elisabeth Glotzbach.
    Streifzug durch die Geschichte der Reformation mit der theologischen Referentin des kfd-Diözesanverbandes Elisabeth Glotzbach.
  • katharina.jpg

    Streifzug durch die Geschichte der Reformation mit der theologischen Referentin des kfd-Diözesanverbandes Elisabeth Glotzbach.
    Streifzug durch die Geschichte der Reformation mit der theologischen Referentin des kfd-Diözesanverbandes Elisabeth Glotzbach.
  • ergebnisse.jpg

    Beim Plenumsgespräch wurden die Ergebnisse aus den Gesprächen und Workshops zusammengetragen.
    Beim Plenumsgespräch wurden die Ergebnisse aus den Gesprächen und Workshops zusammengetragen.
  • bucherkopie.jpg

    Es gibt reichlich Literatur über Frauen, die die Reformation in ihren Anfängen mitgeprägt haben.
    Es gibt reichlich Literatur über Frauen, die die Reformation in ihren Anfängen mitgeprägt haben.
  • musikerin.jpg

    Kirchenmusikerin Stephanie Aragione-Krey begleitete den spirituellen Teil des Tages musikalisch. Teil
    Kirchenmusikerin Stephanie Aragione-Krey begleitete den spirituellen Teil des Tages musikalisch.

Und eure Töchter sollen weissagen

Berühmte Frauen der Reformation sind Vorbild für Ökumene heute

8.5.2017 Die Reformation stand im Mittelpunkt des Studienteils der Frühjahrstagung für Vorstände aus den Dekanatsbereichen, Kreis- sowie Stadtdekanaten. kfd-Frauen und kfd-Mitglieder engagieren sich seit vielen Jahren in ihren Pfarreien für die Ökumene – das wollte man mit diesem Schwerpunkt noch einmal bewusstmachen und betonen, dass im Vordergrund das Gemeinsame und nicht das Trennende der beiden Konfessionen stehen muss.


Ein Blick in die Anfänge der Reformation und Luthers Theologie zeigte, was die Spaltung der Kirche für Frauen bedeutete, die mit dem berühmten Anschlag der 95 Thesen begann. Welchen Anteil haben Frauen an der Verbreitung der Reformation, wie haben sie gehandelt, konnten sie überhaupt handeln?

Predigerin, Autorin und Lehrerin

Diesen Fragen gingen die Teilnehmerinnen in vier Workshops nach. Die Biografien von vier bekannten Frauen der Reformation, die als Autorinnen von Flugschriften, als Predigerinnen oder Lehrerinnen bekannt wurden, boten den Stoff für eine intensive Auseinandersetzung der 55 Teilnehmerinnen nicht nur mit den historischen Frauen selbst, sondern auch mit der eigenen Rolle in Kirche und Gesellschaft. Es wurde intensiv diskutiert und zusammengetragen, was heute Reformation bedeutet und wie fruchtbar sie für die katholische Kirche wurde.

Ehefrauen sind nicht mehr die letzten

So wehrte sich in Nürnberg mit Erfolg Äbtissin Caritas Pirckheimer gegen die von Luther in Gang gesetzten Auflösung ihres Klosters und erreichte, dass sie und ihre Mitschwestern das Kloster nicht zu Lebzeiten aufgeben mussten.  Frauen sollten nach der Lehre Luthers ihre Berufung als Ehefrauen und Mütter finden. Eine zweischneidige Entwicklung – einerseits wurden Ehefrauen, die sich bei mittelalterlichen Prozessionen als letzte Gruppe und damit unbedeutendste einzureihen hatten, in ihrer gesellschaftlichen Position aufgewertet. Die Lebensläufe bedeutender Frauen der Reformation zeigten erste emanzipatorische Ansätze, die sich allerdings nicht weiter entwickeln konnten.

Kirchliche Leitungsämter sind für Frauen verloren

Andererseits waren Frauen aber nun auch festgelegt auf ihre Rolle als Mütter und Hausfrauen. Durch die Auflösung der Klöster in den evangelischen Landesteilen gingen kirchliche Leitungsämter für Äbtissinnen und Priorinnen verloren und damit auch die Möglichkeit, andere Lebensmodelle als das einer Ehefrau und Mutter zu leben.

Emanzipation über Bildung

Luther öffnete aber auch den Weg zu mehr Bildung für Mädchen, das zeigt das Beispiel der ehemaligen Zisterzienserin Magdalena von Staupitz, die die Leiterin der ersten Mädchenschule im sächsischen Grimma wurde. Sie nahm Mädchen aus allen Gesellschaftsschichten auf. Auch die hochgebildete Katharina von Zell beeindruckte die Teilnehmerinnen tief: Die spätere Pfarrersfrau setzte sich intensiv mit theologischen Fragen, zum Beispiel dem paulinischen Schweigegebot der Frauen, auseinander und betätigte sich nicht nur als Autorin von Flugschriften, sondern predigte auch und stritt sich mit dem Straßburger Bischof über die Priesterehe.

Reformation konnte nur mithilfe der Frauen Fuß fassen

Bekannt wurde auch schon zu ihrer Zeit Ursula Weyda, die in einer Streitschrift die Lehren Luthers verteidigte und die Missstände in der katholischen Kirche kritisierte. Sie nahm aus weiblicher Perspektive Stellung zu den theologischen Fragen der Reformation. Das belegt schon der Titel „Und eure Töchter sollen weissagen“, ein Bibelzitat aus dem Buch des Propheten Joel (Joel 3,1f). Damit verwirklichte sie nicht nur für sich die Lehre Luthers vom Priestertum aller Gläubigen, sondern war Beispiel für viele Frauen, die ihre Kinder in die lutherischen Gottesdienste mitnahmen und somit dafür sorgten, dass die Reformation in der Bevölkerung nicht nur von Landesherren verordnet, sondern im Herzen Fuß fassen und nur so zu einer Massenbewegung werden konnte.

Konflikte zwischen Konfessionen im Alltag sind fast überwunden

2017 sind viele Konflikte, die sich im Alltag der Menschen über Jahrhunderte durch die Reformation ergaben, nicht mehr denkbar. Allerdings sind diese noch nicht lange überwunden, wie sich viele Teilnehmerinnen der Tagung erinnern konnten. Sie erzählten von ihrer Grundschulzeit in den 50er und 60er Jahren, als die Kinder je nach Konfession ihre Pause auf dem evangelischen oder dem katholischen Schulhof zu verbringen hatten, Kinder von anderen Kindern verprügelt wurden, weil sie die falsche Religion hatten, ganze Familien konvertierten, um von der „Mehrheitskonfession“ keine Nachteile im Alltagsleben zu erleiden.

Ungeheuerlichkeiten und Diskriminierungen

Heute wird auch über eine damalige Ungeheuerlichkeit, die sich auf dem Land oft zutrug, geschmunzelt: An hohen kirchlichen Festtagen wie Karfreitag oder Fronleichnam Gülle auf die Felder zu fahren, um die jeweils anderen Konfessionsangehörigen aufzubringen. Schwerwiegender und über viele Generationen nachwirkend sind die vielen Verletzungen, die Menschen dadurch erfuhren, dass sie eine konfessionsverschiedene Ehe eingingen. Eine Haltung, die übrigens im kirchlichen Dienst noch in diesem Jahrtausend eine Rolle spielte, wie eine Teilnehmerin berichtete.

Ökumenische Angebote selbstverständlich

Die ökumenische Arbeit für die Versöhnung der Konfessionen ist in vielen kfd-Gruppen eine wichtige Säule der Arbeit, weit über das sowieso schon sehr hohe Engagement für den Weltgebetstag hinaus. Es reicht vom gemeinsamen Erntedankgottesdienst, gemeinsame Angebote für alte Menschen, Vorträge und Seminare im Jahr der Reformation, ökumenisches Wallfahren bis hin zum Taizégebet.

Frühjahrstagung Auftakt zum Reformationsgedenken

Inhaltlich wurde dieser Teil der Frühjahrstagung insbesondere von Elisabeth Glotzbach, der Referentin für Theologie und Kirche des Diözesanverbandes konzipiert. Sie gestaltete auch den Tag zusammen mit weiteren Kolleginnen der Geschäftsstelle.

Die Frühjahrstagung war der Auftakt zu verschiedenen Angeboten des Diözesanverbandes, sich mit dem Reformationsgedenken auseinanderzusetzen. Gerade auch für katholische Frauen ist der Mut, die Weitsicht und die Beharrlichkeit der Frauen der Reformation wichtig auf dem eigenen Weg der gerechten Teilhabe in der Kirche, von der die kfd auch in ihrem Leitbild „leidenschaftlich glauben und leben“ spricht.

Langen Atem bewahren – das lehren die Frauen von damals die Frauen heute

„Den langen Atem haben, aber auch einen starken Glauben an Gottes Verheißungen bewahren, und eine unerschütterliche Liebe zu Christus im Herzen tragen, das können wir alle von den Frauen der Reformation lernen“, so drückt es im Vorstand der kfd aus. „Das kann uns nur Vorbild sein und Mut machen, unseren Weg weiterzugehen“.

Weitere Programmangebote zur Ökumene

So wird das Ökumenische Symposium am 20. Mai  in Köln, zu dem man sich noch anmelden kann, vor allem das Gemeinsame unter den christlichen Konfessionen herausstellen und für einen gemeinsamen Weg der Frauen in der Ökumene über den Weltgebetstag hinaus werben. Auch der Pfarrvorständetag am 23. September sowie die Diözesanwallfahrt nach Helfta werden das Reformationsgedenken ebenso einschließen.

Sabine Schleiden-Hecking

Fotos: Kathrin Becker