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    Ökumene - die Einheit der Christenheit. Eine Tauferinnerung bei der Abschlussandacht des Ökumenischen Symposiums.
    Ökumene - die Einheit der Christenheit. Eine Tauferinnerung bei der Abschlussandacht des Ökumenischen Symposiums.
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    Altkatholikin, Protestantin oder Katholikin? Beim Ökumenischen Symposium ging es Gemeinsamkeiten, nicht um das, was trennt.
    Altkatholikin, Protestantin oder Katholikin? Beim Ökumenischen Symposium ging es Gemeinsamkeiten, nicht um das, was trennt.
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    75 Teilnehmerinnen hörten fasziniert dem zu, was Zeuginnen der Ökumene über ihre Konfessionsgeschichte erzählten.
    75 Teilnehmerinnen hörten fasziniert dem zu, was Zeuginnen der Ökumene über ihre Konfessionsgeschichte erzählten.
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    Oberkirchenrätin Pfarrerin Barbara Rudolph erntete viel Zustimmung für ihre Interpretation davon wie Frauen die Ökumene bewegen.
    Oberkirchenrätin Pfarrerin Barbara Rudolph erntete viel Zustimmung für ihre Interpretation davon wie Frauen die Ökumene bewegen.
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    Eine Referenz an die mutigen Frauen der Reformation: Jessica Burri singt und spielt über die wortgewaltige und streitbare Ursula Weyda.
    Eine Referenz an die mutigen Frauen der Reformation: Jessica Burri singt und spielt über die wortgewaltige und streitbare Ursula Weyda.

Frauen bewegen Ökumene

Von der Leidenschaft die Einheit der Kirche lebendig zu halten

20.5.2017 Vergewisserung, Gemeinschaft und der Glaube an den einen Gott. Wollte man das Ökumenische Symposium, zu dem der kfd-Diözesanverband nach Köln eingeladen hatte, in wenigen Worten beschreiben, so könnten es diese sein. Oder man könnte den heiligen Augustinus zitieren, wie es auch Diözesanvorsitzende Lydia Wallraf-Klünter zur Begrüßung tat: „In den großen Dingen Einheit, in den kleinen Freiheit, in allem aber die Liebe.“


Das Ökumenische Symposium „Ökumene bewegt Frauen. Frauen bewegen Ökumene“ war der Auftakt zu verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen der kfd anlässlich des Jubiläumsjahres der Reformation. 75 Teilnehmerinnen, Katholikinnen, Protestantinnen und Altkatholikinnen beschäftigten sich mit der Zukunft der Ökumene, also der weltweiten Einheit der Christenheit. Sie diskutierten ganz praktische Fragen des Glaubens: Wie ist meine eigene ökumenische Geschichte? „Wie lesen und verstehen wir die Bibel? Welche Lieder verbinden uns? Worum geht es beim Weltgebetstag und ist Ökumene eigentlich Verpflichtung für alle Gläubigen?

Einheit im Glauben betrifft das Leben unmittelbar

Bei der Frage nach der Einheit im Glauben geht es nicht allein um eine theologische Auseinandersetzung wie etwa um die schwierige Frage der Abendmahlsgemeinschaft oder der Stellung des Papstes. Geeint verschieden im Glauben leben, das greift auch heute noch unmittelbar ein in das Leben der Menschen. Das zeigte sich im ersten Teil des Symposiums deutlich, als sechs Frauen dem Publikum ihre ganz persönlichen Konfessionsgeschichten im Gespräch mit Sabine Harles, Referentin beim kfd-Bundesverband, erzählten.

Warum Menschen konvertieren

Agnes Hinz, überzeugte Katholikin und kfd-Frau, saß zusammen mit ihrer Tochter, Tanja Schmitz, auf dem Podium und erzählte wie es war, als die Tochter sich mit 18 Jahren entschloss, evangelisch zu werden. Und wie befreit sie war, als sie erkannte, dass ihre Tochter zwar als Mitglied der katholischen Kirche verloren geht, nicht aber Gott. Oder warum man altkatholisch werden möchte wie Pfarrvikarin Alexandra Pook, die in der altkatholischen Gemeinde erlebte, dass Frauen katholisch und Priesterin gleichzeitig sein können. Altkatholikin Maria Anna Ruholl, ebenfalls katholische Theologin, konvertierte, weil sie die Synodalität in der Gemeinde faszinierte, also das Prinzip der Gemeinschaft und des Einvernehmens, das Beschlüsse prägt und sie offenlegt.

Glauben wird da lebendig, wo er eine Heimat findet

Petra Börsch, ebenfalls eine aktive kfd-Frau, erklärte warum sie von der evangelischen Kirche zur katholischen Kirche konvertierte. Eine Entscheidung, die sie erst nach der Hochzeit mit ihrem katholischen Mann traf und als das erste Kind getauft werden sollte. Wie sie und auch die beiden Altkatholikinnen machte schließlich auch Petra Schiffahrt aus dem bergischen Lindlar und dort in der evangelischen Gemeinde aktiv, sehr deutlich, dass Glauben sich dort entfalten kann, wo man sich beheimatet fühlt und Menschen findet, mit denen man gemeinsam den Glauben leben kann.

Oberkirchenrätin Rudolph spricht zum Motto des Symposiums

In ihrem Vortrag „Ökumene bewegt Frauen – Frauen bewegen Ökumene“ beleuchtete Oberkirchenrätin Barbara Rudolph von der Evangelischen Landeskirche im Rheinland, das Motto des Symposiums im Hinblick auf die Gleichstellung von Frauen. Sie beschrieb viele verschiedene Rollen, in denen Christinnen aller Konfessionen sich gemeinsam und weltweit für Frauen einsetzen.

Dichterin, Detektivin und Protestiererin – wie Frauen die Kirchen bewegen

Sie wirkten beispielsweise als Dichterinnen für Frauengottesdienste in geschlechtergerechter Sprache und geben Frauen so sprachlich einen gerechten Platz. Sie wirkten als „Detektivinnen“ und „Staatsanwältinnen“ gegen die Gewalt an Frauen, in dem sie – zum Beispiel auch beim Weltgebetstag – das Tabu brechen, über die weltweit herrschende häusliche Gewalt zu sprechen. Als Unterstützerinnen begleiten und beraten sie Frauen, die Hilfe und Unterstützung bei ungewollten Schwangerschaften brauchten. Auch sprach sie die Rolle der Protestiererin an – wenn es darum gehe, dass Frauen für kirchliche Ämter geweiht werden.

Frauen sind in der Heilsgeschichte gegenwärtig

Es bedürfe der Ausdauer um eine Frau in der Kirche zu sein, sagte sie und begründete, warum Frauen sich bis heute so nachhaltig einsetzten. Der Grund sei „diese leise, zähe, streitbare und unverzichtbare Präsenz der Frauen in der Heilsgeschichte Gottes, in der Jesusgeschichte, und der frühen Kirchengeschichte.“

Gegenseitige Ermutigung

Gott selbst liefert die Begründung dafür, dass Frauen ihren gleichen und gleichberechtigten Platz in den Kirchen haben müssen, so könnte ein Fazit aus dem Vortrag Rudolphs lauten.
In der Ökumene hätten sich Frauen gegenseitig dazu ermutigt und tun es auch heute noch, wie sie es selbst bei ökumenischen Vollversammlungen erfahren habe. Dort sei Vertrauen, Solidarität und auch Widerstand gegen die übermächtige Präsenz der Männer entstanden.

Psalm 23 neu geschrieben

Die Teilnehmerinnen hatten neben den Erfahrungsberichten auf dem Podium und dem Vortrag von Oberkirchenrätin Rudolph in Workshops sich in verschiedene Aspekte der ökumenischen Arbeit zu vertiefen. So gab es einen Bibelworkshop mit den kfd-Referentinnen Elisabeth Glotzbach und Hedje Altmaier-Zeidler, in dem nicht nur die Geschichte der ersten Bibelübersetzung durch Luther und die Entstehung der katholischen Einheitsübersetzung der Bibel Themen waren. Die Teilnehmerinnen beschäftigten sich auch mit 13 verschiedenen Übersetzungen des Psalms 23, dem Psalm vom Guten Hirten und konnten ihre eigene Version schreiben. Sich die Bibel so zu eigen machen, das hat den Teilnehmerinnen gefallen. „Ich fühle mich in meinem Glauben bestätigt“, hieß es. 

Ein Haus voll Glorie schauet oder Mein Gott ist eine feste Burg

„Zum Lobe Gottes“ war ein weiterer Workshop. Wie wichtig sind die Kirchenlieder? Drücken evangelische Lieder etwas anderes aus als katholische? Sind sie sozusagen der Kern einer evangelischen oder katholischen Theologie? Was zeigen Lieder wie „Ein Haus voll Glorie schauet“ oder „Mein Gott ist eine feste Burg“ vom jeweiligen Kirchenständnis?
Diesen Fragen gingen die Frauen mit Raymund Weber nach. Der ehemalige Mitarbeiter des erzbischöflichen Generalvikariates Köln ist mit verschiedenen Texten im katholischen Gesangbuch Gotteslob.

In der einen Hand die Bibel, in der anderen die Zeitung

Die weltweit größte ökumenische Bewegung, der Weltgebetstag (WGT), stand im Mittelpunkt eines weiteren Workshops. Unter dem Motto „informiert beten“ oder, wie es Barbara Rudolph in ihrem Vortrag gesagt hatte „In der einen Hand die Bibel, in der anderen die Zeitung“ beschäftigten sich die Teilnehmerinnen mit dem Weltgebetstagsland 2018. Barbara Peiffer, Honorar-Referentin des kfd-Diözesanverbandes Köln für den WGT aus Bedburg/Erft,  informierte und begeisterte die Frauen dafür, wie sich bei der Auswertung zeigte: „Christinnen sind sehr viel globaler und sehr viel feministischer, als ich mir vorgestellt habe“, sagte eine Teilnehmerin.

Natürlich ökumenisch, aber wie?

Im Workshop „Konkret und verpflichtend“, den Sabine Harles leitete, drehte sich das Gespräch um die vielen ökumenischen Erfahrungen, die Teilnehmerinnen machten und um die ganz konkrete praktische Arbeit in den Gemeinden. Schon lange geht es nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“. Der Austausch war so inspirierend, dass eine Teilnehmerin schon mit dem festen Plan nach Hause ging, im Sommer nach dem Vorbild des Dekanatsbereiches Erftstadt eine ökumenische Bibelwanderung zusammen mit den Frauen zu organisieren, die sonst den Weltgebetstag gestalten.

Duo Barna und Jessica Burri mit Dulcimer und alten Kirchenliedern

Musikalisch wurde der Tag begleitet vom Duo Barna mit Christian Saettele und Johannes Behr aus Köln,die mit Klezmer und Jazz einen heiter-besinnlichen Klangteppich auslegtne. Sopranistin und Schauspielerin Jessica Burri setzte im historischen Kostüm einer nicht unvermögenden bürgerlichen Dame Ursula Weyda, die zu den großen Frauen der Reformation gehört, in Szene. Von ihr überliefert sind Streitschriften und ein heftiger Briefwechsel mit Henricus P.V.A., einem Gegner der Reformation.

Musikalische Kostbarkeit aus dem 16. Jahrhundert

Daraus trug Burri Auszüge vor und begleitete ihr Gesang selbst  auf dem altenglischen Saiteninstrument Dulcimer. Eine besondere musikalische Kostbarkeit waren Kirchenlieder aus Bet- und Gesangbüchern, die einst eine andere bedeutende Frau der Reformation, Katharina Zell, im 16. Jahrhundert herausgegeben hatte. Sie waren vergessen, bis die Künstlerin sie wiederentdeckte und seitdem vorträgt.

Ich kann nicht mehr ohne Ökumene

„Wir brauchen die Vielfalt, um die Größe Gottes zu ahnen, ich kann nicht mehr ohne Ökumene“, dieser leidenschaftliche Appell einer Teilnehmerin erntete zum Ende der Tagung viel Applaus.

„Die beiden großen Kirchen sollten einen Weg zueinander finden und gemeinsame Formen, auch zum Beispiel in der Frage der Abendmahlsgemeinschaft“, dieses Fazit zieht dann auch Diözesanvorsitzende Lydia Wallraf-Klünter. „Ich hoffe, dass wir das Trennende überwinden und die vielen bis heute nicht vergessenen Verletzungen, die daraus entstanden sind, heilen können!“ Und sie zitiert eine Zeile aus dem Segen der ökumenischen Antwort, die die Tagung beschloss. Darin wird für die ökumenische Bewegung gedankt und es heißt darin: „Wir danken für ihre Ausdauer und die damit verbundene Leidenschaft, die Einheit der Kirche lebendig zu halten.“
Sabine Schleiden-Hecking

Fotos: Kathrin Becker/Sabine Schleiden-Hecking