Equal Pay Day 2018

21 Prozent Lohnunterschied - können wir uns das leisten?

Köln. 15.3.2018 Die Entgeltgleichheit für Frauen und Männer, also gleicher Lohn für gleiche Arbeit und gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit muss endlich durchgesetzt werden. Das fordert der der kfd-Diözesanverband, der zusammen mit drei weiteren Verbänden und dem Bildungswerk der Erzdiözese Köln anlässlich des Equal Pay Day zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „21 Prozent Lohnunterschied - können wir uns das leisten?" eingeladen hatte.


Elisabeth Bungartz, stellvertretende Diözesanvorsitzende hatte gleich in der Begrüßung schon den wesentlichen Grund für den Lohnunterschied genannt: „Was zeigen denn die vermeintlichen Erklärungen für die ungleiche Bezahlung wie zum Beispiel die Tatsache, dass es vermehrt Frauen sind, die die Kinderbetreuung übernehmen und dafür beruflich zurückstecken, dass Frauen weniger oft in Führungspositionen zu finden sind, oder dass Frauen Berufe wählen, die schlechter bezahlt werden? Dies sind doch nur Argumente, die die strukturell verankerte Ungerechtigkeit in der Bezahlung von Frauen und Männern offenlegen!"

Gut besetztes Podium

Die vielfältigen Gründe, vor allem aber, um die Folgen zu erläutern und um Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, diskutierten sechs Frauen aus Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft: Petra Dierkes, Hauptabteilungsleiterin, Erwachsenenseelsorge im Erzbistum Köln, Dr. Andrea Hammermann, Betriebswirtin beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, Brigitte Lausch, Vorstandsmitglied des „Business and Professional Women - Germany e.V“., Brigitte Olesch, Vorsitzende Richterin am Landesarbeitsgericht Köln und. Elena Stötzel, Vorsitzende des BDKJ im Erzbistum Köln. Die Moderation hatte die Radiojournalistin Claudia Barbonus.

Unterschiedliche Lösungsansätze

Einig waren sich alle Frauen darüber, dass Lohnunterschiede schon längst der Vergangenheit angehören sollten, doch hatten sie unterschiedliche Lösungsansätze. So machte Andrea Hammermann vor allem auf die strukturellen Unterschiede in der Bezahlung zwischen Frauen und Männern aufmerksam und forderte, diese zu ändern. Petra Dierkes, Hauptabteilungsleiterin Seelsorge im Erzbistum Köln, war selbst einmal mit der Situation konfrontiert gewesen, für die gleiche Arbeit weniger bezahlt zu bekommen als ihr männlicher Kollege. Sie forderte die Frauen auf, selbstbewusst nachzuhaken, welches Entgelt für ihre Arbeit üblich ist und gegebenenfalls auf einer Angleichung zu bestehen. Doch betonte Brigitte Lausch, Vorstandsmitglied des Business and Professional Women - Germany e.V., dass gleiche Gehälter nicht nur vom Verhandlungsgeschick der Frauen abhängig sein dürften.

Transparenzgesetz nicht der Schlüssel

Ein Schwerpunkt der Diskussion war das neue Transparenzgesetz, das das Arbeitnehmer*innen die Offenlegung der Gehälter von Kolleg*innen vereinfachen soll. Und richtig: Wir brauchen transparente Entgeltstrukturen in Betrieben, Behörden und Gesellschaften. Transparenz deckt Vorurteile bei der Arbeits- und Leistungsbeurteilung auf und gibt Gewähr für gerechte Gehaltsverhandlungen. Doch das jetzige Transparenzgesetz kritisierten alle Diskussionsteilnehmerinnen, Richterin Brigitte Olesch, hält es sogar für verfassungswidrig. Entsprechend deutlich war ihre Kritik: „Das Gesetz schenkt uns Frauen nichts. Viel wichtiger ist eine stärkere Vernetzung von Frauen und mehr Engagement in Betriebsräten, Parteien und Verbänden, um sich dort stark zu machen.“

Die Göttliche Ordnung: Abschluss mit Film

Bei einem gemeinsamen Imbiss diskutierten Podiumsteilnehmerinnen und Besucher*innen weitere Lösungsvorschläge, bevor der zweite Teil des Abends begann. Der Appell „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ ist immer auch ein Appell an die Politik. In Deutschland dürfen Frauen seit 1918, also in diesem Jahr seit 100 Jahren wählen und politische Ämter bekleiden. Ein Anlass, um  im Anschluss an die Diskussion den Film „Die göttliche Ordnung“ über den Kampf einer Schweizerin für das Frauenwahlrecht in ihrer Heimat zu zeigen.
Astrid Mönnikes

Fotos: Jörg Brocks

 

Die kooperierenden Verbände waren: BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend, der KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung) und dem ZKD (Zentralverband der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen der katholischen Kirche Deutschlands).

 

Hintergrundinformation zum Equal Pay Day
Beim Equal Pay Day wird an den einen Entgeltunterschied von 21 Prozent erinnert. 21 Prozent Lohn, den Frauen im Vergleich zu Männern in Deutschland weniger in der Tasche haben. Der Equal Pay Day ist eine statistische Größe. Für sie werden die Bruttolöhne aller Männer zusammengerechnet. Dann wird dieser Gesamtlohn der Männer durch die Anzahl der von ihnen geleisteten Stunden geteilt und mit den ebenso errechneten Bruttostundenlöhnen der Frauen verglichen. Der so ermittelte Gehaltsunterschied liegt in diesem Jahr bei 21 Prozent. Das heißt, beim Equal Pay Day geht es nicht ausschließlich um den direkten Vergleich von Gehältern in gleichen Jobs unter gleichen Bedingungen. Vielmehr macht der Tag auf die vielen strukturellen Unterschiede in der Bezahlung von geleisteter Arbeitskraft von Frauen und Männern aufmerksam.

Lesen Sie hier Berichte zum Equal Pay Day 2017 und Equal Pay Day 2016