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    Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln, Christine Kronenberg, ist Schirmherrin der Ausstellung "Was ist meine Arbeit w€rt?".
    Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln, Christine Kronenberg, ist Schirmherrin der Ausstellung "Was ist meine Arbeit w€rt?".
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    Der Equal Pay Day rückt in diesem Jahr die pflegerischen und erzieherischen Beruf in den Mittelpunkt.
    Der Equal Pay Day rückt in diesem Jahr die pflegerischen und erzieherischen Beruf in den Mittelpunkt.
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    Die Gleichstellungsbeauftragte des Landschaftsverbandes Rheinland, Verena Mäckle, zeigte wie sich die historische Geringschätzung der Pflege noch heute die Bezahlung negativ beeinflusst.
    Die Gleichstellungsbeauftragte des Landschaftsverbandes Rheinland, Verena Mäckle, zeigte wie sich die historische Geringschätzung der Pflege noch heute die Bezahlung negativ beeinflusst.
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    Die Landtagsabgeordnete Ingrid Hack sprach ebenfalls auf der Veranstaltung und mahnte gesetzliche Vorgaben an.
    Die Landtagsabgeordnete Ingrid Hack sprach ebenfalls auf der Veranstaltung und mahnte gesetzliche Vorgaben an.

Küsst keine Frösche, zählt Kröten

Equal Pay Day zu Pflege und Erziehung

15.3.2015. „Küsst keine Frösche, zählt eure Kröten,“ das empfahl die Kölner Gleichstellungsbeauftragte Christine Kronenberg zumindest den Frauen im Publikum auf der Midissage zur Fotoausstellung „Was ist meine Arbeit w€rt?“ am vergangenen Donnerstag im Horionhaus des Landschaftsverbandes Rheinland in Köln. „Männer glauben immer noch, dass sich Frauen ernähren lassen wollen“, berichtete Kronenberg aus ihrer täglichen Arbeit und erklärte, dass in der Arbeitswelt konservative Rollenbilder eine Schlüsselrolle bei Tarifgesprächen hätten.


Junge Frauen denken nicht genug ans Geld

Zusätzlich zementierten die deutschen Rechts, - und Steuersysteme Fehlanreize, die junge Frauen zu falschen beruflichen Entscheidungen führten. Das habe nicht nur persönlich weitreichende Folgen für ihre Karriere, ihren Verdienst und den späteren Rentenanspruch. Auch die Gesellschaft sei betroffen, denn geringe Verdienste oder Renten müssten aus Steuermitteln aufgestockt werden.

Ausstellung zeigt Wunsch und Wirklichkeit

kfd und vier weitere katholische Verbände hatten anlässlich des Equal Pay Days (Tag der Entgeltgleichheit) am 19. März Menschen, die in erzieherischen und Pflegeberufen arbeiten, nach Wunsch und Wirklichkeit in ihrem Arbeitsalltag gefragt und die Antworten mit Fotografien dokumentiert. Kronenberg hatte die Arbeiten daran als Schirmherrin begleitet. Diese Ausstellung ist im Spanischen Bau des Rathauses Köln aufgebaut und zu den üblichen Öffnungszeiten bis zum 18. März zu sehen.

Nur gesetzliche Regelungen bringen Verbesserungen

Ingrid Hack, Landtagsabgeordnete für Köln, wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass zur besseren Anerkennung und Wertschätzung dieser Berufe wohl gesetzliche Regelungen nötig seien: „Es drängt sich der Eindruck auf, dass es nicht anders geht,“ sagte sie. „Ich glaube, wenn es sich Männerberufe handelte, wäre das Thema relativ schnell abgefrühstückt.“ Auch wolle sie sich in der „Enquetekommission Zukunft der Familienpolitik im nordrhein-westfälischen Landestag “, deren Vorsitzende sie ist, des Themas annehmen.

Schlecht bezahlt und unterschätzt

Hintergrund für den diesjährigen Schwerpunkt des Equal Pay Day: Es muss sich viel ändern in pflegerischen und erzieherischen Berufen. Angefangen bei der schlechten Bezahlung über schwierige Arbeitsbedingungen bis hin zu mangelnden Karrieremöglichkeiten – denn das alles macht sie unattraktiv und trägt dazu bei, dass Frauen durchschnittlich 22 Prozent weniger verdienen als Männer.

Männerberufe mehr wert?

In Branchen, in denen hauptsächlich Männer arbeiten, wird deutlich besser gezahlt. So fragt sich eine der fotografierten Erzieherinnen, warum sie für ihre Ausbildung zahlen muss, ein Auszubildender in der Autobranche aber nicht. Eine Altenpflegerin, warum die  schwere körperliche Arbeit in der Pflege als „Leichtlohngruppentätigkeit“ definiert wird. Oder eine medizinisch-technische Assistentin vermisst Karrierechancen, denn in pflegerischen Berufen sind mehr als 80 Prozent Frauen beschäftigt, leitende Stellen hätten aber überwiegend Männer.

Bitte nicht zu laut sagen

Das erzählten sie auch auf der Midissage. Gerne hätten die Veranstalterinnen alle Fotomodels zu Wort kommen lassen. Das aber erwies sich als schwierig, wollten sich doch einige nicht so öffentlich äußern, weil sie Druck seitens ihrer Arbeitgeber befürchteten.

Geringschätzung auch historisch zu erklären

Die geringe Wertschätzung dieser Berufe lässt sich auch durch einen Blick in ihre Geschichte erklären. Das erläuterte die Gleichstellungsbeauftragte des Landschaftsverbandes Rheinland, Verena Mäckle am Beispiel der Krankenpflege. Sie sei aus der Ordenskrankenpflege entstanden.

Nächstenliebe und Frau zu sein reichten aus

Nonnen arbeiteten unentgeltlich aus Nächstenliebe und ohne besondere Ausbildung als Krankenschwestern. Das wurde als selbstverständlich angesehen, schließlich hatten Frauen sich ihrem Wesen gemäß aufzuopfern, zu dienen und waren von Natur aus für diese Aufgabe ausgerüstet. Eine spezielle Ausbildung wurde deshalb nicht als notwendig angesehen, zumal die Krankenpflege damals und bis heute dem ärztlichen Beruf untergeordnet ist.

kfd-Diözesanverband seit 2010 beim Equal Pay Day dabei

Die kfd im Diözesanverband Köln beteiligte sich nun bereits zum sechsten Mal am Equal Pay Day und sucht dafür die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Einrichtungen. Sie setzt sich für gleiche und gerechte Bezahlung von Frauen ein. Schließlich, so heißt es bei den Verantwortlichen, müsse sich angesichts der vielen Probleme einiges ändern, damit diese Pflege und Erziehungsberufe attraktiver werden und Menschen zukünftig sowohl in jungen Jahren als auch im Alter und bei Krankheit gut versorgt und gepflegt würden.

An der Ausstellung sind beteiligt: kfd, KDFB (Katholischer Deutscher Frauenbund), BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend), und der ZDK (Zentralverband der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen der Katholischen Kirche.

Fotos: Kathrin Becker

Hinweis
Die Ausstellung kann noch bis zum 18. März im Spanischen Bau des Rathauses Köln angesehen werden. Die Öffnungszeiten sind: Mo, Mi, Do: 8 bis 16 Uhr
Di: 8 bis 18 Uhr
Fr: 8 bis 12 Uhr

 

Texte zur Ausstellung